Oliver Bäte wird neuer CEO Souveräne Stabübergabe bei der Allianz

Oliver Bäte folgt Michael Diekmann auf den Chefsessel der Allianz. Die Personalie ist keine Überraschung - sie ist vor allem eine kluge Entscheidung zur richtigen Zeit.

Oliver Bäte (l.) wird Nachfolger von Allianz-Chef Michael Diekmann. Quelle: dpa

Nun also Nummer Zehn. Gerade mal neun Vorstandsvorsitzende hatte der Allianz-Konzern in seiner 124-jährigen Geschichte. Im Mai kommenden Jahres rückt Oliver Bäte, 49, an die Spitze des Versicherers. So hat es der Aufsichtsrat heute entschieden. Der Rheinländer galt lange als Diekmanns Kronprinz.

Es ist ein Generationswechsel zur richtigen Zeit. Michael Diekmann ist seit 2003 Vorstandschef des Konzerns. Ende des Jahres wird er 60 und sein Vertrag läuft aus. Der medienscheue Westfale hat den Verkauf der Dresdner Bank über die Bühne gebracht, den Konzern mit seinem Umsatz von fast 110 Milliarden Euro relativ unbeschadet durch die Finanzkrise gesteuert und damit begonnen, die Allianz fit fürs digitale Zeitalter zu machen. Jahr für Jahr meldet das Unternehmen Rekordgewinne.

Das bedeutet nicht, dass Diekmann seinem Nachfolger nicht eine Reihe von Baustellen hinterlässt. Die Turbulenzen bei der konzerneigenen US-Fondsgesellschaft Pimco nach dem Abgang des Chef-Anlagestrategen Bill Gross dürften längst nicht ausgestanden sein. Auch bei der US-Tochter Fireman’s Fund, die seit Jahren Verluste in München abliefert, wartet viel Arbeit auf Bäte. Hinzu kommen der Anlagenotstand aufgrund der niedrigen Zinsen und die Herausforderungen durch den Trend zur Digitalisierung des Versicherungsgeschäfts, unter anderem die rasch wachsende Konkurrenz durch Vergleichsportale wie Check24.

Größte Versicherungen weltweit im Jahr 2013

Doch wenn einer diese Herausforderungen erfolgreich meistern kann, ist es Bäte. Der frühere McKinsey-Berater verantwortete zuletzt das Geschäft der Allianz in Südeuropa, vorher war er Finanzvorstand des Münchner Konzerns gewesen. Bäte gilt als Machertyp und extrem ehrgeizig. Während Diekmann eher praxisorientiert ist, könne Bäte sehr komplexe Zusammenhänge gut managen, ohne ein reiner Theoretiker und Zahlenmensch zu sein, sagen Wegbegleiter. Bei Analysten und Investoren genießt er hohes Ansehen.

Bäte, der in der Freizeit auch mal mit Basecap, Kapuzenjacke und Ray Ban auftaucht, hat wenig von der sehr trockenen und reservierten Art Diekmanns. Er redet und denkt schnell, mit seinen Ansichten hält der studierte Betriebswirt nicht hinterm Berg. „Wir sind trotz der Politik der EZB nicht am Beginn einer neuen Boom-Phase“, kritisierte Bäte schon vor etwa zwei Jahren. Die Jobs, die durch die Politik des billigen Geldes geschaffen würden, erkaufe man sich mit einer enorm hohen Verschuldung. „Die Zeche zahlt der Sparer durch die Geldentwertung“, kritisierte er damals. Dass es keine Aufstände gebe, liege nur daran, dass sich kaum noch jemand an solche Zustände erinnern könne.

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Mit Blick auf die Regulierung des europäischen Bankenmarktes kritisierte Bäte schon damals, dass es kein verbindliches Abwicklungsszenario für Banken gebe. Es sei nicht mehr zu überschauen, wo die echten Risiken schlummern. „Wir haben Regularien wie in einem Zeitalter, als wir noch mit Keulen herumliefen“, so Bäte seinerzeit.

Mit seinem Abgang beweist Diekmann, der künftig wohl mehr Zeit mit seiner Frau und dem noch jungen Sohn verbringen wird, Souveränität; er klebt nicht an seinem Stuhl. Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender bei Adidas, ebenfalls 60 Jahre alt, hat sich seinen Vertrag dagegen gerade um zwei Jahre verlängern lassen. Er hat eine Reihe von Baustellen im Konzern zu verantworten; zuletzt gab es Gewinnwarnungen und reichlich Kritik von Investoren. Doch Hainer will unbedingt weiter machen – und wirkt ein wenig wie aus der Zeit gerissen. So weit hätte es Diekmann nie kommen lassen.

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