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US-Bank Image-Politur à la Goldman Sachs

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Lloyd Blankfein Quelle: Picture-Alliance/DPA

Das Imageproblem spüren auch die Mitarbeiter. Das Goldman-Sachs-Label – einst ein Ticket für einen lukrativen Job in Washington – ist heute bei der Besetzung von öffentlichen Ämtern eher hinderlich.

Wird die einst bewunderte und beneidete Investmentbank nun zu einem „mittelmäßigen Handelshaus, das nicht einmal besonders viel zahlt“?, fragt der Informationsdienst „Business Insider“. Die Bank legte zuletzt vom Umsatz sogar weniger für Vergütung und Bonuszahlungen zurück als Morgan Stanley. Eine Serie schwächerer Quartale würde die Fähigkeit der Bank gefährden, die cleversten Leute anwerben oder halten zu können.

Verluste in Kauf nehmen

Ein Grund für die schwachen Zahlen könnte allerdings sogar als Beleg dafür herhalten, dass die Bank kundenorientiert agiert. Zu Beginn des zweiten Quartals hätten Goldman-Kunden auf steigende Schwankungen – im Bankjargon Volatilität – an den Märkten wetten wollen, Goldman habe die entsprechenden Gegenpositionen übernommen und sich selbst nicht schnell genug gegen das eingegangene Risiko absichern können, ließen Goldman-Manager Bankanalysten wissen. Als Anfang Mai mit dem Sekundencrash an den US-Börsen die Volatilitätsindizes nach oben schnellten, habe Goldman Verluste eingefahren, während sich die Kunden über die gelungene Spekulation freuen durften.

Das Signal passt perfekt in die Reha-Strategie: Wir nehmen für unsere Kunden sogar Verluste in Kauf.

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    Ob die der Investmentbank jetzt grundsätzlich misstrauischer begegnen, ist die entscheidende Frage für die Zukunft von Goldman Sachs. „Es ist unmöglich für uns, zu messen, was wir nicht an Geschäft bekommen haben,“ antwortet Finanzchef David Viniar fast schnippisch auf die Frage nach den Folgen des Reputationsschadens fürs Geschäft.

    Bankchef Lloyd Blankfein will nicht tatenlos hinnehmen, dass der Ruf ruiniert ist: „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es eine Entkopplung gibt zwischen unserem Blick auf die Firma und wie die breitere Öffentlichkeit unsere Rolle und unsere Tätigkeiten wahrnimmt.“

    Klares Signal an die Kunden

    In der derzeitigen Anti-Goldman-Stimmung tragen auch gut gemeinte Aktionen kaum zur Imageverbesserung bei. Manche empfinden es als zynisch, wenn etwa die Bank, die am Aufpumpen der Hypothekenblasen beteiligt war, jetzt 61 Millionen Dollar für Wohnprojekte für Leute mit niedrigeren Einkommen investiert. Auch Goldman-Initiativen wie die zur Förderung von 10.000 Kleinunternehmen, in die die Bank immerhin 500 Millionen Dollar stecken will, verpuffen in der öffentlichen Wahrnehmung als PR-Gag. Denn kleine Geschäftsleute leiden immer noch unter der Kreditklemme.

    Wichtiger als die Meinung der Menschen auf der Straße, aus deren Sicht Goldmans Ruf noch nie besonders gut war, sind Blankfein die eigenen Kunden. Denen soll der bis Mitte Dezember vom Business Standards Committee vorzulegende Bericht ein klares Signal geben: Ihr steht für uns an erster Stelle, und das geben wir euch schwarz auf weiß. Deshalb werden Bericht, neue Vorschriften und Verhaltensregeln auch veröffentlicht.

    Blankfein hat deutlich gemacht, dass dieser Kodex wohl der wichtigste Bestandteil des Reha-Programms sein wird. Darüber hinaus könnte er – so hoffen jedenfalls die Goldman-Banker – der neue Goldstandard für die Beziehungen zwischen Investmentbanken und ihren Kunden werden. Die Initiative solle „die Messlatte unserer Branche weltweit repräsentieren“, fordert Blankfein. Hatte irgendjemand von Goldman etwa weniger erwartet?

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