Verhandlungen Drei Prozent mehr Gehalt: Tarifeinigung für private Versicherungswirtschaft

Die Tarifverhandlungen für die Versicherungsangestellten waren belastet von den stark steigenden Verbraucherpreisen. Nach drei Verhandlungsrunden und Protestaktionen steht ein neuer Abschluss.

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Zu einem ganztägigen Warnstreik rief die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten der privaten und der öffentlichen Banken sowie die Innendienstangestellten des privaten Versicherungsgewerbes auf. Quelle: dpa

Die rund 160.000 Beschäftigten im Innendienst der privaten Versicherungswirtschaft erhalten mehr Geld. Nach einer Einmalzahlung im Mai von 550 Euro steigen die Tarifgehälter ab 1. September dieses Jahres um 3,0 Prozent, wie der Arbeitgeberverband AGV und die Gewerkschaften Verdi und DBV am Samstag mitteilten.

Im kommenden Jahr soll es mit dem Mai-Gehalt erneut eine Einmalzahlung von 500 Euro geben, die Tarifgehälter steigen ab 1. September 2023 um weitere 2,0 Prozent. Die Laufzeit des nach drei Verhandlungsrunden vereinbarten neuen Tarifvertrages betrage 26 Monate bis Ende März 2024.

Teilzeitkräfte erhalten künftig den Angaben zufolge ebenfalls Mehrarbeits-Zuschläge bei Überschreitung ihrer individuell vereinbarten Arbeitszeit. Laut Verdi ist das in der Tariflandschaft in Deutschland bisher einmalig. Die Ausbildungsvergütungen werden ebenfalls zum 1. September 2022 und 2023 um je 50 Euro erhöht. Darüber hinaus erhalten die Auszubildenden Einmalzahlungen in Höhe von 300 Euro und 250 Euro sowie einen Übernahmeanspruch nach erfolgreich absolvierter Ausbildung.

Die Tarifverhandlungen für die Versicherungsangestellten waren belastet von der aktuellen Entwicklung der Verbraucherpreise. Aus Sicht von AGV-Verhandlungsführer Andras Eurich erhalten die Beschäftigten durch diesen Abschluss „in einer Zeit galoppierend steigender Preise signifikant mehr Geld“. In den gegenwärtig äußerst schwierigen Zeiten des Ukraine-Krieges werde mit dem Abschluss für Beschäftigte und Unternehmen Planungssicherheit geschaffen.

Reaktionen bei den Gewerkschaften gemischt

Verdi-Vertreterin Martina Grundler sagte, „wir hätten uns ein Ergebnis gewünscht, das die Einkommen der Beschäftigten in der wirtschaftlichen Krise noch stärker gesichert hätte. Die Geschäftsergebnisse hätten das zugelassen“. Aber gerade die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für Teilzeitkräfte seien ein großer tarifpolitischer Erfolg.

Die Verhandlungsführerin des Deutschen Bankangestellten-Verbands (DBV), Ute Beese, sprach von einem guten Abschluss. „Gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen Lage können wir mit dem Abschluss leben“, sagte sie auf Anfrage. Das Tarifpaket könne zwar nicht alle Wünsche erfüllen, gebe aber „einen spürbaren Halt in einer unsicheren Zeit“, teilte der DBV als Gewerkschaft der Finanzdienstleister weiter mit. Beschäftigte und Auszubildende hätten nun für die kommenden 26 Monate aber kalkulierbare Stationen des Gehaltszuwachses.

Nach Angaben der Arbeitgeber betrifft das Tarifpaket rund 172 000 Innendienst-Angestellte einschließlich der Auszubildenden, der DBV sprach von 162 700 Beschäftigten im Versicherungsinnendienst.

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