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Rücktritt nach Selbstmord Abschied vom Denkmal Ackermann

Nach seinem Rücktritt bei der Zurich ist die aktive Managerkarriere von Josef Ackermann endgültig vorbei.

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Josef Ackermann Quelle: dpa

Als Josef Ackermann Ende März 2012 als Verwaltungsratspräsident bei der Zurich Versicherung anfing, schien er damit die ideale Plattform für sein Alterswerk als Manager gefunden zu haben. Das unschöne Wirrwarr um seine Nachfolge an der Spitze der Deutschen Bank, bei dem er seine Kandidatur für den Aufsichtsratschef nach wenigen Wochen wieder zurückzog, konnte er weit hinter sich lassen. Und während er in Deutschland umstritten war, genoss „Super-Joe“ in seinem Heimatland immer höchstes Ansehen. Die Zurich war zwar kein Schlachtschiff wie die Deutsche Bank, das Versicherungsgeschäft war Ackermann eher fremd, aber das Unternehmen war doch bedeutsam genug, um von dort aus zu Themen Stellung zu nehmen, die Ackermann wirklich interessierten, etwa zur Regulierung der Finanzmärkte und der Zukunft des Währungsraums.  

Am Donnerstag nun hat Ackermann diese Plattform völlig überraschend verlassen. Grund dafür sei der Selbstmord von Zurich-Finanzchef Pierre Wauthier einige Tage zuvor gewesen. „Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag“, ließ Ackermann über das Unternehmen mitteilen.

In Ackermanns Umfeld heißt es dazu, dass Wauthiers Witwe tatsächlich Vorwürfe gegen den Exchef der Deutschen Bank erhoben habe. Von einer zu hohen Arbeitsbelastung sei die Rede gewesen. Ob sich die Anschuldigungen auch gegen andere Verwaltungsratsmitglieder des Unternehmens richten, ist nicht bekannt.

Die Vorwürfe hält ein Vertrauter des Bankchefs zwar für nicht nachvollziehbar. Gleichwohl hätte Ackermann mit solchen Anschuldigungen im Gedächtnis in Zukunft bei Zurich keine harte Entscheidung mehr treffen können, ohne an den Freitod Wauthiers zu denken, heißt es. Darum sei sein Rückzug im Interesse des Unternehmens. Und schließlich habe Ackermann sein Lebenswerk bereits hinter sich und müsse sich nicht mehr unbedingt beweisen.  

Der 53-jährige Franzose Wauthier arbeitete seit 1996 bei der Zurich. In der Versicherung galt er als ruhiger, fachlich versierter Finanzmann, der sich über Jobs im Risikomanagement, bei Investor Relations und bei der Tochter Farmers Group nach oben gedient hatte. Bevor er im Herbst 2011 zum Finanzchef befördert wurde, setzte er sich in einem Auswahlverfahren gegen mehrere externe Bewerber durch. Vor allem seine Kenntnis des Hauses habe damals den Ausschlag gegeben, heißt es.

Strategische Entscheidungen

Als Verwaltungsratsvorsitzender war Ackermann nicht Wauthiers direkter Vorgesetzter. Die Position ist zwar stärker als die des deutschen Aufsichtsratschefs, allerdings reichen die Kompetenzen kaum ins Tagesgeschäft hinein. Ackermanns guter Bekannter, Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber, sitzt etwa dem Verwaltungsrat der Schweizer Bank UBS vor und ist dort für strategische Entscheidungen und die Pflege von Außenbeziehungen verantwortlich. Renditevorgaben macht nicht er, sondern der Vorstandschef. Allerdings war es Ackermanns Ziel, die Abläufe bei der Versicherung zu beschleunigen, die Schlagzahl zu erhöhen.

Ackermann ist als fordernder Chef bekannt, der von seinen Mitarbeitern erwartet, dass sie „liefern.“ In der Deutschen Bank galt er als skrupelloser Taktierer, aber nicht als Menschenschinder. Auffällig ist, dass in den vergangenen Monaten etliche Zurich-Topmanager der Versicherung den Rücken kehrten. Dass ein Manager ausschließlich wegen des gestiegenen Drucks im Job Selbstmord begeht, ist jedoch kaum vorstellbar. Mit Vorwürfen über eine Mitschuld Ackermanns sollte man deshalb ausgesprochen vorsichtig sein.    

Dennoch hat Ackermanns Ruf Kratzer abbekommen, seinen wichtigsten verbliebenen Posten ist er nun los. Aus dem Unternehmensleben verschwindet er mit dem Abschied bei der Zurich jedoch nicht. Seine Posten im Aufsichtsrat von Siemens und Royal Dutch Shell wird der 65-jährige vorerst behalten, ebenso sein Mandat für den Finanzinvestor EQT und diverse Lehraufträge. Sein Erbe bei der Deutschen Bank holt ihn ebenfalls regelmäßig ein. So muss er demnächst bei der Münchner Staatsanwaltschaft zu möglichen Falschaussagen im Kirch-Prozess Stellung nehmen.

Versicherer



Der nächste öffentlicher Auftritt des Schweizers ist für den 12. September in Berlin geplant. Dort stellt der langjährige WirtschaftsWoche-Chefredakteur und spätere Deutsche-Bank-Kommunikationschef Stefan Baron ein Buch über seinen Ex-Chef vor. Sein Titel: „Späte Reue“.

Das Buch soll vor allem Ackermanns Erkenntnisse über notwendige Änderungen in der Finanzwelt seit der Finanzkrise 2008 ins rechte Licht rücken. Den Schweizer wurmt es, dass seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen den „Kulturwandel“ in der Bank für sich reklamieren und immer häufiger von „Altlasten der Ära Ackermann“ die Rede ist. Er fürchtet um sein Denkmal. Als solches wird er nun in erster Linie wahrgenommen werden. Er ist jetzt ein Mann der Vergangenheit.

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