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US-Autoindustrie Showdown in Detroit

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US-Klimaschutzziele für CO2-Ausstoss: Die Pläne der Präsidentschaftskandidaten sind strikter als jene der EU Quelle: Grafik: WirtschaftsWoche

Damit nicht genug. Obama will außerdem die Herstellung von Biokraftstoffen mit Wagniskapital unterstützen. Er plant, dass in zehn Jahren jeder verkaufte Neuwagen in den USA neben Benzin oder Diesel auch für Biokraftstoffe geeignet ist und dass Behörden ab sofort nur noch solche Autos kaufen dürfen. Mittelfristig sollen die Behörden Plug-in-Hybridautos anschaffen, also Hybridfahrzeuge, deren Batterie an der Steckdose aufgeladen werden kann.

An den Segen aus der Steckdose glaubt auch Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Sie hat zahlreiche detaillierte Vorgaben für die amerikanische Autoindustrie in der Schublade – „harte Vorgaben“, wie sie selbst sagt. Bis 2020 will sie den Verbrauch amerikanischer Autos um fast 40 Prozent senken, bis 2030 um mehr als 50 Prozent (siehe Grafik). Bis 2030 will sie die Öl-Importe um zwei Drittel reduzieren. Mit Steuererleichterungen und Milliardenkrediten für die Autohersteller sowie der gezielten Förderung von Plug-in-Hybridautos, Kleinwagen und Biokraftstoffen soll die Trendumkehr gelingen.

Alles in allem, so verspricht die Kandidatin, sei ihr Programm keine Belastung der angeschlagenen Autoindustrie, eher ein Fitness-Programm. Ob die US-Hersteller diese Einschätzung teilen, ist fraglich. Äußern wollen sie sich nicht dazu.

Bei den Republikanern sind konkrete Aussagen über die Autoindustrie eher Mangelware. Die meisten Kandidaten halten sich mit Kritik an den geschwächten Riesen GM, Ford und Chrysler zurück. Strengere Vorgaben beim Kraftstoffverbrauch plant bis auf John McCain keiner der Kandidaten. Allerdings ist für alle aussichtsreichen Bewerber von McCain bis Mitt Romney die Unabhängigkeit von Öl-Importen ein Top-Thema im Wahlkampf. Von ihren Plänen, die USA aus sicherheitspolitischen Gründen schon in spätestens ein, zwei Jahrzehnten von Öl-Importen völlig unabhängig zu machen, dürfte die Autoindustrie nicht unberührt bleiben. Schließlich werden über zwei Drittel des importierten Öls in Autos und Lastwagen verbrannt.

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    Beim staatlich vorgeschriebenen Flottenverbrauch sind die Europäer deutlich knausriger Quelle: Grafik: WirtschaftsWoche

    Nervös dürfte die amerikanische Autoindustrie das gute Abschneiden von McCain in den Vorwahlen machen. Er ist mit Abstand der grünste Kandidat der Republikaner. Bereits vor Jahren hatte McCain eine Klimaschutz-Strategie ausgearbeitet und für eine Absenkung der amerikanischen CO2-Emissionen um anspruchsvolle 65 Prozent bis 2050 plädiert. Dafür bekommt er sogar Lob von Umweltgruppen.

    Aber auch auf New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg schielen US-Automanager. Denn angeblich arbeiten Republikaner hinter den Kulissen an seinem späten Einstieg in das Rennen um das Präsidentenamt. Unter Bloomberg dürften die Autobauer auf wenig Gnade hoffen. Er gilt als einer der grünsten Bürgermeister der Welt, eine Art Al Gore der Republikaner. Bloomberg fordert Hybridtaxis für New York, will Autos mit einer Maut aus Manhattan fernhalten und schätzt den Klimawandel als „eine der dringlichsten Herausforderungen unserer Zeit“ ein.

    Was dies für sie heißt, können die Konzerne derzeit an Arnold Schwarzenegger, dem republikanischen Gouverneur von Kalifornien, studieren. Der gebürtige Österreicher gilt als eine Art grüner Terminator und hat erreicht, dass inzwischen 15 US-Bundesstaaten mit über der Hälfte der amerikanischen Bevölkerung die Abgasnormen für Autos gesetzlich verschärft haben: Bis 2020 wollen sie den CO2-Ausstoß im Verkehr um 30 Prozent senken. Die Gesetze werden zwar noch von der Regierung in Washington blockiert. Spätestens nach dem Abdanken von George W. Bush in einem Jahr dürfte damit jedoch Schluss sein. Egal, wer dann neuer Präsident ist – das Klima wird für die Autohersteller in jedem Fall rauer.

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