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Volkswagen Kampf um VW: Piëch hat gute Karten gegen Porsche

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Der Porsche Cayenne verwendet Quelle: dpa

Auf der einen Seite stehen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, dessen Finanzvorstand Holger Härter, Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche sowie Betriebsratschef Uwe Hück. Auf der anderen Seite haben sich Piëch als Vertreter der zweiten großen Porsche-Anteilseigner-Familie, VW-Chef Martin Winterkorn, Audi-Lenker Rupert Stadler und der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh versammelt.

Wiedeking spürt, dass er und seine Leute hier und da möglicherweise etwas übertrieben haben und ist nun bemüht, die Wogen zu glätten. Vielleicht sei der eine oder andere Tonfall falsch gewesen. Es sei bei Porsche ganz normal, „mit harten Bandagen für die Sache zu kämpfen“. Bei den „Audianern“ sei das offenbar falsch angekommen. Gewissermaßen zur Wiedergutmachung hat Wiedeking vor wenigen Tagen Anfragen von Audi und Bentley nach Komponenten des neuen Porsche Panamera ohne viel Federlesens positiv bewilligt. Auch telefoniere er inzwischen fast täglich mit Winterkorn, ohne sich in das operative Geschäft einzumischen. „Ich habe keinen Ehrgeiz, Winterkorns Job zu übernehmen.“

Der Streit, wer wem für wie viel Geld welche Technik liefert, wäre wohl schneller lösbar, hätten sich Stuttgart und Wolfsburg über die Form der Mitbestimmung in der Porsche Holding geeinigt. Doch trotz unzähliger Gespräche sind die Fronten verhärtet: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und die IG Metall reiben sich unter anderem an der Sitzverteilung im künftigen Holding-Betriebsrat und an der von Porsche angestrebten Dauer von zehn Jahren für die Vereinbarung. Porsche möchte, dass die Betriebsräte von Porsche und VW dies untereinander aushandeln.

Machtkampf der Familienclans kühlt dagegen offenbar ein wenig ab

VW-Betriebsratschef Osterloh hingegen dringt auf einen festen Schlüssel, der die größere Zahl an Beschäftigten und Marken bei VW sowie die Produktionsstandorte berücksichtigt. Laut Porsche-Managern scheint hier eine Annäherung in Sicht. VW könnte 34 Sitze im Betriebsrat erhalten und Porsche 22, statt wie ursprünglich geplant je 20 für beide Unternehmen. Ein VW-Betriebsrat bezeichnet das allerdings als „Spielchen“. Noch sei keine Einigung in Sicht. Viel Zeit für Verhandlungen bleibt nicht mehr: Nach der Erhöhung der Beteiligung von Porsche an VW auf 35,14 Prozent, muss sich der Betriebsrat der Porsche-Holding nun innerhalb von 143 Tagen konstituieren.

Bei der Zusammensetzung des Aufsichtsrates könnte es ebenfalls noch Ärger geben. Wiedeking will nämlich, dass die IG Metall nur Vertreter in den Aufsichtsrat entsendet, die von der Belegschaft gewählt worden sind.

Der Machtkampf der Familienclans kühlt dagegen offenbar ein wenig ab. Hieß es vor wenigen Tagen noch aus dem Porsche-Lager, Piëchs Tage an der Spitze des VW-Aufsichtsrats und im Aufsichtsrat der Porsche SE seien gezählt, tönt es nun deutlich leiser. „Man sollte es nicht so weit kommen lassen, dass Piëch als VW-Aufsichtsratschef abgewählt wird“, heißt es beschwichtigend bei Porsche. Aus Piëchs Umfeld heißt es dagegen spitz, der VW-Aufsichtsratschef habe mit seiner Enthaltung nur dafür sorgen wollen, dass „Volkswagen und Audi weiterhin Autos bauen können“.

Piëch pokert hoch, weil es schwierig sein dürfte, ihn aus dem VW-Aufsichtsrat zu entfernen. Sein Mandat läuft noch bis 2012. Porsche müsste eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen und auch noch das Land Niedersachsen als zweiten Großaktionär auf seine Seite bringen. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff kann jedoch bei allen persönlichen Animositäten nicht daran gelegen sein, Piëch loszuwerden. Er weiß, dass Wiedeking das umstrittene VW-Gesetz, das es Niedersachsen ermöglicht, mit nur gut 20 Prozent der Stimmrechte eine Sperrminorität im Aufsichtsrat zu halten, weiter bekämpfen wird. Zumal sich inzwischen auch der baden-württembergische Ministerpräsident Günter Oettinger demonstrativ auf die Seite von Porsche geschlagen hat, was einen wütenden Brief des VW- und Audi-Betriebsrates nach sich zog.

Und wenn Piëch deshalb am Ende Wiedekings Kopf fordern sollte? Dazu zuckt der Porsche-Chef nur kurz die Schulter: Er sei sich keiner Schuld bewusst. Er würde die Entscheidung der Familie aber akzeptieren, lässt er verlauten. Ins Armenhaus müsste er dann nicht gehen – dank der Millionen auf dem Konto und der Kartoffeln von seinem Acker.

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