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Ergo, Allianz und Co. Der digitale Nachholbedarf der Versicherer

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Allianz: "Es geht nicht schnell genug"

Nein, abschaffen will Allianz-Chef Oliver Bäte seine über 10 000 Vertreter nicht. Aber sie sollen digital denken, soziale Netzwerke intensiv für den Kontakt mit den Kunden nutzen. Einzelne Policen sollen Kunden in Zukunft online abschließen können.

2015 hat die Allianz fast elf Milliarden Euro verdient, aber die Warnsignale sind unübersehbar. Der Umsatz ging in den ersten neun Monaten um gut drei Prozent zurück, in der Sachversicherung verliert die Allianz Marktanteile. Deshalb ist ihr Chef, der seine prägenden Berufsjahre bei McKinsey absolvierte, äußerst ungeduldig. „Es geht mir nicht schnell genug“, sagt Bäte. Dass etwa Allianz-Kunden vor dem Abschluss einer Kfz-Versicherung 48 Fragen beantworten müssen, mag er nicht länger akzeptieren.

Einfach ist der Wandel in dem 126 Jahre alten Konzern nicht. Inspiration findet der Allianz-Chef im Austausch mit Gründern neuer, digitaler Anbieter, sogenannter Insuretechs. Mit Simplesurance-Chef Robin von Hein tauscht er sich regelmäßig aus, im Juni haben beide eine Kooperation vereinbart. Start-up-Geist soll die Tochter Allianz X in den Konzern bringen. Bäte hat sie mit 430 Millionen Euro ausgestattet. Das Geld soll sie in neue Unternehmen mit neuen Ideen investieren, die Allianz-Mitarbeiter oder externe Gründer entwickelt haben.

In der Digital Factory hinter dem Münchner Ostbahnhof tüfteln internationale Teams an digitalen Lösungen. Sie sollen Prozesse der bisher eigenständig agierenden Ländergesellschaften vereinheitlichen und zugleich ausprobieren, ob sich gute Ideen etwa aus Indonesien auch in Deutschland oder Frankreich anwenden lassen.

So entmachtet Bäte die Chefs in den einzelnen Ländern teilweise. „Da gibt es heftigen Widerstand“, berichtet ein Insider. Auch der betont lockere Außenauftritt Bätes kommt intern nicht überall gut an. Dass sich ihr Chef ohne Krawatte und Jackett von Internetstar Tilo Jung für dessen Reihe „Jung und naiv“ auf YouTube interviewen ließ, fanden manche alten Allianzer gar nicht cool. Für sie kommt es einer Kulturrevolution gleich, wenn Bäte Kriterien bei der jährlichen Beurteilung von Mitarbeitern anpasst oder ein jahrzehntealtes Stipendienprogramm streicht.

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