Kontrollen Deutsche Kfz-Versicherer lehnen Fahrstil-Kontrolle ab

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Kfz-Versicherer in Deutschland lehnen es ab, den Fahrstil ihrer Kunden per Smartphone oder App zu kontrollieren und die Prämien entsprechend anzupassen.

Wann die Kfz-Versicherung zahlt
Haftpflicht, Teil- und Vollkasko: Welche Kfz-Versicherungen sind unverzichtbar und welche sind sinnvoll?Pflicht für die Zulassung eines Kraftfahrzeuges in Deutschland ist eine Haftpflichtversicherung. Sie ersetzt Schäden, die Dritten durch den Gebrauch des Fahrzeugs zugefügt werden und leistet dabei sowohl für Sach-und Vermögensschäden wie auch für Personenschäden. Unerlässlich, aber nicht verpflichtend ist die Teilkasko: Sie übernimmt die Kosten für bestimmte Schäden, die Kfz-Besitzern am eigenen Fahrzeug entstehen – etwa Glasbruch oder auch Schäden durch Sturm, Hagel und Blitzschlag. Die Vollkasko-Versicherung übernimmt etwa die Reparaturkosten für Unfallschäden am eigenen Fahrzeug, wenn man selbst der Verursacher ist. Quelle: dpa
Gibt es Sonderfälle, bei denen die Kfz-Versicherung nicht greift und der Halter allein in der Pflicht bleibt?Ja, nämlich dann, wenn bei einem Wildunfall ein Ausweichmanöver versucht und dabei ein zusätzlicher Schaden verursacht wurde. Für diesen Schaden muss der Versicherungsnehmer aufkommen. Deshalb: Den Zusammenstoß vorbeugen, um nicht andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Quelle: dpa
Hilft eine Versicherung zum Beispiel bei einer Autopanne auch aktiv?Ja, sie hilft mit einem sogenannten Autoschutzbrief: Er kann beispielsweise dafür sorgen, dass die Versicherung Hilfsmaßnahmen organisiert und anfallende Kosten für Pannenhilfe und Abschleppen unterstützt. Quelle: dpa
In welche Schadensfreiheitsklasse werden Fahranfänger eingestuft?Wenn Sie ihren Führerschein gerade erst gemacht haben, dann steigen Sie in die Schadensfreiheitsklasse '0' ein. Je nach Kfz-Versicherungsanbieter macht das einen Schadenfreiheitsrabatt von 190 - 230 Prozent. Besitzt man den "Lappen" schon länger als drei Jahre, erfolgt eine Hochstufung in die Schadensfreiheitsklasse '0,5'. Quelle: dpa/dpaweb
Ist es möglich ein Auto zu verleihen?Ja. Allerdings wird im Schadensfall die Prämie des Versicherungsnehmers angehoben und nicht die des Unfallverursachers. Der Beitrag erhöht sich um den Betrag, der ohne den Rabatt für die Einschränkung des Nutzerkreises zu zahlen wäre. Quelle: dpa-tmn
Kann die Werkstatt im Schadensfall selbst gewählt werden?Es gibt bei einigen Kfz-Versicherungen sogar Preisnachlässe oder zusätzliche Serviceleistungen, wenn eine der festgelegten Partnerwerkstätten genutzt wird. Eine Besonderheit gibt es beim Neuwagenkauf: Dort kann die Herstellergarantie verfallen, wenn nicht die Vertragswerkstatt aufgesucht wird. Quelle: dpa
Was bietet eine Zusatz-Haftpflicht-Versicherung für Fahrzeuge, die im Ausland gemietet werden? Diese Versicherung soll eine Lücke schließen: Sie geht über die im Ausland geltenden Leistungsgrenzen hinaus und bis zu der Höhe, der vereinbarten Deckungssumme der Kfz-Haftpflicht. Sie wird nur für die Dauer des Auslandsaufenthaltes abgeschlossen und gilt dann für den Versicherungsnehmer, sowie den Menschen, der mit ihm in einer häuslichen Gemeinschaft lebt. Quelle: dpa/dpaweb
Auto geklaut – was muss beachtet werden?Im schlimmsten Fall zahlt die Versicherung nicht, nämlich dann, wenn Sie einen Fehler machen. Deshalb: Der Diebstahl muss innerhalb einer Woche beim Versicherer gemeldet werden und zwar schriftlich. Quelle: dpa
Ist eine vorzeitige Kündigung möglich, wenn die Kfz-Versicherung teurer wird?Ja, sobald die Tarife der Kfz-Versicherung angehoben werden, besteht ein Sonderkündigungsrecht. Das muss allerdings spätestens einen Monat nach dem Erhalt der Mitteilung von der Versicherung genutzt werden. Eine Ausnahme: Das Sonderkündigungsrecht gilt nicht, wenn der Kunde in eine teurere Autoversicherungsregion gezogen ist bzw. in eine höhere Schadensfreiheitsklasse eingestuft wurde.
Ist der Abschluss einer Insassenunfallschutz zusätzlich zur Autoversicherung sinnvoll?Nein. Die Mitfahrer sind bereits durch de Kfz-Haftpflicht des Fahrer versichert. Viel sinnvoller ist diesbezüglich eine private Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung, die schützt auch außerhalb des Autos. Quelle: AP

In anderen europäischen Ländern führen zwar immer mehr Versicherer das Pay-as-you-drive-Konzept ein. Wenn der Versicherte zustimmt, sendet ein Smartphone oder eine Blackbox im Auto Daten zum Fahrverhalten an den Versicherer. Dort werden die Daten analysiert. Bei vorsichtigem Fahrstil sinkt die Prämie, bei riskanten Manövern steigt sie. Deutsche Versicherer lehnen die Einführung eines solches Systems bislang weitgehend ab. Weder Branchenführer HUK Coburg noch Ergo wollen ihre Kunden über Smartphone oder Blackbox kontrollieren. Bei HUK Coburg ist man der Ansicht, das derzeitige Tarifgefüge bilde die Risiken bereits sehr gut ab. „Rechnet sich für uns nicht“, heißt es bei Ergo. Die Allianz forscht zwar an Telematik-Systemen, konkrete Einführungs-Pläne hat die Münchner Versicherung aber nicht. Nur HDI-Gerling entwickelt solch ein Verfahren.

In den Niederlanden startet Ende Juli die Versicherung Whoosz solch ein System. Sie stellt Fahrern, die jünger als 30 Jahre alt sind, Abschläge von bis zu 220 Euro im Jahr in Aussicht. In Belgien lanciert Axa im September eine Fahrstil-App. Jean-Laurent Garnier, Chef von Axa Global, lockt Kunden mit mittelfristigen Abschlägen von 15 bis 20 Prozent. In Großbritannien arbeiten Vodafone und AIG in einem Pilotprojekt zusammen. Der spanische Mobilfunkanbieter Telefónica und der italienische Versicherer Generali versprechen seit Februar vorsichtigen jungen Fahrern in Spanien Ersparnisse von bis zu 40 Prozent.

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