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VW-USA-Chef Browning "Wir knüpfen an den Erfolg des Käfers an"

Der USA-Chef von Volkswagen, Jonathan Browning über den Billig-Passat für die Amerikaner, Imageprobleme jenseits des Atlantiks und Absatzchancen im wichtigsten Automarkt der Welt.

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Jonathan Browning, President Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche: Herr Browning, was hat VW-Chef Martin Winterkorn geritten, dass er 2018 in den USA mindestens eine Million Autos verkaufen will, gut dreimal so viel wie heute?

Browning: Der Marktanteil von Volkswagen in den USA ist heute viel kleiner als in fast allen anderen wichtigen Märkten. Warum sollten wir da nicht mehr Kunden von VW überzeugen können? Die Frage, wie uns das gelingt, ist mir im Übrigen zunächst wichtiger als die konkrete Zahl.

Die Million verkaufter Autos ist aber wichtig. Nur wenn Sie diese Zahl in den USA erreichen, kann VW erfolgreichster Autobauer der Welt werden. Ist das neue Werk in Chattanooga nicht automatisch das wichtigste Projekt im VW-Konzern?

China, Indien und Russland sind natürlich enorm wichtige Wachstumsmärkte. Aber wenn Sie berücksichtigen, welche Kaufkraft es hier gibt und wie groß unsere Defizite hier sind, dann gehört der US-Markt sicherlich zu den zwei, drei Top-Prioritäten im Konzern.

Wieso sollen die Amerikaner auf einmal so viele VW kaufen?

Volkswagen war in der Vergangenheit sehr erfolgreich in den USA. Viele haben noch den Käfer oder den VW Bus im Kopf. Daran knüpfen wir an, indem wir mit dem neuen Passat in das Segment der Mittelklasse-Limousinen, also das Herz des Massensegments, vorstoßen. Unsere Botschaft ist einzigartig in den USA: deutsche Ingenieurkunst für alle...

...also nicht nur für betuchte BMW- und Mercedes-Käufer?

Ja, genau. Das ist das Neue für die Amerikaner. Dieses Versprechen lösen wir ganz besonders mit dem neuen Jetta und dem neuen Passat ein.

Die Amerikaner sehen das mit der Ingenieurkunst von VW anders. In einem der wichtigsten Qualitätsrankings für Neu-wagen landete VW hier in 2010 auf Platz 31 von 33 Automarken. Herrn Winterkorn soll das ziemlich aufgeregt haben.

Zu Recht, so etwas ist nicht akzeptabel. Wir gehen das Problem von verschiedenen Seiten an, aus amerikanischer wie aus globaler Sicht. Denn es geht um ganz unterschiedliche Qualitätsaspekte.

Zum Beispiel?

Die Amerikaner mögen es zum Beispiel nicht, wenn der Regler für den Tempomaten am Ende des Blinkerhebels sitzt. Sie möchten, dass er am Lenkrad sitzt. Das kann man ohne größeren Aufwand ändern. Auch bei der Steuerung der Klimaanlage oder Bluetooth, der Funkübertragung im Auto, können wir mit kleinen Änderungen viel erreichen. Wir haben neue Leute in der Qualitätssicherung. Sie kommen unter anderem von Porsche, der Marke, die in dem besagten Ranking auf Platz eins steht. Wir werden sicherstellen, dass die Fahrzeuge künftig exakt auf die Bedürfnisse der amerikanischen Kunden abgestimmt werden, bevor sie auf den Markt kommen – und nicht erst, wenn es schlechte Testergebnisse gibt.

Sie haben den VW-Passat für die USA bei der Automesse in Detroit vor ein paar Wochen das erste Mal öffentlich gezeigt. Wie waren die Reaktionen?

Die Menschen haben die Substanz des Autos und das gute Preisleistungsverhältnis sofort erkannt. Allein, dass wir mit dem Auto in dem am meisten umkämpften Segment angreifen, hat die Menschen begeistert. Dass wir das Auto mit dem sparsamen TDI-Dieselmotor anbieten werden und damit einen Verbrauch von 5,5 Litern auf der Autobahn erreichen, hat viele Leute wirklich umgehauen.

In Wolfsburg sind einige Manager nicht glücklich mit der Entscheidung, das Auto in den USA Passat zu nennen. Denn der US-Passat kann mit dem deutschen Namensvetter bei der Qualität und den Innovationen nicht mithalten.

Unser Auto Passat zu nennen wird nach meiner Kenntnis vom gesamten Unternehmen unterstützt.

Angeblich war allen im Vorstand klar, dass ein anderer Name besser wäre, aber man wollte sich das Geld für die -Einführung einer neuen Marke sparen.

Also seit ich im Unternehmen bin, ging es immer um den Namen Passat.

Der VW-Konzern hat in den USA in den vergangenen Jahrzehnten einige Milliarden Euro verloren. Können Sie mit dem preisgünstigen Passat Geld verdienen?

Durch den Ausbau unseres Geschäftes wollen wir unterm Strich Geld verdienen. Der neue Passat besteht zu 85 Prozent aus Teilen aus Nordamerika. Der neue Jetta kommt aus Mexiko. Damit haben wir eine großartige Basis, um die Kosten unseres USA-Geschäfts neu auszubalancieren.

Im neuen Werk in Chattanooga sollen zunächst 150 000 Passat vom Band laufen. Die Produktion kann aber leicht ausgebaut werden. Welches Modell werden Sie dort noch produzieren? Den Geländewagen Tiguan? Oder ein Audi-Modell?

Es gibt die Möglichkeit, die Produktion im bestehenden Gebäude auf 250 000 Autos pro Jahr aufzustocken. Danach könnten wir diese Anlage auf dem Nachbargelände eins zu eins noch einmal bauen und damit die Kapazität auf 500 000 Autos steigern. Noch gibt es darüber aber keine Beschlüsse, auch nicht über weitere Modelle, die wir dort bauen können.

Seit Jahren preisen deutsche Hersteller den Amerikanern ihre Dieselmodelle an, jedoch ohne großen Erfolg. Glauben Sie noch an den Durchbruch?

Die Bedeutung von Dieselfahrzeugen in den USA wächst. Mittlerweile ist jeder fünfte verkaufte VW hier ein Diesel. Auf der Automesse in Chicago haben mich mehrere Leute gefragt, wann wir auch den Tiguan mit Dieselmotor anbieten. Wir werden unser Dieselangebot auf jeden Fall kontinuierlich ausweiten. Damit können wir uns auch von den großen Wettbewerbern absetzen.

In den besten Zeiten kauften die US-Amerikaner 17 Millionen Autos pro Jahr. Wird es das in Zukunft noch geben?

Wir denken, dass der Markt in zehn Jahren wieder auf 15 bis 16 Millionen wachsen kann. Das heißt nicht, dass der Markt auch mal auf 17 Millionen steigen kann, aber damit planen wir nicht.

Sie sind ein begeisterter Radfahrer und planen für den Sommer eine 1500-Kilometer-Tour durch Ihre britische Heimat. Ein radelnder Automanager, ist das aus Sicht der US-Amerikaner nicht suspekt?

Auch echte Autonarren können sich neben Autos auch noch an ein paar anderen Dingen erfreuen. Meine Leidenschaft sind Autos. Aber unglücklicherweise hält das Sitzen in einem Auto nicht fit. Radfahren ist das beste Mittel gegen lange Meetings und unzählige Dinner.

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