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Waffenschmiede Heckler & Koch "Bei Handfeuerwaffen sind wir die Innovativsten"

Andreas Heeschen, Inhaber der Waffenschmiede Heckler & Koch, über illegale Exporte, Ärger mit Investoren, glücklose Engagements, und intelligente Granatwerfer.

Georgische Soldaten Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Heeschen, Staatsanwälte ermitteln gegen Verantwortliche Ihres Unternehmens. Heckler & Koch soll Waffen in mexikanische Unruheprovinzen geliefert und damit gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben. Wie sehen Sie die Vorwürfe?

Heeschen: Grundsätzlich: Heckler & Koch verfügt über schärfste interne Compliance- und Sicherheitsregeln. Es wird genauestens überwacht, dass alle Vorschriften und insbesondere das Waffenkontrollgesetz penibel eingehalten werden. Dies ist ein Stützpfeiler des Geschäftsmodells.

Wurden die Waffen in Konfliktregionen eingesetzt?

Alle Waffen, die an Mexiko geliefert wurden, gingen an eine zentrale Beschaffungsstelle. Die Mexikaner versichern mit Endverbleibserklärung, dass die Waffen gemäß den deutschen Ausfuhrgenehmigungen verwendet werden. Eine direkte Lieferung in bestimmte mexikanische Bundesstaaten ist somit gar nicht möglich.

Mexiko ist nicht der erste Fall, der Heckler & Koch in die Schlagzeilen brachte. Beispielsweise tauchten 2008 Ihre G36-Gewehre im Bürgerkrieg in Georgien auf.

Heckler & Koch hat weder Waffen an Georgien noch in andere Krisengebiete geliefert. Bei Schlagzeilen, die Sie erwähnen, sollten Sie bedenken, dass „interessierte Kreise“ offenbar Medien und staatliche Institutionen missbrauchen, um dem Unternehmen Heckler & Koch zu schaden. Das ist leider so. Gerne wird dabei vergessen, dass Heckler & Koch deutsche und NATO-Soldaten bei ihren schwierigen Einsätzen unterstützen.

In den vergangenen Monaten hatten Sie nicht nur mit Staatsanwälten Ärger, sondern auch mit Finanzinvestoren. In New York haben vier Hedgefonds Klage eingereicht, die Ihnen einen Millionenkredit gewährt haben und Ihnen nun vorwerfen, die Kassen der Heckler & Koch-Muttergesellschaft HKB zu plündern.

Die Lage hat sich inzwischen geklärt. Das New Yorker Gericht hat die Klage gerade nicht zugelassen. Wir sind sehr froh, dass der zuständige Richter ganz offensichtlich das Spiel der Hedgefonds durchschaut hat. Der Fall ist ein eklatantes Beispiel, wie einzelne Hedgefonds mit absurden Klagen versuchen, die Justiz für ihre Interessen einzuspannen. Wir werden in den USA gegen die vier Hedgefonds und vor allem auch gegen die verantwortlichen Personen Verleumdungs- und Schadensersatzklagen wegen Geschäftsschädigung anstrengen.

Die Kläger behaupteten, Sie hätten sich von HKB Geld geliehen und damit private Immobilien, Yachten und Flugzeuge gekauft. Stimmt das?

Das war Teil der Kampagne. Die Hedgefonds haben versucht, mich als Person und Geschäftsmann unglaubwürdig zu machen. Dadurch sollte Druck aufgebaut werden, damit ich die HKB zur vorzeitigen Tilgung von Krediten veranlasse. Alle Finanzierungen der HKB sind betriebliche Investitionen. Sofern ich als Privatperson Häuser, Hubschrauber und Yachten besitze, so sind das privat finanzierte Investitionen.

Dennoch muss Ihre Holding HKB spätestens 2013 rund 210 Millionen Euro für die Rückzahlung des Darlehens aufbringen. 2011 wird beim Produktionsunternehmen Heckler & Koch eine Anleihe über weitere 120 Millionen Euro fällig. Nach eigenen Angaben hat Heckler & Koch aber nur gut 50 Millionen Euro liquide Mittel. Wie wollen Sie das alles finanzieren?

Heckler & Koch hat über die vergangenen Jahre Liquiditätsüberschüsse erzielt und eine starke Cash-Position aufgebaut. Für den Restbetrag überlegen wir, ob wir eine neue Anleihe platzieren oder einen konventionellen Kredit aufnehmen. Da stehen uns alle Türen offen, weil die Sicherheiten stimmen. Allein Heckler & Koch ist derzeit 400 bis 450 Millionen Euro wert. Auf jeden Fall können wir die Darlehen problemlos refinanzieren, wir haben bereits Angebote von zwei namhaften Banken.

Wenn alles so solide ist, warum bekommt Heckler & Koch dann so schlechte Bonitätsnoten von Ratingagenturen?

Wir sind schlicht zu klein. Mit einer Milliarde Euro Umsatz wäre Heckler & Koch gleich in einer ganz anderen Ratingliga. Aber wir wollen ja auch klein bleiben, weil wir mit den Erlösen, die wir derzeit machen, unser Werk optimal auslasten können. Für mich ist der Umsatz nicht relevant. Der Ertrag ist entscheidend.

