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Vorwurf des US-Senats Deutsche Bank ist Mitauslöser der Finanzkrise

Die amerikanische Tochter der Deutschen Bank ist Mitschuld an der Hypothekenkrise. Das soll ein 120 Seiten starkes Dokument beweisen, das einem Komitee des US-Senat vorliegt. Die Behörden sprechen von einer "riesigen Schlangengrube voller Gier".

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Deutsche Bank, New York Quelle: dpa

Eigentlich machen die US-Behörden Jagd auf Goldman Sachs. Dabei sind sie jedoch über die Deutsche Bank USA gestolpert. "Wir haben 120 Dokumente, die zeigen, wie die Deutsche Bank in die Hypothekenkrise verstrickt ist", heißt es im aktuellen Report zur Finanzkrise, den ein Komitee des US-Senats gestern veröffentlichte.

Das "U.S. Senate Permanent Subcommittee on Investigations" ist das älteste Unterkomitee des Komitees für nationale Sicherheit und Regierungsangelegenheiten. In dieser Funktion untersucht das Komitee die Ursachen der US-Immobilienkrise und forscht nach den Schuldigen der sich anschließend weltweit ausbreitenden Krise. 

CDOs verkaufen, bevor der Kreditmarkt zusammenbricht

Jetzt hat das Komitee neue Beweise für die Schuld von Goldman Sachs – und der Deutschen Bank – gefunden. 5.800 Seiten Papier stapelten sich auf den Tischen der neun Mitglieder, 120 davon befassen sich mit der Deutschen Bank. Ein geringer Teil des Ganzen zwar, allerdings wegen einer Sache, wegen der die Deutsche Bank in den USA bereits mehrmals verklagt wurde.

Es geht um den Handel mit forderungsbesicherten Wertpapieren, den sogenannten CDOs. Ganz konkret hat die Deutsche Bank erkannt, dass es bei den US-Immobilien zu einem Preisverfall und dadurch zu Kreditausfällen kommen wird. Darauf wetteten die Banker. Trotzdem verkaufte sie weiterhin die Collateralized Debt Obligations (CDOs) – Kreditderivate. Die Deutsche Bank verkaufte ihren Kunden also Papiere, auf deren Verlust sie bereits spekulierte.

2007 hatte sie diese Papiere im Gesamtwert von 1,1 Milliarden Dollar verkaufen wollen, obwohl Michael Lamont, Co-Leiter der Abteilung CDOs, bereits wusste, dass der Kreditmarkt einbrechen würde. Bereits Anfang Februar 2007 schrieb er in einer E-Mail: „Drückt die Daumen, aber ich glaube, wir können das verkaufen, bevor der Markt zusammenbricht.“ Tatsächlich verkaufte die Bank Papiere für 700 Millionen Dollar. Binnen 17 Monaten verloren diese fast ihren gesamten Wert.

Der Vorsitzende des Komitees des US-Senats, Carl Levin, spricht von beunruhigenden Praktiken bei der Bank. "Wir sind auf eine Schlangengrube voller Gier, Interessenkonflikten und Fehlverhalten gestoßen."

Und zwar auf eine für die Deutsche Bank doch recht lukrative Schlangengrube. Allein Lipmmans CDO-Team verdiente daran zwei Milliarden Euro. Er gehörte 2005 zur sogenannten "Gang of Five": Den CDO-Händlern bedeutender Investmentbanken, die neue Regeln entwickelten, um CDO-Wetten noch lukrativer zu machen.

Ob die neuesten Erkenntnisse des Komitees die Deutsche Bank erneut vor den Kadi zerren können, ist unklar, dem Image in den USA dürften sie jedoch erheblich schaden. Ob es Lamont und Lippman beeindruckt, was der kleine Ausschuss des Senates zu Tage förderte, ist hingegen fraglich. Lamont arbeitet mittlerweile beim New Yoker Hedge Fonds "Seer Capital Management", Lippmann gründete die LibreMax Capital LLC, eine Investmentgesellschaft in New York. Beide Unternehmen wickeln Milliardengeschäfte ab.

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