WAZ-Gruppe Kluger Kniff aus Essen

Noch halten die Eigentümer des Essener Medienhauses familienfremde Eigentümer draußen. Axel Springer bot kürzlich 1,4 Milliarden Euro für die WAZ. Eine clevere Vertragsklausel könnte den Weg frei machen für den Besitzerwechsel.

Der Schriftzug der Quelle: dapd

Gute Freunde, so viel ist sicher, werden Günther Grotkamp und Mathias Döpfner in diesem Leben wohl nicht mehr. Grotkamp, 84, ist ein Medienmanager der alten Schule und zusammen mit seiner Frau Petra einer von vier Eigentümern der Essener WAZ-Mediengruppe. Er wundert sich schon länger über das forsche Treiben des Musikwissenschaftlers Döpfner an der Spitze des „Bild“- und „Welt“-Konzerns Axel Springer.

Die jüngste Aktion des 36 Jahre Jüngeren dürfte Grotkamp besonders irritiert haben. Döpfner grätschte Grotkamp Ende September in laufende Kaufverhandlungen hinein. Denn die Grotkamps, denen bereits 16,7 Prozent der WAZ gehören, wollen gerade für 470 Millionen Euro der Miteigentümerfamilie Brost deren 50 Prozent abkaufen. Döpfner dagegen bot 1,4 Milliarden Euro für den ganzen Konzern, zumindest auf den ersten Blick deutlich mehr.

"Der Deal wird nicht fliegen"

Doch der flotte Vorstoß von der Spree fällt ins Wasser. Denn in seltener Eintracht schmetterten Grotkamp und Klaus Schubries, dessen Familie 16,7 Prozent der WAZ gehören, die ungebetene Offerte postwendend ab. Springer könne gar nicht einsteigen, die Gesellschafterverträge stünden dem entgegen. „Dieser Deal“, sagt ein Vertrauter, „wird nicht fliegen.“

Zudem beabsichtigen Grotkamps nach Informationen der WirtschaftsWoche nicht, den angebotenen Kaufpreis noch einmal aufzustocken. „Die Gespräche sind weiterhin im Plan“, heißt es im Umfeld der Familie. Zum Erfolg der Übernahme, wie sie vorgesehen ist, soll nun offenbar eine besondere Klausel im Kaufvertrag beitragen, die die Verkäufer an einem möglichen Gewinn aus zukünftigen Unternehmensverkäufen beteiligen würde. Sollte es Döpfners Kalkül gewesen sein, den Konkurrenten zu einem höheren Verkaufspreis und damit zu größeren Geldabflüssen zu zwingen, so geht der Plan wohl nicht auf.

Wert der WAZ

Stattdessen offenbart die Einheitsfront im Pott eine völlig neue Perspektive auf die künftige Gestalt des Medienhauses. Mit 1,2 Milliarden Euro Umsatz gehört der Konzern nicht nur in Deutschland zu den Großen der Branchen und beherrscht mit „WAZ“, „Neue Ruhr-Zeitung“, „Westfalenpost“ und „Westfälischer Rundschau“ sowie Anzeigenblättern das Ruhrgebiet. Diverse TV-Magazine („Gong“) sowie Frauenzeitschriften und zahlreiche Auslandsbeteiligungen machen die Gruppe auch außerhalb des Reviers zur Hausnummer.

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