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Schummeln für das neue iPhone Wie Versicherer Betrüger jagen

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Bulgarische Banden als Berater

Kommt der Fahrer zurück, weisen sie diesen freundlich auf den Riss hin – natürlich nicht ohne den Zusatz, so etwas decke die Teilkaskoversicherung komplett ab. Auf Wunsch könne man direkt einen Reparaturdienst rufen. Der Verdacht: Die Banden arbeiten mit den auf Glasschäden spezialisierten Reparaturwerkstätten zusammen.

Von 100 gemeldeten Brillenschäden werden… (zum Vergrößern bitte anklicken)

In Balkanländern wie Bulgarien gibt es inzwischen Dienstleister, die Interessenten in Deutschland gleichsam Rundum-Pakete für den wasserdichten Versicherungsbetrug anbieten. Tagessatz: ab 1.000 Dollar.

Besonders raffiniert etwa ist der gestellte Autounfall, bei dem in einem der verunfallten Fahrzeuge angeblich eine hochschwangere Frau sitzt. Da, so die – wohl richtige – Annahme der Betrüger, schöpft kein Sachbearbeiter Verdacht, so etwas könne gestellt sein. Die Trickser fingieren den Unfall und lösen dabei die Airbags aus. Nahe der Unfallstelle hat sich die Schwangere versteckt, die dann zum Wagen eilt und unauffällig ihr Gesicht mit Make-up über den ausgelösten Airbag reibt. Dann wird die Polizei gerufen, die im Protokoll vermerkt, im Auto habe bei dem Unfall eine schwangere Frau gesessen. Die Auszahlung der Haftpflichtversicherung teilen sich die an dem Schwindel Beteiligten.

Diese Methode haben die Betrugsberater aus Südosteuropa nach Erkenntnissen von Versicherungs-Insidern hierzulande schon mehrmals verkauft – mit Erfolg.

Im Kampf gegen Betrüger bauen die Versicherer nicht nur ihre Betrugsbekämpfungsteams aus oder lassen sich an die Online-Auskunftei HIS anschließen. Immer mehr Anbieter nutzen die Digitalisierung, um Tricksern ihr Handwerk zu legen. Softwarehäuser wie der US-Konzern SAS bieten Unternehmen maßgeschneiderte Programme, die auf weltweiten Erfahrungswerten und gigantischen Datenmengen zu bereits passierten Betrügereien basieren. Die Versicherer können im Verdachtsfall das System mit den relevanten Angaben füttern und bekommen am Ende eine Empfehlung: zahlen oder nicht zahlen.

Häufigste Schadenhergangsschilderungen bei Betrug mit Brillen (zum Vergrößern bitte anklicken)

Hilfe durch Big Data

In Europa, sagt Henrik Becker, der für SAS in Deutschland die Abteilung für Compliance und Betrugsbekämpfung leitet, verkaufe man die neue Software bisher vor allem in Italien, Großbritannien und Belgien. „Wegen der Zunahme an Missbrauchsfällen mussten wir unsere Systeme zur Betrugsbekämpfung verbessern“, sagt Ioannia Lapatas, Chef der griechischen Atlantic Union General Insurance, „und wir sind glücklich mit der SAS-Lösung.“

Die deutschen Versicherer seien zurückhaltend gewesen, erst in jüngster Zeit gebe es ein Umdenken, hat Becker festgestellt und implementiert seine Software nun bei den ersten Kunden in Deutschland.

Unternehmen wie die Sparkassenversicherung mit Sitz in Stuttgart, einer der wichtigsten Gebäudeversicherer, setzen hingegen vor allem auf konventionelle Methoden der Betrugsbekämpfung – so beim Hagelsturm vom 28. Juli 2013.

Tagelang hatte Deutschland unter einer Hitzeglocke gelegen. Am Nachmittag entlud sich die Schwüle über dem Schwarzwald. Abends tobten über Esslingen, Tübingen und Reutlingen, später auch über Hannover Unwetter mit Hagelkörnern von bis zu zehn Zentimeter Durchmesser.

In Arbeit
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Durchlöcherte Fassaden, zerstörte Fotovoltaikanlagen, zerborstene Autoscheiben, sogar zertrümmerte Dachziegel hinterließ der Sturm. Mehrere Hundert Menschen wurden durch das teuerste Hagelunwetter in Deutschland verletzt. Die versicherten Schäden lagen bei 1,4 Milliarden Euro. Die Sparkassenversicherung war am Ende mit rund 600 Millionen Euro dabei. Zuvor hatten die Stuttgarter entschieden, jeden Schaden von mehr als 3.000 Euro durch Sachverständige begutachten zu lassen.

Ein weitsichtiger Entschluss: Zahlreiche Kunden, die einen Hagelschaden gemeldet hatten, zogen ihre Meldung nach der Ankündigung schnell wieder zurück.

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