Lebensversicherung Allianz will an Garantieprodukten festhalten

Eigenwillige Strategie: Anders als viele Konkurrenten wollen die Münchner weiterhin Produkte mit garantierter Verzinsung verkaufen.

Allianz Garantiezins Quelle: dpa

Zuletzt hatte die Düsseldorfer Ergo Versicherung verkündet, sie werde keine Lebensversicherungen mit einer garantierten Verzinsung mehr anbieten. Im Frühjahr hatte bereits die Generali Deutschland, nach der Allianz der zweitgrößte Versicherer hierzulande, erklärt, man werde solche Garantieprodukte aus dem Angebot nehmen.

Nicht so der Marktführer Allianz. „Aus Kundensicht sind die Klassikprodukte mit Garantiezins nicht sinnvoll“, sagt zwar Manfred Knof, Vorstandchef der Allianz Deutschland in München, „aber wir haben die finanzielle Stärke, sie zu stemmen.“ Und so lange es Kunden gibt, die solche Policen zeichnen wollen, will die Allianz sie weiter verkaufen. Auch ein Verkauf von Altverträgen wie ihn die Allianz SE, Muttergesellschaft der Allianz Deutschland, kürzlich für ausländische Verträge angekündigt hatte, kommt für Knof nicht in Frage.

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Platz zehn: Die GlasbruchversicherungEine Glasbruchversicherung lohnt sich eigentlich nur, wenn Sie einen Wintergarten besitzen oder ihr gesamtes Haus verglast ist – womöglich noch mit verspiegeltem Spezialglas. Andernfalls ist es deutlich günstiger, wenn Sie eine kaputte Scheibe selber bezahlen, als jeden Monat ein paar Euro dafür zu zahlen, dass Sie vielleicht einmal eine Scheibe ruinieren. Quelle: Bund der Versicherten e.V. Quelle: dpa
Platz neun: Die BrillenversicherungWer eine Brillenversicherung abschließt, bekommt den Wert seiner Brille im Schadensfall nicht vollständig ersetzt. Die Versicherung zahlt ein neues Gestell, wenn die Brille zerbrochen oder beschädigt oder mindestens zwei Jahre alt ist. Einfache Gläser gibt es nur bei Beschädigung oder einer deutlichen Sehstärkenveränderung (mindestens 0,5 Dioptrien). Wer spezielle Gläser oder eine schicke Fassung statt des Kassenmodells will, zahlt kräftig dazu. Also ganz so, wie beim Brillenkauf an sich auch. Quelle: dpa
Platz acht: Die KrankenhaustagegeldversicherungOb die Krankenhaustagegeldversicherung die finanzielle Grundlage fürs tägliche Obst oder für das Fernsehgerät im Krankenhaus sein muss, ist mehr als fraglich. Mit diesem Argument bieten jedenfalls Versicherer solche Policen an. Quelle: dpa
Platz sieben: Die ReisegepäckversicherungWer sein Reisegepäck gegen Diebstahl und Schaden versichern will, muss es trotzdem hüten, wie seinen Augapfel. Sonst zahlt die Versicherung nämlich nicht. Koffer dürfen nicht unbeaufsichtigt sein, Wertgegenstände sind in der Regel nur unzureichend mitversichert. Grundsätzlich werfen die Versicherer ihren Kunden gerne vor, grob fahrlässig mit dem Gepäck umgegangen zu sein. Der Geschädigte muss das Gegenteil beweisen können. Quelle: dapd
Platz sechs: Die Handyversicherung Wer ein Handy versichern möchte, sollte wissen, dass er bei Verlust oder Diebstahl nur den aktuellen Wert, nicht aber den Kaufpreis zurückerstattet bekommt – und den auch nicht vollständig. Ein neues Handy zu kaufen, dürfte nervenschonender sein. Quelle: AP
Platz fünf: Die Hochzeits-Rücktrittskostenversicherung Wenn eine Hochzeit platzt, ist das für alle Beteiligten schon unschön genug. Eine Versicherung, die die Stornokosten für Partylocation, Hochzeitstorte und Kleid anteilig übernimmt, macht es auch nicht besser. Schon gar nicht, wenn sie nur dann greift, wenn Braut oder Bräutigam schwer erkranken oder die Wohnung des Brautpaares am Hochzeitsmorgen in Flammen steht. Quelle: dpa
Platz vier: Die Versicherung gegen „häusliche Notfälle“ Sie haben sich ausgesperrt? Ihre Heizung ist ausgefallen? In solchen und anderen Fällen werden Sie vermutlich einen Notdienst rufen. Zwar kostet das mehr als der Handwerker üblicherweise, aber in finanzielle Not geraten Sie damit sicherlich nicht. Deshalb wird sich eine Versicherung gegen „häusliche Notfälle“ kaum für Sie auszahlen. Denn die träte auch nur begrenzt ein. Mieter müssen ohnehin nicht für Schäden an Mietsachen aufkommen, die sie nicht selbst verursacht haben. Quelle: dpa

