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Warenhaus-Riese Welche Interessen die Banken an Arcandor haben

Eine Insolvenz von Arcandor wäre für die beteiligten Banken ein harter Schlag – welche Interessen die Geldhäuser bei dem Warenhauskonzern verfolgen.

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Arcandor-Chef Karl-Gerhard Quelle: REUTERS

Die Hauptversammlung der Deutschen Bank am vergangenen Dienstag kam Karl-Gerhard Eick sichtbar ungelegen. Der Arcandor-Chef, seit 2004 Aufsichtsrat bei Deutschlands größtem Geldinstitut, hätte vermutlich Besseres zu tun gehabt, als Rücktrittsforderungen an Aufsichtsratschef Clemens Börsig zu lauschen oder den länglichen Ausführungen christlicher Aktionärsschützer über moralisch verwerfliche Renditeziele. Nervös fummelte er an seinem Blackberry herum, mehrmals verließ er das Podium.

Ob Eick den Abstecher nach Frankfurt auch für Verhandlungen mit seinen Banken genutzt hat? Die Zeit drängt. Bis zum 12. Juni müssen nicht nur Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro verlängert werden, Arcandor braucht auch zusätzliche Mittel, um die Warenlager aufzufüllen. Frisches Geld bekommt Eick nach seiner Darstellung nur, wenn er eine Staatsgarantie vorlegen kann. „Es gibt keine Alternative“, sagt Eick. Ohne Bundesbürgschaft müsse er den Gang zum Insolvenzrichter antreten.

Kreditgebende Banken hoffen auf Staatsbürgschaft

Trotz anderslautender Stimmen aus der Politik in Berlin glauben in Frankfurt die meisten Beteiligten, dass Arcandor die staatliche Unterstützung doch noch erhalten wird. Ihr Hauptargument: Nur wenige Monate vor der Bundestagswahl geht es um immerhin 53.000 Arbeitsplätze. Ein Konkurs sei deshalb nur schwer vorstellbar. „Dass die Gespräche mit dem Bund weiterlaufen, ist ein gutes Zeichen“, heißt es im Umfeld der kreditgebenden Banken.

Bei Arcandor engagiert sind vor allem die Commerzbank, die BayernLB und die Royal Bank of Scotland. „Eine Staatsbürgschaft wäre das entscheidende Argument, um die Kreditlinien zu verlängern“, heißt es im Umfeld des Konsortiums. Sollte der Handels- und Touristikkonzern in die Insolvenz gehen, müssten die Banken den Wert ihrer Kredite drastisch abschreiben. Das würde die Bilanz der Institute belasten. Da alle drei infolge der Finanzkrise bereits angeschlagen sind, können sie sich das kaum leisten. Dennoch beharren sie darauf, dass auch die weiteren beteiligten Institute einen „signifikanten Beitrag“ leisten.

Sal. Oppenheim doppelt betroffen

Das betrifft zunächst die Eigentümer der Privatbank Sal. Oppenheim. Das Köln-Luxemburger Institut hat im vergangenen Herbst über eine Kapitalerhöhung knapp 30 Prozent an Arcandor übernommen und diese anschließend in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. Die Oppenheim-Gesellschafter, vor allem Angehörige der wohlhabenden Familien v. Oppenheim und Ullmann, sollen bereit sein, über eine Kapitalerhöhung noch einmal bis zu 100 Millionen Euro nachzuschießen.

Zu Oppenheim gibt es noch eine zweite Verbindung. Gemeinsam mit dem Immobilienentwickler Josef Esch aufgelegte Fonds besitzen fünf Karstadt-Warenhäuser. In die Fonds hat auch Thomas Middelhoff investiert, der ehemalige Vorstandschef von Arcandor. Um „auch nur den Ansatz des Verdachts einer Interessenverquickung“ zu beseitigen, lässt Arcandor nach Informationen der WirtschaftsWoche nun seine Verbindung zu den Fonds von einer unabhängigen Anwaltskanzlei überprüfen.

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