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Rücktritt nach Selbstmord Abschied vom Denkmal Ackermann

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Strategische Entscheidungen

Als Verwaltungsratsvorsitzender war Ackermann nicht Wauthiers direkter Vorgesetzter. Die Position ist zwar stärker als die des deutschen Aufsichtsratschefs, allerdings reichen die Kompetenzen kaum ins Tagesgeschäft hinein. Ackermanns guter Bekannter, Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber, sitzt etwa dem Verwaltungsrat der Schweizer Bank UBS vor und ist dort für strategische Entscheidungen und die Pflege von Außenbeziehungen verantwortlich. Renditevorgaben macht nicht er, sondern der Vorstandschef. Allerdings war es Ackermanns Ziel, die Abläufe bei der Versicherung zu beschleunigen, die Schlagzahl zu erhöhen.

Ackermann ist als fordernder Chef bekannt, der von seinen Mitarbeitern erwartet, dass sie „liefern.“ In der Deutschen Bank galt er als skrupelloser Taktierer, aber nicht als Menschenschinder. Auffällig ist, dass in den vergangenen Monaten etliche Zurich-Topmanager der Versicherung den Rücken kehrten. Dass ein Manager ausschließlich wegen des gestiegenen Drucks im Job Selbstmord begeht, ist jedoch kaum vorstellbar. Mit Vorwürfen über eine Mitschuld Ackermanns sollte man deshalb ausgesprochen vorsichtig sein.    

Dennoch hat Ackermanns Ruf Kratzer abbekommen, seinen wichtigsten verbliebenen Posten ist er nun los. Aus dem Unternehmensleben verschwindet er mit dem Abschied bei der Zurich jedoch nicht. Seine Posten im Aufsichtsrat von Siemens und Royal Dutch Shell wird der 65-jährige vorerst behalten, ebenso sein Mandat für den Finanzinvestor EQT und diverse Lehraufträge. Sein Erbe bei der Deutschen Bank holt ihn ebenfalls regelmäßig ein. So muss er demnächst bei der Münchner Staatsanwaltschaft zu möglichen Falschaussagen im Kirch-Prozess Stellung nehmen.

Versicherer



Der nächste öffentlicher Auftritt des Schweizers ist für den 12. September in Berlin geplant. Dort stellt der langjährige WirtschaftsWoche-Chefredakteur und spätere Deutsche-Bank-Kommunikationschef Stefan Baron ein Buch über seinen Ex-Chef vor. Sein Titel: „Späte Reue“.

Das Buch soll vor allem Ackermanns Erkenntnisse über notwendige Änderungen in der Finanzwelt seit der Finanzkrise 2008 ins rechte Licht rücken. Den Schweizer wurmt es, dass seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen den „Kulturwandel“ in der Bank für sich reklamieren und immer häufiger von „Altlasten der Ära Ackermann“ die Rede ist. Er fürchtet um sein Denkmal. Als solches wird er nun in erster Linie wahrgenommen werden. Er ist jetzt ein Mann der Vergangenheit.

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