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Schummeln für das neue iPhone Wie Versicherer Betrüger jagen

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Die Unternehmen müssen etwas machen

Doch statt bei verdächtigen Schadensfällen nachzuhaken, haben die Versicherer in der Vergangenheit oft einfach gezahlt, ist es doch meist viel zu aufwendig, etwa einem angeblich gestohlenen Rennrad hinterher zu ermitteln. Die Verluste durch Betrug haben sie in Form höherer Prämien auf alle Versicherten abgewälzt. Das können sie sich schlicht nicht mehr leisten.

Versicherungsbetrug nach Sparten (zum Vergrößern bitte anklicken)

„Die Unternehmen müssen etwas machen“, sagt Björn Hinrichs, Geschäftsführer der Informa Insurance Risk and Fraud Prevention (IIFRP), einer Tochter von Arvato Financial Solutions in Baden-Baden. „Mit der einstigen Cashcow Lebensversicherungen verdienen sie kaum noch etwas.“ Die zu Bertelsmann gehörende Arvato hat mit ihrer Tochter IIRFP zusammen mit dem GDV in Berlin eine elektronische Auskunftei entwickelt, die unter anderem Daten zu Verdachtsfällen speichert und Betrügern das Leben schwerer machen soll.

Wie groß der Kostendruck ist, hat gerade erst Generali Deutschland gezeigt, nach der Allianz der zweitgrößte Versicherer des Landes. Als die Tochter des italienischen Versicherungsriesen vor wenigen Tagen ihre Zahlen für das erste Halbjahr vorlegte, musste Vorstandschef Dietmar Meister einen Rückgang der Gesamtbeiträge in der Lebensversicherung von 6,8 auf 5,4 Milliarden Euro bekannt geben.

Erhöhter Kostendruck

Art des Versicherungsbetrugs (zum Vergrößern bitte anklicken)

Ursache war zwar auch das geplante Herunterfahren des Geschäfts mit Lebensversicherungen gegen Einmalbeiträge. Doch auch im Neugeschäft mit Lebensversicherungspolicen mit laufenden Beiträgen verzeichnete Generali ein Minus von 4,4 Prozent. „Die gesamte Entwicklung ist von einer zurückhaltenden Nachfrage nach Altersvorsorgeprodukten gekennzeichnet“, sagt Meister und verweist zudem auf die zunehmenden Probleme seiner Zunft, Versichertengelder rentabel anzulegen.

Der verstärkte Kampf gegen die immer raffinierteren Betrügereien spart aber nicht nur Kosten, sondern ist für die Versicherer zugleich heikel: Durch die Bank beteuern sie, man wolle die Kunden keinesfalls als Kriminelle hinstellen. Bisher gelingt das offenbar: So gehen beim Versicherungs-Ombudsmann in Berlin keine vermehrten Beschwerden von Versicherten ein, die sich zu Unrecht des Betrugs verdächtigt fühlen. „Der ganz überwiegende Teil unserer Kunden ist ehrlich“, sagt Gothaer-Chef Leicht.

Trotzdem will auch er künftig genauer hinschauen: Auf 16 Mitarbeiter hat der Kölner Versicherer sein Team von Betrugsermittlern aufgestockt. Es sind erfahrene Sachbearbeiter aus der Sparte Schadenversicherung, die sich viele Jahre mit dubiosen Schäden befasst und ein besonderes Gespür für Bluffer entwickelt haben. Bei zweifelhaften Fällen fahren die Experten zu Ermittlungen und Verhandlungen auch zum Kunden hin.

Haltung der Deutschen zum Versicherungsbetrug (zum Vergrößern bitte anklicken)

Erlebt hat Leicht auf diesem Feld schon einiges. Da schließt ein Mann bei zehn verschiedenen Anbietern eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Jede Police sieht eine Monatsrente von 1.000 Euro vor. Kaum hat der Mann den letzten Vertrag unterschrieben, meldet er sich als Invalide – und fliegt auf, weil ein Sachbearbeiter wegen des kurzen zeitlichen Abstands zwischen Abschluss der letzten Police und der Schadensmeldung stutzig wird und nachfasst.

Auch der Fall eines Millionärs, der seine Luxusyacht selbst im Mittelmeer versenkte, ist Leicht schon begegnet. „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gibt es deutlich mehr Betrugsfälle“, sagt der Gothaer-Chef mit Blick auf die Finanzkrise.

Mit Abstand am häufigsten versuchen Kunden ihre Versicherung mit Schäden an Elektronikgeräten übers Ohr zu hauen. Besonders bei Techniksprüngen wie der Einführung von Flüssigkristallbildschirmen oder der 3-D-Technik bei Fernsehgeräten schnellen die Schadensmeldungen in die Höhe. Das Gleiche gilt vor Sport-Großereignissen wie der Fußball-WM. Da wollen sich viele schnell noch auf Kosten der Versicherung einen neuen Bildschirm sichern.

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