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Waffenschmiede Heckler & Koch "Bei Handfeuerwaffen sind wir die Innovativsten"

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Der Ertrag war bei vielen Ihrer anderen Investments zuletzt nicht besonders hoch. Im Gegenteil: Der traditionsreiche deutsche Gartengerätehersteller Wolf Garten meldete Insolvenz an.

Wir haben Wolf 2004 in der Hoffnung gekauft, das Unternehmen sanieren zu können. Leider ist uns das nicht in dem notwendigen Maße gelungen. Die Unternehmerfamilie hatte Wolf derart heruntergewirtschaftet, dass auch eine Investition von über 50 Millionen Euro nicht ausreichend war. Als 2008 die große Krise kam, war es uns zu riskant, an dem Investment festzuhalten. Wir haben dann eine unternehmerische Lösung gefunden, mit der fast alle Arbeitsplätze gerettet werden konnten.

Auch den Wuppertaler Aldi-Waschmittellieferanten Luhns haben Sie 2008 in einer „existenzbedrohenden Situation“ verkauft, schreiben Wirtschaftsprüfer.

Ich habe Luhns 1993 erworben und bin über die Jahre als Eigentümer und Geschäftsführer durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Es hat mir immer viel Spaß gemacht, hart am Wind mit der Mannschaft oft genug ums Überleben zu kämpfen. In der Phase 2008 war es aber richtig, Luhns in andere Hände zu geben, um die Margen zu erhöhen. Das Unternehmen machte zum Zeitpunkt des Verkaufs keine Verluste. Die Formel des Wirtschaftsprüfers ist dennoch korrekt, weil alle Risiken berücksichtigt werden mussten.

Und Ihr Engagement zusammen mit dem russischen Milliardär Leo Blavatnik beim US-Chemiekonzern LyondellBasell lief ebenfalls nicht optimal.

Das sehe ich ganz anders. LyondellBasell hatte Gläubigerschutz in den USA angemeldet. Zusammen mit einem neuen Top-Management und einigen anderen Playern gelang es, ein historisch einmaliges Sanierungskonzept durchzusetzen. Bei diesem ganzen Prozess dabei sein zu dürfen, war für mich eine großartige Erfahrung. Richtig ist allerdings auch, dass durch eine richterliche Auflage eine zusätzliche Kapitaldecke von 2,8 Milliarden Dollar eingezogen werden musste. Das hat meine Anteile verwässert.

Wie viel Geld haben Sie denn?

Leider nicht so viel wie früher, aber wir zahlen alle Rechnungen (lacht). Nach sieben guten Jahren war die Finanz- und Wirtschaftskrise eine echte Horrorzeit, mit hohen Abschreibungen. Aber natürlich lief nicht alles schlecht. Wir haben in Immobilien investiert, die sich hervorragend entwickeln. Auch Beteiligungen an Internet-Unternehmen und der Handel mit Lieferkontrakten für Flugzeuge waren und sind profitabel. Und natürlich Heckler & Koch. Das ist eine echte Erfolgsgeschichte.

Wie lange noch? Weltweit dampfen Regierungen ihre Rüstungsetats ein, wie wollen Sie diese Entwicklung abfangen?

Heckler & Koch hat einen hohen Auftragsbestand, der in den kommenden Jahren eine wirtschaftliche Auslastung erwarten lässt. Auf mittlere Sicht glauben wir, dass Heckler & Koch die Produkte entwickelt und bereitstellt, die von den Kunden Militär und Polizei zur Erfüllung ihrer Aufgaben dringend benötigt werden. Dafür sollten auch in der Zukunft trotz der notwendigen staatlichen Haushaltssanierungen ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Brauchen Sie dafür nicht auch eine Reihe neue Produkte? In Ihren Katalogen ist in den vergangenen Jahren wenig dazugekommen.

Das täuscht. Wir haben gerade einen intelligenten Granatwerfer entwickelt, mit dem Sie auch Gegner in ihren Stellungen angreifen können. Heckler & Koch ist im Bereich Handfeuerwaffen anerkanntermaßen das innovativste Unternehmen überhaupt. Das Produktportfolio weitet sich ständig aus. Wir bauen gerade für Saudi-Arabien eine komplette Produktionsanlage für das G36 auf.

Sie bauen komplette Waffenfabriken?

Unsere Partnerländer wollen ihre eigene Produktion haben. Also kaufen wir auf dem Weltmarkt alle notwendigen Maschinen und liefern die komplette Anlage.

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