Der Ertrag war bei vielen Ihrer anderen Investments zuletzt nicht besonders hoch. Im Gegenteil: Der traditionsreiche deutsche Gartengerätehersteller Wolf Garten meldete Insolvenz an.

Wir haben Wolf 2004 in der Hoffnung gekauft, das Unternehmen sanieren zu können. Leider ist uns das nicht in dem notwendigen Maße gelungen. Die Unternehmerfamilie hatte Wolf derart heruntergewirtschaftet, dass auch eine Investition von über 50 Millionen Euro nicht ausreichend war. Als 2008 die große Krise kam, war es uns zu riskant, an dem Investment festzuhalten. Wir haben dann eine unternehmerische Lösung gefunden, mit der fast alle Arbeitsplätze gerettet werden konnten.

Auch den Wuppertaler Aldi-Waschmittellieferanten Luhns haben Sie 2008 in einer „existenzbedrohenden Situation“ verkauft, schreiben Wirtschaftsprüfer.

Ich habe Luhns 1993 erworben und bin über die Jahre als Eigentümer und Geschäftsführer durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Es hat mir immer viel Spaß gemacht, hart am Wind mit der Mannschaft oft genug ums Überleben zu kämpfen. In der Phase 2008 war es aber richtig, Luhns in andere Hände zu geben, um die Margen zu erhöhen. Das Unternehmen machte zum Zeitpunkt des Verkaufs keine Verluste. Die Formel des Wirtschaftsprüfers ist dennoch korrekt, weil alle Risiken berücksichtigt werden mussten.

Und Ihr Engagement zusammen mit dem russischen Milliardär Leo Blavatnik beim US-Chemiekonzern LyondellBasell lief ebenfalls nicht optimal.

Das sehe ich ganz anders. LyondellBasell hatte Gläubigerschutz in den USA angemeldet. Zusammen mit einem neuen Top-Management und einigen anderen Playern gelang es, ein historisch einmaliges Sanierungskonzept durchzusetzen. Bei diesem ganzen Prozess dabei sein zu dürfen, war für mich eine großartige Erfahrung. Richtig ist allerdings auch, dass durch eine richterliche Auflage eine zusätzliche Kapitaldecke von 2,8 Milliarden Dollar eingezogen werden musste. Das hat meine Anteile verwässert.

Wie viel Geld haben Sie denn?

Leider nicht so viel wie früher, aber wir zahlen alle Rechnungen (lacht). Nach sieben guten Jahren war die Finanz- und Wirtschaftskrise eine echte Horrorzeit, mit hohen Abschreibungen. Aber natürlich lief nicht alles schlecht. Wir haben in Immobilien investiert, die sich hervorragend entwickeln. Auch Beteiligungen an Internet-Unternehmen und der Handel mit Lieferkontrakten für Flugzeuge waren und sind profitabel. Und natürlich Heckler & Koch. Das ist eine echte Erfolgsgeschichte.

Wie lange noch? Weltweit dampfen Regierungen ihre Rüstungsetats ein, wie wollen Sie diese Entwicklung abfangen?

Heckler & Koch hat einen hohen Auftragsbestand, der in den kommenden Jahren eine wirtschaftliche Auslastung erwarten lässt. Auf mittlere Sicht glauben wir, dass Heckler & Koch die Produkte entwickelt und bereitstellt, die von den Kunden Militär und Polizei zur Erfüllung ihrer Aufgaben dringend benötigt werden. Dafür sollten auch in der Zukunft trotz der notwendigen staatlichen Haushaltssanierungen ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Brauchen Sie dafür nicht auch eine Reihe neue Produkte? In Ihren Katalogen ist in den vergangenen Jahren wenig dazugekommen.

Das täuscht. Wir haben gerade einen intelligenten Granatwerfer entwickelt, mit dem Sie auch Gegner in ihren Stellungen angreifen können. Heckler & Koch ist im Bereich Handfeuerwaffen anerkanntermaßen das innovativste Unternehmen überhaupt. Das Produktportfolio weitet sich ständig aus. Wir bauen gerade für Saudi-Arabien eine komplette Produktionsanlage für das G36 auf.

Sie bauen komplette Waffenfabriken?

Unsere Partnerländer wollen ihre eigene Produktion haben. Also kaufen wir auf dem Weltmarkt alle notwendigen Maschinen und liefern die komplette Anlage.

Und was ist, wenn die in Saudi-Arabien produzierten Waffen in Krisenregionen verkauft werden?

Saudi-Arabien ist trotz der Fabrik nicht in der Lage, Komplettwaffen zu produzieren, da die technologischen Schlüsselkomponenten aus Oberndorf kommen. Die Gefahr eines verbotenen Re-exports durch Saudi-Arabien besteht daher nicht.

Warum nicht?

Das Land würde sonst die Produktionslizenz verlieren.

Hat denn schon mal ein Land die Lizenz entzogen bekommen und die Waffen dann tatsächlich nicht weiter produziert?

Das kann passieren, wenn ein Land zu einem Krisengebiet wird.

Und die produzieren heute weiter – nur ohne Lizenz?

Nein. Ohne Lizenzen kann niemand technologisch vergleichbar Produkte wie Heckler & Koch herstellen. Es gibt Komponenten, die Technologieträger sind, und die werden ausschließlich in Deutschland hergestellt und würden bei Lizenzentzug dann nicht mehr geliefert werden. 

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