Es ist eine Strategie, die bei manchen Analysten Kopfschütteln hervorruft. Bei der klassischen Lebensversicherung garantiert der Versicherer dem Kunden am Anfang der Laufzeit eine jährliche Verzinsung auf die eingezahlten Beiträge. Zurzeit sind das 1,25 Prozent. Versicherer wie Allianz und Ergo sitzen auf riesigen Beständen an alten Lebensversicherungen mit garantierten Verzinsungen von teilweise noch vier Prozent. Wegen der historisch niedrigen Zinsen ist es aber für die Branche immer schwieriger, bei der Kapitalanlage diese Erträge zu erwirtschaften. Für mache Analysten und die Finanzmarktaufsicht sind die alten Zusagen der Versicherer darum eine tickende Zeitbombe. Nicht alle Anbieter, so die Befürchtung, dürften die Niedrigzinsphase überleben.

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Sicherlich ist es für ein Schwergewicht wie die Allianz mit ihrem dicken Kapitalpolster einfacher, die über Jahrzehnte gegenüber den Kunden gemachten Zusagen zu stemmen. Allerdings dürften auch für die Münchner die Altverträge in Zukunft zu einer höheren Belastung werden.

„Wir wollen den Kunden nicht bevormunden“, begründet Markus Faulhaber, Chef der Allianz Lebensversicherung, die eigenwillige Entscheidung, an den klassischen Produkten festhalten zu wollen. Rasch fügt er hinzu, wegen der hohen Reserven könne man sich das schließlich leisten. „Wir schließen keine Türen zu, sondern wollen neue aufschließen“, ergänzt Knof.

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Neue Türen aufschließen wollen Knof und Faulhaber mit Hilfe einer Reihe neu entwickelter Lebensversicherungen. Bei der Allianz heißen sie etwas irreführend „Produkte mit neuen Garantien“. Garantiert ist bei den Policen nämlich gar nichts, außer – bei dem Produkt Perspektive beispielsweise – die eingezahlten Beiträge. Am Schluss der Laufzeit wird dann die Verzinsung festgelegt. Andere Lebensversicherungsprodukte der Allianz wie Index Select, Invest Alpha-Balance oder Invest investieren deutlich höhere Quoten in Aktien und sind damit chancenorientierter, aber auch risikoreicher. Die Allianz-Vertreter haben den Auftrag, die neuen Produkte am Markt zu pushen. Doch sind die Kunden, gerade bei den risikoreicheren Produkten, noch zurückhaltend, wie Faulhaber feststellt.

Zurzeit haben die neuartigen Policen am Neugeschäft der Allianz mit Produkten für die private Altersvorsorge einen Anteil von 65 Prozent. In den kommenden Jahren soll dieser auf 85 Prozent steigen. Beim gesamten Altersvorsorgegeschäft, also inklusive der betrieblichen Altersvorsorge, der Allianz machen die klassischen Garantieprodukte noch 52 Prozent am Neugeschäft aus. Knof und Faulhaber gehen davon aus, dass die Quote in den kommenden drei Jahren auf etwa 25 Prozent sinkt.

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