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Allianz-Chef Diekmann Geschäft mit Lebensversicherungen wird schwieriger

Exklusiv

Mangelndes Interesse an Lebensversicherungen und die niedrigen Zinsen bedrohen laut Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann die Branche.

Was Lebensversicherungen wirklich bringen
Interrisk: Österreicher bieten beste BeitragsrenditeDie Ratingagentur Assekurata errechnete für Interrisk eine garantierte Beitragsrendite von 1,69 Prozent - für einen Vertrag, der 25 Jahre läuft und formal einen Garantiezins von 1,75 Prozent hat. So nah ist kein anderer Versicherer am Garantiezins dran. Auch im Vorjahr war dies so. Die prognostizierte - und damit unverbindliche - Beitragsrendite beträgt 4,2 Prozent. Damit liegt Interrisk als einer von vier Anbietern noch über der Marke von vier Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Satz jedoch deutlich gesunken, und zwar von 4,57 Prozent. Die InterRisk Versicherungs-AG ist das deutsche Tochterunternehmen der östereichischen Vienna Insurance Group. Quelle: Presse
Europa: Direktversicherer hält sich im SpitzenfeldDie Europa Lebensversicherung liefert seit Jahren gute Zahlen ab. Doch auch diese sinken. Die garantierte Beitragsrendite ist mit 1,57 Prozent sogar noch ein wenig höher als im Vorjahr mit 1,53 Prozent, weil Kostenvorteile zu Buche schlagen. Bei der prognostizierten Beitragsrendite liegt Europa mit 4,53 Prozent an der Spitze des Feldes. Der Wert liegt jedoch deutlich unter den 4,95 Prozent des Vorjahres. Bei der Überschussbeteiligung hält Europa noch die Marke von vier Prozent. Das geht hervor aus einer Mitteilung des Versicherers an die Ratingagentur Assekurata. Für 2012 betrug die Überschussbeteiligung noch 4,35 und für das Jahr 2011 waren es noch 4,5 Prozent. Quelle: Screenshot
Cosmos Direkt: Niedrige Kosten - hohe RenditeDie Lebensversicherungsangebote der Cosmos Direkt profitieren vom Vertriebsweg. Es ist für Kunden günstiger, wenn sie im Internet oder am Telefon einkaufen. Die Tochter der Generali gibt diese Vorteile in den Konditionen weiter. Am besten ist dies bei der garantierten Beitragsrendite zu erkennen. Platz 3 im Ranking von Assekurata mit 1,46 Prozent. Auch hier errechnete die Ratingagentur einen leicht besseren Wert als im Vorjahr. 4,17 Prozent für die prognostizierte Beitragsrendite ist ebenfalls ein Spitzenwert in der Branche. Im Vorjahr waren es aber noch 4,57 Prozent.
Hannoversche Leben: Schon unter vier ProzentMit der garantierten Beitragsrendite von 1,35 Prozent liegt der Direktversicherer aus Hannover auf Platz 4 - und damit sehr gut. Mit der prognostizierten Beitragsrendite erreicht er Platz 5. Dieser Wert liegt jedoch unter vier Prozent (3,92 Prozent), nachdem es im Vorjahr noch 4,17 Prozent waren. Nur vier Lebensversicherer liegen bei dieser Hochrechnung noch über vier Prozent. Dies zeigt den Trend in der Branche und auch bei der Hannoverschen Leben, für die die Schauspielerin und Komikerin Anke Engelke wirbt.
WGV: Guter Garantierendite, schlechtere PrognoseDie Württembergische Gemeinde-Versicherung (WGV) bietet eine sehr gute Beitragsrendite. Mit 1,31 Prozent liegt der Versicherer auf Platz 5 in der Branche, wie Assekurata berechnete. Schlechter ist die prognostizierte Beitragsrendite mit 3,63 Prozent. Mehr als ein Dutzend Konkurrenten liegen hier besser. Wie andere Untersuchungen zeigen, liegt die WGV in der Leistungsfähigkeit für den Kunden häufig in den Top10. Quelle: Presse
Ergo Direkt: Besser als die große MutterErgo Direkt will nicht nur mit dem Thema Verständlichkeit punkten, sondern auch mit seinen Lebensversicherungsrenditen. Bei der garantierten Beitragsrendite liegt der Direktversicherer mit 1,31 zusammen mit der WGV auf Platz fünf. Auffällig ist die starke Verbesserung zum Vorjahr. Da lag dieser Wert nur bei 1,23 Prozent. Mit einer prognostizierten Rendite von 3,57 Prozent liegt Ergo Direkt allerdings nur im oberen Mittelfeld der Branche. In jedem Fall ist der Direktversicherer mit beiden Werten deutlich besser als das Vertreter-Unternehmen Ergo, die große Mutter aus Düsseldorf. Quelle: Screenshot
Asstel: Gothaer-Tochter springt in die Top10Die Asstel aus Köln-Mülheim profitiert ebenfalls davon, dass der Vertrieb eines Direktversicherers günstiger ist als bei Unternehmen, die auf Vertreter setzen. Die garantierte Beitragsrendite liegt mit 1,3 Prozent daher vergleichsweise hoch - Platz 8 bei Assekurata von 61 Versicherern. Die prognostizierte Beitragsrendite ist mit 3,8 Prozent ebenfalls vergleichsweise gut - ein Top10-Wert für die Tochter der Gothaer Versicherungen. Quelle: Presse

