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Allianz-Chef Bäte „Wir ersticken an unserer Komplexität“

Allianz-Chef Oliver Bäte: „Wir ersticken an unserer Komplexität“ Quelle: imago images

Allianz-Chef Oliver Bäte will den Versicherer radikal umbauen und dabei das Produktangebot vereinfachen. Die Allianz soll „weg von der Einzelfertigung“. Schnell umsetzbar ist das aber nicht.

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Dem Münchner Versicherungsriesen Allianz steht in den nächsten Jahren ein noch stärker Umbau bevor als bislang geplant. Denn Allianz-Chef Oliver Bäte will noch mehr verändern. „Das Hauptproblem unserer Industrie und der Allianz im Besonderen ist, dass wir an unserer Komplexität manchmal ersticken“, sagte Bäte vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). So schleppe die Allianz allein in Deutschland 61 Rechtsschutz-Versicherungen in den Computersystemen mit sich, die nicht mehr verkauft würden. 20 verschiedene Rechtsschutz-Produkte können noch abgeschlossen werden. Andere Branchen wie die Autoindustrie hätten die Kosten ihrer Komplexität schon vor Jahrzehnten in Angriff genommen. „Wir müssen konsequenter an den Umbau“, forderte Bäte. Dabei müssten auch die Vertriebskosten sinken.

Die Allianz arbeite nun daran, die alten Verträge auf neue Produkte umzustellen, auch um alte Computersysteme abstellen zu können. Bis 2023 wolle die Allianz die Hälfte davon abgeschaltet haben, bis zu einer kompletten Erneuerung könne es aber zehn Jahre dauern. „Wir hätten damit früher anfangen sollen, bevor wir Neues entwickeln“, sagte der Allianz-Chef. Der Konzern habe erst 2017 begonnen, seine technische Infrastruktur und deren Anwendung zu analysieren.

Bäte arbeitet seit längerem an einer Vereinfachung des Produktangebots. In den nächsten drei Jahren wolle die Allianz „weg von der Einzelfertigung“. Mit dem Online-Autoversicherer Allianz Direct versucht sie zum ersten Mal, ähnliche Produkte für mehrere Länder über eine einzige Plattform zu entwickeln. Damit zielt sie auf Größeneffekte ab, die die Versicherer bisher kaum heben können. „Diese Reise wird noch einige Jahre dauern“, sagte Bäte.

Von großen Übernahmen ist der Manager abgerückt. Die Börsenkurse seien – unabhängig von der Qualität der Versicherer – so hoch gewesen, dass die Allianz abgewinkt habe. „Wir haben nichts Großes gefunden, was für uns ökonomisch Sinn gemacht hätte.“ Stattdessen versucht die Allianz, mit Zukäufen in einzelnen Märkten ihre Position auszubauen. Aber auch das dauere: Bei der britischen Liverpool & Victoria habe man drei Jahre verhandelt, die Gespräche mit der brasilianischen Sul America, deren Sach-Sparte die Allianz kürzlich übernommen hat, hätten schon vor vier Jahren begonnen.

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