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Volkswagen VW droht übles Nachspiel bei Porsche-Kauf

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Bei VW ist man sich indes der Risiken möglicher Schadensersatzklagen bewusst. Der Konzern habe bei den Jura-Professoren Joachim Vogel und Mathias Habersack von der Universität Tübingen eine „Prüfung der Haftungsrisiken beauftragt“, sagt VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. „Der Vorstand wird vor der Verschmelzung entscheiden, ob das Risiko als vertretbar angesehen werden kann.“

Auch ein Porsche-Dementi vom 10. März 2008 erscheint angesichts des Schreibens in neuem Licht. Damals war in den Medien darüber spekuliert worden, dass Porsche seinen VW-Anteil auf 75 Prozent aufstocken wolle. Porsche widersprach mit den Worten: „Hintergrund der aktuellen Medienberichte sind offenbar Börsengerüchte, die auf Gedankenspiele von Analysten und Investoren zurückgehen.“ Offenbar gab es, wie das Schreiben zeigt, diese Gedankenspiele auch bei Porsche, das Unternehmen lenkte die Aufmerksamkeit jedoch gezielt auf Analysten und Investoren.

Preis für Porsche deutlich zu hoch?

„Obwohl die Aussage an sich richtig ist, ist es eine Täuschung“, sagt Franz Braun, Kapitalmarktexperte der Münchner Kanzlei CLLB. „Denn eine Täuschung ist laut Rechtsprechung auch dann gegeben, wenn eine isoliert betrachtet richtige Erklärung planmäßig eingesetzt wird, um einen Irrtum über andere Tatsachen hervorzurufen.“

Wie auch immer die Justiz dies bewerten wird, Ungemach droht VW auch wegen der Porsche-Übernahme direkt. Der norwegische Staatsfonds NBIM, der rund 270 Millionen Euro in VW-Aktien investiert hat, kritisiert die Fusionspläne als „inakzeptabel“. Die Transaktion erwecke den Eindruck, sie sei darauf angelegt, „die Interessen der Eigentümerfamilien von Porsche zu Lasten des Unternehmens VW und der übrigen VW-Aktionäre zu verfolgen“. Der Preis, den VW für Porsche bezahle, sei deutlich zu hoch. Die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS hat sich der Kritik der Norweger angeschlossen. Die Fonds prüfen Klagen gegen VW, haben darüber aber noch nicht entschieden.

Piëch hat Großes im Sinn

Solche Kritik ficht Ferdinand Piëch jedoch kaum an. Denn er hat Großes im Sinn. Seit Jahrzehnten baut er an einem Autokonzern, der zu den größten der Welt gehört und der die ganze Palette motorengetriebener Vehikel, vom Kleinwagen bis zum schweren Lkw, anbietet. Nun ist der 72-Jährige kurz vor dem Ziel: Ist Porsche erst eingemeindet, sollen, so will es Piëch offenbar, die Anteile an MAN auf mehr als 50 Prozent aufgestockt werden. Dann kann, zusammen mit der VW-Tochter Scania, eine gemeinsame Lkw-Sparte entstehen. Und damit nicht genug: Piëch gelüstet es nach einer weiteren Marke. In VW-Vorstandskreisen wird nicht dementiert, dass es sich dabei um Suzuki handeln könnte. Allerdings, so heißt es in VW-Kreisen, „ruht das Thema“, da andere Projekte Vorrang hätten.

Was Piëch bei seiner Expansionslust unterschlägt: VW hat enormen Nachholbedarf bei der Produktivität. Mit durchschnittlich rund 35 Arbeitsstunden pro Auto ist VW einer der ineffizientesten Volumenhersteller Europas. Nissan braucht 14 Stunden, selbst Opel ist mit 21 deutlich besser. Den Nachholbedarf hat VW-Chef Martin Winterkorn erkannt: Bis 2018 will er die Produktivität des Konzerns jährlich um zehn Prozent steigern. Langfristig, so beteuerte Winterkorn auf der Hauptversammlung in Hamburg, strebe VW eine Umsatzrendite von acht Prozent an.

Doch statt dieses Ziel zu verfolgen, muss sich der VW-Chef erst mal mit den Reibungsverlusten bei der Integration der neuen Marken befassen. Wegen der Porsche-Übernahme hätten andere wichtige Projekte um Monate verschoben werden müssen, heißt es auf der VW-Chefetage. Die Übernahmeschlacht habe viele Manager über die Grenzen belastet.

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