„Die Situation wird sicherlich nicht einfacher, wenn wir für lange Zeit einen realen Nullzins haben“, sagte Diekmann im Interview. Zwar sei das System in einem normalen Umfeld auch wegen der harten Regulierung in Deutschland sehr resistent. „Wenn allerdings die Menschen den Glauben an die Lebensversicherung verlieren würden und das Neugeschäft dauerhaft einbricht, wird es für die Industrie schwieriger.“

Das neu angebotene Lebensversicherungsprodukt der Allianz mit reduzierten Garantien steht aktuell in der Kritik. Diekmann kündigte an, dass Policen mit lang laufenden Garantien die Kunden künftig mehr kosten werden: „Ich möchte ganz deutlich sagen, dass jede lebenslange Garantie, die man nicht durch entsprechende Kapitalanlagen absichern kann, deutlich teurer werden muss. Das ist eine logische Konsequenz der zunehmenden Risikoaversion in den Finanzsystemen.“ Der Allianz-Chef schloss nicht aus, eines Tages womöglich gar keine Lebensversicherungen anzubieten: „Wenn die Kunden eines Tages sagen, sie wollen weder das Produkt mit der niedrigen lebenslangen Garantie noch das neue Produkt mit den Abschnittsgarantien, muss man sich auch davon verabschieden können“, sagte er.

2012 schrumpften die Neubeiträge der Allianz beim Geschäft mit Lebensversicherungen vor allem durch den Rückgang bei Policen mit Einmalbeiträgen um zehn Prozent. Die laufenden Neubeiträge gingen um 2,3 Prozent zurück. Für das laufende Jahr erwartet Diekmann keine Besserung: „Für die Allianz erwarten wir, dass sich das Neugeschäft 2013 ähnlich wie im Vorjahr entwickeln wird“, so Diekmann.

Diekmann: Banken werden künftig selbst für Einlagensicherung sorgen müssen - Nachbesserung bei Solvency II notwendig

Der Staat wird künftig nicht mehr für die Einlagensicherung der Banken aufkommen, sondern die Geldhäuser werden diese selbst übernehmen. Davon geht Michael Diekmann aus. „Die Banken müssen selbst einen Mechanismus finden, um Einlagen zu garantieren“, sagte Diekmann. „Das kann dann nicht mehr der Staat machen. Es könnte aber auch Einlagen geben, die nicht garantiert sind. Für die müsste der Anleger dann mehr Zinsen bekommen als für die garantierten Einlagen.“

Dies sei eine denkbare Konsequenz aus den Veränderungen in der Branche, die die Finanzierung für Banken immer teurer machten. Dazu zählte Diekmann unter anderem die Schuldenschnitt-gefährdeten hohen Bestände an Anleihen der Euro-Krisenländer bei den Banken und den Aspekt, dass ab 2018 Aktionäre, Gläubiger und Sparer an Banksanierungen beteiligt werden sollen.

Nachbesserungen fordert Diekmann bei den neuen Kapitalvorschriften für Versicherer nach Solvency II, die voraussichtlich 2016 in Kraft treten. „Kapitalunterlegungen von 25 Prozent für Engagements in Immobilien orientieren sich an Erfahrungen auf dem britischen Markt, wo die Preise viel stärker schwanken“, so Diekmann. Auch dass Aktienanlagen mit bis zu 49 Prozent unterlegt werden müssten und gleichzeitig behandelt würden als hielte man sie nur ein Jahr, könne nicht so bleiben, sagte Diekmann.

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