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Versicherungen Schätzungen zu Hochwasser-Schäden überschlagen sich

Die Schätzungen der Hochwasser-Schäden schnellen in die Höhe. Mehr als doppelt so stark wie bei der „Jahrhundertflut“ 2002 könnte es Versicherer treffen. Und eine Police zu kriegen, wird deswegen künftig noch schwerer.

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Überflutete Fahrzeuge in Sachsen-Anhalt.

Düsseldorf Das Hochwasser in Deutschland wird die Versicherungswirtschaft bis zu vier Milliarden Euro kosten. Darauf weist der Rückversicherungsmakler Aon Benfield aus Hamburg in einer Hochrechnung hin, deren Ergebnisse dem Handelsblatt vorliegen. „Der Schadenaufwand würde damit denjenigen durch das Hochwasser des Jahres 2002 überschreiten“, sagt Jan-Oliver Thofern, der bei Aon Benfield das Geschäft für Deutschland, Österreich und die Schweiz leitet, dem Handelsblatt.

Das Unternehmen modelliert anhand umfassender mathematischer Modelle für Erst- und Rückversicherer Risiken, die durch verschiedene Gefahren entstehen können. Den Konzernen hilft Aon Benfield so dabei, erwartete Schäden zu berechnen und Prämien zu kalkulieren. Das Hochwasser vor elf Jahren hatte die Branche in Deutschland 1,8 Milliarden Euro gekostet.

Thofern geht davon aus, dass durch das Hochwasser in diesem Jahr ein weitaus größeres Gebiet relevante Schäden aufweisen wird. „Interessant ist, dass auch Orte betroffen waren, die offenbar als vollumfänglich versicherbar galten“, sagt Thofern dem Handelsblatt. Dazu gehört zum Beispiel der Ort Deggendorf, der besonders stark überflutet worden ist. „Es könnte deshalb sein, dass nach diesem Hochwasser eine Neueinstufung bestimmter Risikoorte stattfinden wird.“

Für die Assekuranz wird es auf jeden Fall teuer. Die Württembergische Versicherung kalkuliert mit mindestens 50 Millionen, 2002 waren es noch 44 Millionen. Die Sparkassenversicherung geht von einer Belastung in Höhe von 40 Millionen Euro aus, verglichen mit rund 25 Millionen Euro beim Elbe-Hochwasser 2002. Die R+V Versicherung rechnet ebenfalls damit, dass die Summe von 60 Millionen Euro aus dem Jahr 2002 dieses Mal zu niedrig ist. Dasselbe gilt für die Gothaer, die damals 30,2 Millionen Euro an ihre Kunden auszahlen musste.

Es gebe einiges, was dieses Hochwasser von dem vorherigen unterscheide, sagte Aon-Benfield-Experte Thofern dem Handelsblatt. So seien gerade in Bayern seit 2002 viel mehr Hausbesitzer gegen Elementarschäden versichert, zu denen auch Hochwasser gehört. Dadurch steigt der Schadenaufwand für die Versicherer automatisch mit an. Bundesweit stieg die Zahl der Versicherungen gegen Elementarschäden seit 2002 von drei Millionen auf 5,5 Millionen. Das Bundesland sei dieses Jahr zudem anscheinend stärker betroffen als 2002, sagt Thofern.

Von Forderungen nach einer Pflichtversicherung für Hausbesitzer hält er nichts. „Viel besser wären ein optimierter Hochwasserschutz sowie eine noch intensivere Aufklärung über die Gefahren des Hochwassers.“ Es sei auch nicht hilfreich gewesen, das nach 2002 noch Baugenehmigungen für Objekte erteilt worden seien, die in den höchstgefährdeten Gebieten lägen. Und: „Wer sich nicht versichert, obwohl er es könnte, der muss wissen, dass ein Hochwasser nicht nur in Wahlkampfperioden auftreten kann.“


Elementarschutz in Risikogebieten ist teuer

Die Ratingagentur Fitch wiederum schätzt die Kosten des Hochwassers für die Versicherungen auf bis zu drei Milliarden Euro. Der volkswirtschaftliche Schaden dürfte sich insgesamt auf rund zwölf Milliarden Euro belaufen. Auch nach dieser Prognose würde das Hochwasser die Versicherer teurer zu stehen kommen als die Flut 2002.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hatte zuletzt unterschiedliche Angaben dazu gemacht, ob der Schaden diesmal höher als vor elf Jahren liegen wird. Erste Schätzungen sollen Ende der Woche veröffentlicht werden.

Den Großteil der Belastungen erwartet Fitch bei den Versicherungen für Gebäude, Hausrat und Autos. Betroffene Unternehmen dürften zudem ihre Versicherungen gegen Betriebsausfälle in Anspruch nehmen. Öffentliche Versicherer wie die Versicherungskammer Bayern und die Sparkassen-Versicherungen, aber auch die Allianz, die im Osten Deutschlands stark engagiert ist, dürften demnach besonders stark betroffen sein.

Die versicherten Schäden werden den Fitch-Analysten zufolge weit unter den volkswirtschaftlichen Schäden liegen, da in Gebieten mit Hochwasserrisiken ein Elementarschutz nur schwierig oder nur zu sehr hohen Preisen zu erhalten sei. Der Ratingagentur zufolge enthalten etwa 32 Prozent aller Gebäudeversicherungen in Deutschland einen Elementarschutz, allerdings mit großer regionaler Streuung.

Unten den Bundesländern, die gegenwärtig von Hochwasser betroffen sind, habe Bayern mit 21 Prozent nach wie vor die niedrigste Quote, während Sachsen einen Anteil von 42 Prozent aufweist. Allerdings dürfte innerhalb der Hochwasserrisikogebiete die Abdeckung von Elementarrisiken deutlich niedriger sein.

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