WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Waffenhersteller Heckler & Koch drückt gewaltige Schuldenlast

Ärger mit Hedgefonds, hohe Schulden und fragwürdige Kredite – beim Waffenhersteller Heckler & Koch brennt die Luft.

Ein Polizist hält eine Quelle: dpa/dpaweb

Andreas Heeschen ist unerbetene Aufmerksamkeit gewohnt, seit er vor acht Jahren mit seinem Geschäftspartner Keith Halsey den Waffenhersteller Heckler & Koch übernommen hat. Denn trotz aller Ausfuhrverbote landen die Gewehre und Maschinenpistolen des Traditionsunternehmens aus dem schwäbischen Oberndorf immer mal wieder in den falschen Händen. Das bescherte Heckler & Koch bei Rüstungsgegnern zwar den zweifelhaften Ruf als „Deutschlands tödlichstes Unternehmen“, störte aber die Geschäfte nicht.

Doch jetzt ballt sich über dem Schwarzwälder Schusswaffenstar Unbill ganz anderen Kalibers zusammen: Das Unternehmen ächzt unter einer gewaltigen Schuldenlast. Ratinganalysten monieren die „sehr aggressive Finanzpolitik“ und verorten die Bonität von Heckler & Koch längst auf Ramschniveau. Schlimmer noch: Eine Gruppe internationaler Geldgeber des Unternehmens fordert die vorzeitige Rückzahlung eines Großkredits und verklagt nicht nur die Heckler & Koch-Holdinggesellschaft HKB, sondern nimmt auch deren Inhaber Heeschen und Halsey persönlich ins Visier.

Geld für Schiffe und Flugzeuge

Am 25. März 2010 stattete ein Beamter der Kantonspolizei Graubünden HKB-Gesellschafter Halsey in seinem Schweizer Domizil einen Besuch ab und überreichte die Klageschrift der vier Hedgefonds. Denen schuldet die HKB laut -Finanzberichten der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) derzeit insgesamt 152 Millionen Euro. Halsey und Heeschen hätten Kreditvereinbarungen verletzt, dem Unternehmen mehr als 130 Millionen Euro entzogen und die Gesellschaft als ihr „persönliches Sparschwein“ genutzt, um Ferienhäuser, Yachten und Flugzeuge für ihren privaten Bedarf zu kaufen, heißt es in den Gerichtspapieren. Als -Beleg für den Verdacht werden Aussagen des HKB-Finanzchefs und eines externen Beraters am 12. August 2009 angeführt.

Dem Unternehmen zufolge sind derlei Thesen aus dem Zusammenhang gerissen. Bei einer Telefonkonferenz hätten die Fonds eine „aggressive Befragung“ vorgenommen. Dabei sei lediglich klargestellt worden, dass HKB zwar auch in „Immobilien, Flugzeuge und Schiffe investiert“ habe. Aber die „Privatnutzung der Investitionsobjekte durch Gesellschafter“ sei von diesen stets „privat bezahlt“ worden, betont HKB gegenüber der WirtschaftsWoche. Zudem seien alle Kreditbedingungen eingehalten worden, weshalb die Holding eine „Zurückweisung der Klage“ beantragt hat.

Die Kläger befürchten unterdessen, dass im April 2013 – wenn ihre Darlehenssumme auf einen Schlag fällig wird – bei Heckler & Koch nur noch wenig zu holen ist, und wollen früher an ihr Geld.

Die Sorge ist wohl nicht ganz un-begründet: Neben dem 150-Millionen-Euro-Darlehen muss die Gruppe weitere Gelder aufbringen. Im Juli 2011 ist eine Anleihe fällig, 120 Millionen Euro muss Heckler & Koch dann an Anleger zurückzahlen. Die Zweifel an einer reibungslosen Refinanzierung wachsen. Die Liquiditätslage des Unternehmens sei „sehr schwach“, hatten S&P-Experten im Frühjahr vermerkt.

Eine P8 von Heckler & Koch. Quelle: REUTERS

Das Unternehmen ist sich derweil sicher, dass die Anleihe „planmäßig in deutlich geringerer Höhe refinanziert“ werde. Die finanzielle Situation sei „sehr stabil“, das operative Geschäft „verlief im Geschäftsjahr 2009 gut“.

163 Millionen Euro Umsatz erzielte Heckler & Koch laut S&P in den ersten neun Monaten 2009, rund 26 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zu den Hauptabnehmern des rund 700 Mitarbeiter starken Unternehmens zählen Nato-Streitkräfte. Maschinenpistolen wie die MP5, die als Teil des Logos der Terroristengruppe RAF -bekannt wurde, sind bei Polizei und Sondereinheiten in Gebrauch. „Die sind ein großer Spieler bei kleinen Waffen und in -ihrem Feld eine echte Premiummarke“, sagt Pieter Wezemann vom Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri.

Umso erstaunlicher ist es, dass sowohl Waffenhersteller als auch Holding 2008 Verluste in Millionenhöhe auswiesen. Die Ursachen dafür sehen Beobachter in jenem eigenwilligen Finanzgebaren, das auch die Hedgefonds zu ihrer Klage angestachelt hat. Ausgerechnet die hoch verschuldete Dachgesellschaft HKB gewährte selbst zahlreiche Kredite – auch an Halsey und Heeschen sowie an Unternehmen aus dem Umfeld des Duos. Das Geschäftsmodell der HKB sehe es schließlich vor, „in Projekte mit höherer Rendite zu investieren“, heißt es dazu offiziell. Darlehen für Immobilien „waren verzinslich und sind alle zurückbezahlt worden“, teilt das Unternehmen mit.

„Echte Premiummarke“

Andere Positionen sind noch offen: So flossen knapp 30 Millionen Euro Kredit laut HKB-Bilanz 2008 direkt an die beiden Gesellschafter. Weitere 41 Millionen Euro schuldete danach die Wolf-Garten-Gruppe der HKB. Die Summe musste fast komplett abgeschrieben werden, nachdem der Gartengerätehersteller, an dem Heeschen und Halsey beteiligt waren, 2009 Insolvenz anmeldete.

Ein Investor ließ sich von solchen Geschäften nicht abschrecken: Alfred Schefenacker. Der Stuttgarter Unternehmer hält seit Anfang des Jahres rund fünf Prozent der HKB-Anteile, geht aus Einträgen im Handelsregister hervor. Die Kreditgeber wurden offenbar noch nicht informiert. Bei der Transaktion soll es sich um eine „Portfolio-Optimierung der Familien Schefenacker und Heeschen“ handeln, die nichts mit der finanziellen Situation der Gruppe zu tun habe, teilt die HKB dazu mit.

Immerhin, der neue Gesellschafter hat Erfahrung mit verschuldeten Unternehmen. Der Autospiegelhersteller Schefenacker, den Alfreds Vater einst gegründet hatte, geriet 2006 ins Schlingern, weil die Gesellschaft die Zinsen für Kredite und Anleihen nicht mehr bezahlen konnte. Hedgefonds stiegen ein, 2009 wurde das Unternehmen weiterverkauft.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%