WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Verhandlungstaktiker zum Opel-Poker "Ein anderer Opel-Käufer als Magna würde mich nicht überraschen"

Seite 2/2

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich mehrfach skeptisch über die Magna-Lösung geäußert. Ist das ein Indiz dafür, dass sich auch die Politik gar nicht so eindeutig festgelegt hat?

Der Wirtschaftsminister hat sich als einziger in dem Prozess professionell verhalten, in dem er sich alle Optionen offen gehalten hat. Die anderen haben sich zu früh festgelegt, dass war verhandlungstaktisch ein großer Fehler.

Wenn Magna das Bieterverfahren gewinnt, können die SPD-Politiker natürlich erklären, wir haben das von Anfang an gesagt. Doch wenn nicht, wäre es ein dramatischer Gesichtsverlust.

Aber wäre denn eine andere Lösung als Magna nicht schwer zu vermitteln?

Es wurden in dem ganzen Prozess viele Fehler gemacht, darunter die viel zu frühe Festlegung auf einen Bieter. Ein weiterer Fehler ist, dass viel zu viele Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Es sind zu viele Leute an entscheidenden Stellen dabei, die Informationen nach außen tragen. Eigentlich müsste es ein kleines Verhandlungsteam geben, das sich auch intern gegen den Aufsichtsrat stärker abschottet.

Ist es nicht eine übliche Taktik, gezielt Informationen zu lancieren?

Man darf das, um das Wasser zu testen, doch man sollte seine Aussagen nicht so personifizieren. So wie der  Opel-Betriebsrat, der GM Zockerei vorwirft. Oder wie Finanzminister Peer Steinbrück, der sich öffentlich darüber beschwert hat, dass die Amerikaner plötzlich neue Forderungen vorgelegt haben.

Er hat sich beschwert, dass mitten im Rettungsgipfel ein neuer Finanzbedarf von 300 Millionen aufgetaucht ist.

Man kann auch erbost darüber sein, darf es aber nicht öffentlich zeigen. Es ist eine ganz normale Strategie, in Verhandlungen neue Forderungen zu stellen. Darauf muss man reagieren, in dem man die eigenen Forderungen wieder erhöht.

Der chinesische Autobauer BAIC will erst in zwei Wochen ein verbindliches Angebot vorlegen, Magna und Opels Arbeitnehmervertreter rechnen schon am 15. Juli mit einem Abschluss. Ist das realistisch oder könnten sich die Verhandlungen noch über den ganzen Sommer ziehen?

Nein ich denke, dass ist schon realistisch. Die Chinesen haben eine so genannte non binding offer, also ein nicht verpflichtendes Angebot vorgelegt. Sie haben Einblick in die Bücher und wissen genau, was sie wollen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%