Verkauf von Pistolen Waffenbauer Sig Sauer droht wegen Kolumbiengeschäft eine Millionenstrafe

Fünf Manager des deutschen Waffenbauers sollen Zehntausende Pistolen ohne Genehmigung nach Kolumbien verkauft haben. Den Angeklagten droht eine Haftstrafe.

Die Pistolen des Waffenherstellers sollen illegal nach Kolumbien exportiert worden sein. Quelle: Wikipedia Creative Commons

BerlinEin Kunststoffrahmen macht die Pistole SP2022 besonders leicht und resistent gegen Verschleiß. Tödlich ist die schwarze Waffe trotzdem: Sie verschießt 15 Neunmillimeter-Projektile aus jedem Magazin. Die Pistole des Herstellers Sig Sauer aus Eckernförde ist bei französischen Zoll- und Polizeibeamten populär, wirbt das Unternehmen auf seiner Webseite.

Wären EU-Länder die einzigen Abnehmer der Waffe geblieben, hätte sich Sig Sauer wohl viel Ärger ersparen können. Zehntausende der halbautomatischen Pistolen sollen jedoch illegal nach Kolumbien gelangt sein, zu einer Zeit als in dem südamerikanischen Land Bürgerkrieg herrschte. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft Kiel fünf Sig-Sauer-Mitarbeiter beim Landgericht angeklagt, wie sie dem Handelsblatt am Donnerstag bestätigte.

Die Angeschuldigten sollen beim Kolumbien-Geschäft gegen die Außenwirtschaftsordnung verstoßen haben. „Bei den fünf Personen handelt es sich um Geschäftsführer beziehungsweise Ausfuhrverantwortliche der Sig Sauer Firmengruppe“, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft mit.

Laut Anklage, die NDR-Reporter einsehen konnten, soll das Unternehmen insgesamt 36.628 Pistolen illegal nach Kolumbien geliefert haben. Die Waffen seien zunächst in die USA exportiert worden und von dort weiter nach Südamerika. Sig Sauer soll dafür von 2009 bis 2012 in den Anträgen für Ausfuhrgenehmigungen falsche Angaben gemacht haben.

Offenbar sollte den Behörden der Eindruck vermittelt werden, dass die Waffen für den zivilen US-Waffenmarkt bestimmt seien, während ihr eigentliches Ziel die kolumbianische Nationalpolizei gewesen sei. Die Verantwortlichen sollen gewusst haben, dass ein Teil der Waffen nach Kolumbien umgeleitet würde. Denn nur mit den in Deutschland gebauten Pistolen habe ein Schwesterunternehmen in den USA seine Lieferverträge mit Kolumbien erfüllen können.

Sig Sauer soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zwölf Millionen Euro Strafe zahlen. Damit solle die gesamte Summe, die der Waffenbauer bei dem Verkauf der Pistolen erzielt hat, eingezogen werden, sagte Behördensprecher Axel Bieler am Donnerstag der DPA. Notwendig sei dafür aber noch ein entsprechender Gerichtsbeschluss.

„Diese Behauptung ist grob falsch“, sagt Anwalt Gerald Goecke dem Handelsblatt. Der Jurist vertritt ausschließlich das Unternehmen aus Eckernförde. Er sei nach wie vor überzeugt, „dass die Ausfuhr in die USA rechtskonform erfolgte“. Zu weiteren Details wollte sich Goecke nicht äußern, auch weil die Anklageschrift seiner Mandantin und anderen Angeschuldigten noch nicht zugestellt worden sei.

Die Strafanzeige hatte der Friedensaktivist Jürgen Grässlin aus Freiburg im Jahr 2014 gestellt. Seitdem laufen die Ermittlungen. Grässlin sieht sich heute bestätigt: „Waffen in ein Bürgerkriegsland zu verkaufen ist keine Spaßveranstaltung, für uns ist das organisierte Kriminalität.“

Lässt das Gericht die Anklage zu und kommt es zu einer Verurteilung, droht den Angeklagten eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe bis zu fünf Jahren. 

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