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Generali-Versicherung zur Flut „Wir haben bereits ein paar Hundert Schadensmeldungen vorliegen“

Mit Schätzungen der Hochwasserschäden halten sich Versicherungen noch zurück. Doch es zeichnet sich ab, dass viel auf die Unternehmen zu kommt. Ein Schadensregulierer spricht über Krisenstäbe und feuchte Keller.

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Aufräumen in Passau: „Relativ hohe Menge an deutlichen Schadensmeldungen“. Quelle: dpa

Bei Michael Thie glüht derzeit das Telefon und der Computer spuckt im Minutentakt Schadensmeldungen aus den Überschwemmungsgebieten in Bayern, Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt aus (Bericht zur aktuellen Lage). Sein Job: Die Mitarbeiter zur Begutachtung von Häusern und Firmen schicken.

Handelsblatt Online: Herr Thie, Sie koordinieren für die Versicherer der Generali Gruppe die Aufnahme der Schäden durch das Hochwasser. Wie ist die Lage?

Michael Thie: Wir haben bereits ein paar Hundert Schadensmeldungen vorliegen. Aus Erfahrung wissen wir, dass der Höhepunkt der Schadensmeldungen drei bis fünf Tage nach dem Passieren der Flutwelle eintrifft.

Es kommt also noch mehr auf Sie zu?

In einigen Regionen steht das Wasser ja noch, von dort wurden noch wenige Schäden gemeldet. Wir haben jetzt vor allem Meldungen aus den Regionen Rosenheim, Erfurt und Gera, aber auch etlichen anderen Gegenden. Für eine Schätzung des voraussichtlichen Schadenumfanges ist es daher zu früh.

Als Großschaden-Experte: Wie lässt sich die Flut mit anderen Vorfällen vergleichen?

Wir haben gleichzeitig mit mehreren Fluten zu kämpfen: Donau, Elbe, Saale, Schwarze und Weiße Elster, Saale, Mulde. Das ist einiges. Wir haben eine relativ hohe Menge an deutlichen Schadensmeldungen, die wir im Sinne unserer Kunden schnellstmöglich bearbeiten.

Wie sind Sie auf die Abarbeitung vorbereitet?

Bei Kumulereignissen, wie wir in der Branche sagen, konzentrieren wir einen Teil unserer 85 Außendienstmitarbeiter der Schadensregulierung in der betroffenen Region. Wir planen beispielsweise derzeit den Aufbau eines Krisenzentrums in Gera, wo ab Montag zwölf Mitarbeiter zusammengezogen werden.

Womit müssen sich die Kollegen beschäftigen?

Vor allem natürlich mit Gebäude- und Hausratsschäden, aber auch Betriebe sind unsere Kunden: vom Fleischer über den Bäcker bis zum Friseur.


Containerdorf in Gera geplant

Wie sieht ein typischer Schaden aus?

Läuft in einem Einfamilienhaus der Keller voll Wasser, und ist auch das Erdgeschoss teilweise betroffen, ist ein Daumenwert: 50.000 Euro. Aber es hängt immer vom Einzelfall ab.

Was ist die Aufgabe der Mitarbeiter?

Wir helfen unseren Kunden mit Rat und Tat bei allen Problemen, die so ein Ereignis mit sich bringt. Der Schaden wird geschätzt, bei größeren Gebäuden auch mit Hilfe externer Sachverständiger. Das Wichtigste ist aber zunächst, dass die Bewohner in ihre Wohnungen zurückkommen und die Gebäude getrocknet und saniert werden. Da arbeiten wir mit einem Dienstleister zusammen, der dann die nötigen Geräte bringt. Alles, was man im Baumarkt kaufen kann, hilft nicht.

Dahinter steckt viel Koordination. Welcher Fall wird von Ihren Kollegen zuerst behandelt?

Wir entscheiden vor allem nach der Dringlichkeit und Dramatik des Falles. Der Schaden muss schnell kalkuliert werden, damit die Kunden wissen, womit sie zu rechnen haben. Die Schadensmeldungen unserer Kunden laufen im Computer bei der Auftragsbearbeitung ein. Mehrere Schäden an einem Ort, im selben Postleitzahlenbereich erkennt der PC automatisch, so dass wir unsere Mitarbeiter sehr gezielt einsetzen können.

Wie wird ihr Krisenzentrum ab Montag in Gera aussehen?

Wir ziehen unter anderem Mitarbeiter aus Berlin, Hamburg und Duisburg zu den Kollegen vor Ort hinzu. Außerdem überlegen wir derzeit, mit unserem Dienstleister ein Containerdorf in der Stadt zu errichten - mit Trocknungsgeräten.

Manuel Thie ist stellvertretender Leiter der Abteilung Schadensregulierung für die Versicherer der Generali Deutschland Gruppe. Dazu zählen unter anderem die Aachen-Münchener und die Generali Versicherungen.

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