WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Utz Claassen "Hohes Maß an Irrationalität und Täuschung"

Der Prozess zwischen der Solar Millenium AG und deren Ex-Chef Utz Claassen beginnt. Im Interview redet Classen offen über die Zeit vor und nach seinem Ausscheiden aus dem Solarkonzern.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Utz Claassen Quelle: dpa

Handelsblatt: Herr Claassen, Sie sind eine der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft. Wie geht es Ihnen heute, knapp 18 Monate nach Ihrem Ausscheiden bei Solar Millennium?

Utz Claassen: Heute geht es mir gut. Aber zunächst war ich längere Zeit krank. Ich hatte einen Bandscheibenvorfall und war zeitweise fast vor Schmerzen paralysiert.

Sie wirken wieder fit, um nicht zu sagen: ausgeruht und kampfeslustig.

Die Zeit der Schmerzen ist jedenfalls glücklicherweise vorbei. Jetzt gehe ich wieder meinen verschiedenen Tätigkeiten nach: Etwa meiner Arbeit an Universitäten, meinem Einsatz für innovative Materialien für die Medizintechnik und meinem Engagement beim Fußballclub RCD Mallorca....

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    ...und an diesem Freitag beginnt der Prozess gegen Ihren früheren Arbeitgeber, den Kraftwerksbauer Solar Millennium, dem Sie nach nur 41 Tagen im Amt des Vorstandschefs zum ersten Mal gekündigt und den Sie nach weiteren 33 Tagen dann endgültig verlassen haben. Worum geht es Ihnen in diesem Prozess?

    Um Wahrheit und Rechtmäßigkeit.

    Wieso haben Sie sich eigentlich als Ex-Vorstand des VW-Konzerns und als Ex-Vorstandschef des Energiekonzerns EnBW 2009 für den Chefposten des relativ kleinen Mittelständlers beworben?

    Ich habe mich nicht beworben. Ich bin von einer der größten Banken der Welt angesprochen worden, ob ich mit dem Aufsichtsrat ein Gespräch führen würde. Und natürlich hat meine noch heute vorhandene Begeisterung für die solarthermische Stromerzeugung eine Rolle gespielt.

    Und die Gespräche mit dem Aufsichtsrat haben Sie offenbar überzeugt?

    In den Gesprächen hat man sehr große Anstrengungen unternommen, um mich für das Unternehmen zu gewinnen. Da ich das Unternehmen kaum kannte, habe ich um seinen Businessplan gebeten. Dieser ist dann sogar elementarer Bestandteil des Dienstvertrags geworden. Man sicherte mir dienstvertraglich ausdrücklich zu, dass der Businessplan seriös sei. Und dass die geplanten Umsätze mit als konkret bzw. wahrscheinlich einzustufenden Projekten hinterlegt seien.

    Was sich dann als so nicht richtig erwies, wie die Firma ja mittlerweile selbst einräumt.

    Ist das nicht unglaublich? Ich wäre nicht eine einzige Sekunde auf die Idee gekommen, dass dieser Businessplan – wie der Aufsichtsrat inzwischen gegenüber dem Gericht eingeräumt hat – in Wahrheit keine gültige Konzernplanung war.

    Sondern?

    Sondern ein offenbar vorrangig zur Beifügung zu meinem Dienstvertrag entstandenes Zahlenwerk. Das ich persönlich aus heutiger Sicht eher als 'Konstrukt' bezeichnen würde.

    Inhalt
    • "Hohes Maß an Irrationalität und Täuschung"
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%