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US-Juwelierkette Chinesen verfallen dem Glanz von Tiffany's

Die große Rezession, deren Folgen die USA immer noch plagen, ist für die Juwelierkette Tiffany´s bereits Schnee von gestern. Das New Yorker Unternehmen ist so erfolgreich wie nie zuvor und erobert neue Märkte – vor allem die Chinesen scheinen dem Charme der Luxusmarke zu verfallen.

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Zuerst die Amis, jetzt die Quelle: AP

Der Fahrstuhlführer im Stammhaus von Tiffany´s auf der edelsten Strecke von New Yorks Fifth Avenue kann sich einen scherzhaften Kommentar nicht verkneifen, als er den Kunden die Tür zur Etage mit den besonders dicken und teuren Klunkern öffnet. Irgendwas wie „eines Ehemannes Alptraum“ murmelt er verschmitzt und erntet ein aufgeregt erwartungsfrohes Gekicher der mitgefahrenen weiblichen Passagiere mittleren Alters.

Zu keiner Zeit ist der Andrang im festlich aber nicht überbordend geschmückten Flagship-Store von Tiffany´s so groß wie in den Wochen vor Weihnachten. Die Dekoration soll auch nicht ablenken von den Diamantringen, Colliers, Goldreifen, von edlem Porzellan und neuerdings sogar einer Tiffany´s-Lederwaren-Kollektion, mit der das Unternehmen seine Produktpalette erweitert hat.

Wunsch-Positionierung einer Luxusmarke

Beim berühmten, im Jahr 1837 gegründeten Schmuckhändler haben sie allen Grund locker und zufrieden zu sein. Heute morgen vermeldete das Unternehmen die Ergebnisse fürs dritte Quartal. Seit vor drei Jahren die Finanz- und Wirtschaftskrise den Aktienkurs wie den der meisten Luxusgüterhersteller kollabieren ließ, lieferte Tiffany´s nahezu konstant bessere Ergebnisse ab als erwartet. Diesmal war es ein Umsatzplus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, das bei einer gleichzeitig verbesserten Marge zu einem Anstieg des Nettogewinns um 27 Prozent führte. Der Aktienkurs liegt wieder auf dem Niveau wie vor der Krise, als Gerüchte, Tiffany´s werde zum Übernahmeziel für einen der großen Luxusgüterkonzerne aus Europa, ihn auf recht luftige Höhen getrieben hatten. Mit einer aktuellen Börsenbewertung von gut sieben Milliarden Dollar wäre Tiffany´s tatsächlich immer noch ein zu bewältigender Brocken.

Das Unternehmen erreichte mit einer geschickten Marketing-Strategie in den vergangenen Jahren eine Premium-Positionierung, wie sie sich Luxusgüterhersteller wünschen. Die eigene Tiffany´s-Farbe – ein pastellartiges mint-grün oder hellblau oder irgend etwas dazwischen – ist insbesondere für amerikanische Frauen zur Signalfarbe geworden. Ehemänner, Verlobte oder Liebhaber dürfen das edle Kleine sogar in der Tüte überreichen – wenn sie denn von Tiffany´s ist. Das garantiert gesteigerte Vorfreude beim Auspacken.

Zudem pflegt das Unternehmen eine aus Kundensicht sehr angenehme zurückhaltende Verkaufsphilosophie. Der Kontrast wird besonders deutlich, wenn man die Atmosphäre bei Tiffany´s mit den teils sehr aggressiven Methoden vergleicht, mit denen nur wenige Blocks vom Flagship-Store entfernt, in New Yorks so genanntem Diamond District, Kunden angegangen werden. „Dort fühlt man sich eher wie in einem orientalischen Bazar und hat immer das Gefühl, übers Ohr gehauen worden zu sein, wenn man den Preis nicht deutlich herunter handeln konnte,“ sagt eine deutsche Touristin aus München. Bei Tiffany´s sei dagegen alles viel transparenter, die meisten Preise könne man sich vor einem Besuch sogar im Internet ansehen. Und das Personal wäre nicht so „pushy“.

Tiffany´s scheint sich weitgehend von der US-Konjunktur abgekoppelt zu haben. Im New Yorker Flagship-Store wird ein großer Teil des Umsatzes mit ausländischen Touristen gemacht, die in den nächsten Wochen den immer noch schwachen Dollar für Weihnachtseinkäufe nutzen. Und die Wachstumsregionen für das Unternehmen liegen in Übersee. In Europa, wo Tiffany´s vielen ein Begriff ist, seit die junge Audrey Hepburn in dem Film „Frühstück bei Tiffany´s“ aus dem Jahr 1961 in die Auslagen starrte, legte der Umsatz in diesem Jahr bisher um 20 Prozent zu. Und besonders stark wächst das Geschäft der Amerikaner in Asien – um 31 Prozent. Das liegt auch daran, dass Tiffany´s dort kräftig neue Läden eröffnet. Weltweit gibt es mittlerweile 225 Tiffany´s-Läden, 93 davon auf dem amerikanischen Kontinent, 57 in Japan, 43 in der Asien-Pazifik-Region und 25 in Europa.

Doch während Japan stagniert, brummt es vor allem in China. Anfang Mai eröffnete Tiffany´s den vierten Laden in der Boomtown Shanghai, in einem neuen Einkaufscenter im Stadtteil Pudong, in unmittelbarer Nähe zu Luxushotels und dem 101 Stockwerke hohen World Finance Center. In Chinas wichtigsten Zentren betreibt Tiffany´s damit insgesamt bereits zwölf Filialen. Damit wird der chinesische Markt immer wichtiger für das Unternehmen. So wichtig, dass mittlerweile sogar Teile der Kollektion auf den chinesischen Geschmack ausgerichtet werden. Pünktlich zum Jahreswechsel präsentierte die Schmuckdesignerin Paloma Picasso, die jüngste Tochter des Künstlers Pablo Picasso, eine Kette mit Anhänger, die ganz klar auf chinesische Käufer zielt. Der Anhänger ist ein kleines aus 18karätigem Gold und mit Minidiamanten gefertigtes Kaninchen für 850 Dollar. Es soll ein Glücksbringer sein. Im nächsten Januar beginnt nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Kaninchens.  

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