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Ergo-Versicherung Solide Geschäfte in der Image-Hölle

Die noch junge Versicherungsmarke Ergo leidet noch immer unter dem Budapester Sex-Skandal und den zahlreichen später bekannt gewordenen Lustreisen. Nun wurden auch Fälle fragwürdiger Geschäftsmethoden zum Nachteil der Kunden bekannt. Und trotz millionenschwerer Aufräumarbeiten gibt es immer neue Enthüllungen. Dem Image des Versicherungskonzerns und den Geschäften schadet das bislang jedoch kaum.

Quelle: dpa/Montage

Es gibt Werbe- und Imagekampagnen, die gehen nach hinten los. Beispiel gefällig? Die Deutsche Bahn warb mal mit dem Slogan: „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ Aber das scheinbar so wetterunabhängige und zuverlässige Transportmittel für stressfreies Reisen musste dann doch über das Wetter reden. Erst kollabierten Fahrgäste in den Zügen, weil bei Extremhitze die Klimaanlagen ausfielen, dann kam im harschen Winter der Zugverkehr zum Erliegen, weil Schnee die Gleise unpassierbar machte. Das unterschwellig vollmundige Versprechen der Bahn erwies sich in den Augen der Kunden als ein leeres.

Wird ein prominentes Versprechen an die Kunden nicht eingehalten, ist es für ein Unternehmen mühsam und schwierig, den Vertrauensverlust wieder wett zu machen. Diese leidvolle Erfahrung macht der Versicherungskonzern Ergo seit eineinhalb Jahren. Als die Vorstandsetage 2010 beschloss, die Traditionsmarken Hamburg-Mannheimer und Victoria nicht weiter zu bewerben, sondern stattdessen Ergo als große Versicherungsmarke am Markt zu positionieren, wollten die Entscheider auch den Mief der traditionsreichen Versicherungsbranche abstreifen. Modernität war das erklärte Ziel, mit dem Slogan „Versichern heißt verstehen“ die Tür aufgestoßen zu mehr Kundennähe und Transparenz. Sogar eine „Verstehensgarantie“ gab der Finanzdienstleister.

Die 10 größten Versicherer Europas
AllianzDie Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager. Quelle: Handelsblatt Quelle: dapd
AxaDer größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten. Quelle: Reuters
GeneraliDer Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn. Quelle: dpa/dpaweb
AvivaDie britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern. Quelle: Reuters
Zurich FinancialLängst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich. Quelle: Reuters
Munich REDer weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro. Quelle: dpa
CNP AssurancesDer Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus. Quelle: Screenshot

Doch Ergo wurde noch in der Aufbauphase der neuen Marke kalt erwischt – oder vielmehr heiß. Denn die Sex-Party von rund hundert Ergo-Vertretern in der Budapester Gellert-Therme auf Kosten der Versicherung ist nach ausführlicher Berichterstattung in den Medien als „Lustreise der Ergo“ in den Köpfen der Kunden fest verankert. Auch deshalb, weil sich seitdem ein Skandal an den nächsten reiht, die Enthüllungen kein Ende nehmen. Ergo ist zum Sündenfall der Versicherungsbranche geworden.

Versicherungen sind – wie generell alle langfristigen Geldgeschäfte – vor allem eines: Vertrauenssache. Wer die Berichterstattung über Ergo in den vergangenen Monaten verfolgt hat, zweifelt keine Sekunde an einer massiven Vertrauenskrise bei den Ergo-Kunden.

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