Allianz streicht hunderte Stellen Was die Digitalisierung mit dem Versicherer macht

Die Allianz-Versicherung streicht 360 Stellen in Deutschland. Das soll rund 40 Millionen Euro an Vertriebskosten sparen. Grund für die Kürzungen ist die Digitalisierung der Versicherer-Branche – und die hat gerade erst begonnen.

Die Allianz will fast jede dritte Geschäftsstelle schließen Quelle: dpa

Seit die Allianz ihre Online-Offensive verkündet hat, geht unter den Mitarbeitern der Versicherung die Angst um. Die Sorge, dass eine zunehmende Verlagerung des Versicherungsgeschäfts ins Internet und steigender Kostendruck viele Jobs kosten könnte, ist längst allgegenwärtig.

Tatsächlich streicht der Versicherer nun im Deutschland-Vertrieb 360 Stellen. Davon betroffen sind vor allem Führungskräfte und Betreuer der Außendienstmitarbeiter, wie Allianz Deutschland am Mittwoch mitteilte. Die Vertriebskosten sollen damit um 40 Millionen Euro sinken. Der Versicherer will bei den Streichungen möglichst ohne Kündigungen auskommen. Die Allianz Deutschland AG beschäftigt 29.600 Mitarbeiter, davon 7500 im Vertrieb.

Das Netz der 8400 Vertreter und Agenturen soll nicht angetastet werden. "Hier werden wir weder die Zahl der Büros noch die Zahl der Mitarbeiter verringern", sagte Deutschland-Vertriebsvorstand Joachim Müller dem "Handelsblatt".

Versicherungen über Facebook

Das eingesparte Geld soll in die Digitalisierungs-Offensive fließen, für die die Allianz bis 2017 weitere 80 bis 100 Millionen Euro budgetiert hat. Der Konzern stellt sich damit darauf ein, dass immer mehr Versicherungskunden im Internet nicht nur nach Informationen suchen, sondern dort auch Verträge abschließen und Schäden melden wollen.

Kunden sollen künftig stärker über soziale Netzwerke wie Facebook betreut und auch per Video beraten werden.

Größte Versicherungen weltweit im Jahr 2013

Die Allianz beteuert dabei weiter, dass die meisten Kunden auch weiterhin den Kontakt zum Vertreter suchen und persönliche Beratung verlangten. "Wir haben täglich rund 100 Neugeschäfte von Kunden, die sich online bei uns melden, aber vor Ort in der Agentur den Vertrag unterzeichnen", erläutert Müller.

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Doch ein Branchenüberblick zeigt: Während die Umsätze im Direktversicherungsgeschäft über Telefon und Internet in den vergangenen Jahren massiv gestiegen sind, schrumpfen die Umsätze der niedergelassenen Händler.

Überhaupt noch die von der Allianz vorgegebenen Abschlussquoten zu erreichen, werde immer schwerer, klagte ein Versicherungsvertreter im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

Und eine Umfrage der Allianz-Vertretervereinigung zeigt: Mehr als die Hälfte der Vertreter verbuchten mit ihrer Agentur 2013 einen Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahr.

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