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US-Bank Image-Politur à la Goldman Sachs

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Goldman Sachs Quelle: REUTERS

Heute ist die entscheidende Frage für die Führungsspitze: Wie kann Goldman seinen Ruf reparieren? Wie kann die Bank ihre Ausnahmestellung an den Finanzmärkten zurückerobern? Und wie kann sie das beschädigte Vertrauen zu Kunden wieder herstellen?

Denn das Goldman-Sachs-Mantra, der Kunde stehe bei allen Geschäften an erster Stelle, klingt nach den vielen negativen Schlagzeilen hohl:

Die SEC-Klage warf Goldman vor, Kunden in betrügerischer Absicht wichtige Informationen über ein Investmentvehikel vorenthalten zu haben, bei dessen Strukturierung ein anderer Kunde der Bank, ein Hedgefonds, eine wichtige Rolle gespielt hatte.Im August 2009 berichtet das „Wall Street Journal“, wie Goldman-Analysten bestimmte Kunden regelmäßig mit exklusiven Informationen über Handelsstrategien versorgten, die anderen Kunden vorenthalten wurden.In Kalifornien startete der Finanzminister eine Untersuchung, die klären soll, ob bei Wetten von Goldman-Händlern gegen die Schulden des Bundesstaates alles rechtens gewesen ist. Goldman hatte zuvor bei der Emission der Papiere Millionen an Gebühren kassiert.Während die Bank sich damit brüstete, im ersten Quartal 2010 an jedem Tag Handelsgewinne eingefahren zu haben, erging es ihren Kunden, die Goldmans „Top-Trades 2010“ gefolgt waren, schlechter. Eine Analyse des Informationsdienstes Bloomberg zeigte, dass sieben von neun der Anlagetipps Verluste brachten.

Umsatzeinbruch

Anhörungen von Top-Managern der Bank vor wütenden Untersuchungsausschüssen in Washington, die Verwicklung von Goldman in die Griechenland-Krise und in die Pleite der US-Versicherung AIG, die den Steuerzahler eine dreistellige Milliardensumme gekostet hat – die Liste der negativen Meldungen über Goldman Sachs sorgte bei vielen Kunden für Irritationen und schlägt inzwischen massiv auf die Geschäfte durch.

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    Von April bis Ende Juni brachen Goldmans Umsätze im Investmentbanking im Vergleich zum Vorjahresquartal um 36 Prozent ein, beim Eigenhandel betrug das Minus 39 Prozent. Der Gewinn krachte um 82 Prozent ein, auf 78 Cent je Aktie. Ohne die Sondersteuer auf Bonuszahlungen in Großbritannien und die Strafzahlung an die SEC betrug der Gewinn pro Aktie 2,75 Dollar, 52 Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahr.

    Kunden wenden sich ab

    Der Einbruch überrascht, weil andere Banken in dem schwierigen Umfeld besser abschnitten. Morgan Stanley, der einzige ernsthafte verbliebene Gegenspieler unter den reinen Investmentbanken, legte in fast allen Bereichen sogar zu. Im Segment Investmentbanking liegt Morgan Stanley mit einem Quartalsumsatz von 885 Millionen Dollar nur noch knapp hinter Goldman mit 917 Millionen Dollar.

    Das könnte daran liegen, dass Kunden sich abwenden. So sind wohl im zweiten Quartal einige Pensionsfonds angesichts des drohenden SEC-Prozesses davor zurückgeschreckt, Geld bei Goldman anzulegen, oder haben sogar Werte abgezogen. Zudem sollen einige Hedgefonds zu Morgan Stanley zurückgekehrt sein, die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zu Goldman geflüchtet waren. Dass US-Regierung, Bundesstaaten und Kommunen mit ihren Geschäftsbeziehungen zu Goldman derzeit äußerst zurückhaltend sind, verwundert nicht.

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