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Miami-Gate des Dax-KonzernsHedgefondsskandal der Allianz: Jetzt gibt es auch ein deutsches Opfer

Der Kollaps von mutmaßlich betrügerischen Hedgefonds ist der größte Skandal der Allianz-Historie. Jetzt hat die WirtschaftsWoche weitere US-Dokumente ausgewertet: Demnach ist auch ein deutscher Investor betroffen.Lukas Zdrzalek 10.06.2022 - 10:03 Uhr

Wegen des Hedgefondsskandals muss Allianz-Chef Bäte sechs Milliarden Dollar gen USA überweisen. 

Foto: dpa

Mindestens ein deutscher Investor ist ebenfalls vom Milliardenskandal um mutmaßlich betrügerische Hedgefonds der Allianz betroffen. Das geht aus bisher unbeachteten US-Behördendokumenten hervor, die die WirtschaftsWoche ausgewertet hat. Bislang war nur bekannt, dass US-Anleger in die Structured-Alpha-Fonds des Allianz-Managers Gregoire Tournant investiert hatten.

Wie aus den US-Dokumenten hervorgeht, soll Tournant dem deutschen Investor eigenhändig frisierte Daten geschickt haben, damit seine Deals besonders sicher erschienen. So soll Tournant vorgegeben haben, mehr Absicherungsgeschäfte an der Börse getätigt zu haben, als er tatsächlich abgeschlossen hatte. Der deutsche Investor soll im Herbst 2017 „sehr beeindruckt“ gewesen sein, nachdem der Fondsmanager ihm mutmaßlich gefälschte Unterlagen geschickt hatte.

Ist der Allianz-Skandal bloß ein reines US-Problem?

Aus den US-Unterlagen geht zudem hervor, dass die Allianz eigens für den deutschen Investor einen Fonds in Luxemburg aufgelegt hatte. Tournant hatte diesen wie alle anderen Structured-Alpha-Fonds von Miami aus gesteuert. Die Behördendokumente nennen den Namen des Investors nicht.

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Der Allianz-Chef sollte gewarnt sein. Prozesse in den USA produzieren mitunter heftige Imageschäden. Angeklagte Exmanager haben wenig zu verlieren.

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Die Allianz hat versucht, ihren Hedgefondsskandal als reines US-Problem darzustellen. Die Existenz des deutschen Investors wirft die Frage auf, ob dem Versicherer nun auch hierzulande ein ähnlich massiver Reputationsverlust wie in den USA droht.

Verbindungen in hohe Allianz-Kreise

Die Fonds waren in der Coronapandemie kollabiert und sind zum größten Skandal der Konzernhistorie avanciert: Der Versicherer muss in den Vereinigten Staaten deshalb Strafen und Entschädigungen von sechs Milliarden Dollar zahlen. Die Structured-Alpha-Fonds hatte Allianz Global Investors (AGI) aufgelegt, bei der Fondstochter des Versicherers haben die US-Behörden massive Mängel und Kontrolldefizite ausgemacht. Diese sollen Tournant und seinen Komplizen erst ermöglicht haben, dass sie Investoren wie den aus Deutschland betrügen konnten. Die Truppe um Tournant soll, so der Kernvorwurf der Behörden, die wahren Risiken der Fonds über Jahre verschleiert haben.

Fondsmanager Tournant bestreitet die Vorwürfe

Ein AGI-Sprecher bestätigte die Angaben in den US-Dokumenten. Laut seiner Aussage habe der Versicherer den deutschen Investor inzwischen entschädigt. Zudem verwies der Sprecher auf US-Dokumente, wonach Allianz-Mitarbeiter außerhalb des Structured-Alpha-Teams nicht von den mutmaßlichen Betrügereien gewusst hätten.

Tournants Anwälte beantworteten Fragen zu dem deutschen Investor nicht. In den vergangenen Wochen hatten sie die Vorwürfe gegen ihren Mandanten wiederholt bestritten, die Behörden würden ihn „zu Unrecht“ beschuldigen. Es handele sich um den „unbegründeten Versuch der Regierung“, die Marktverwerfungen im Zuge des Coronacrashs „zu kriminalisieren“. Zudem hätten die Behörden gegen Verfahrensgrundsätze verstoßen, weil die Ermittler Tournants früheren Anwalt dazu gebracht hätten, Infos über ihn preiszugeben. Tournant muss sich wegen der Vorwürfe seit vergangener Woche vor einem New Yorker Gericht verantworten.

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