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Wechsel in der Führungsebene Deutsche Bank vor Umbau

Der Geschäftsbereich Vermögensverwaltung bereitet der Deutschen Bank Sorgen. Nach Verlusten im ersten Quartal soll umstrukturiert werden. Aber das ist nicht der einzige Bereich, in dem sich Wechsel im Management abzeichnen.

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Bauarbeiten an der Zentrale Quelle: AP

Der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank droht einem Zeitungsbericht zufolge nach dem Gezerre um die Führung der Fondstochter DWS ein weiterer Umbau. „Es besteht mittlerweile eine Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit und bei den Aktionären, dass hier etwas geschieht“, zitiert das „Handelsblatt“ heute aus Bankkreisen. Gerade die Probleme in der Vermögensverwaltung forderten eine Veränderung. Mittelfristig könne dabei auch die Position Kevin Parkers als Chef der Einheit zur Disposition stehen. Sein Vertrag läuft innerhalb der nächsten zwölf Monate aus. Seine Beliebtheit bei Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, so heißt es, sei gesunken.

Die DWS-Mutter Deutsche Bank war im Auftaktquartal mit einem Gewinn von 1,3 Milliarden Euro wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Allerdings enttäuschten die als „stabil“ gepriesenen Bereiche Privatkunden und Vermögensverwaltung. So verbuchte das Teilsegment „Asset and Wealth Management“, das Vermögensverwaltung und die Betreuung Wohlhabender (Private Wealth Management, PWM) bündelt, 173 Millionen Euro Verlust – nach einem Gewinn im Vorjahreszeitraum von 188 Millionen Euro.

Diskussion um Teilung, Zusammenschluss, Neuordnung

In der Bank werde derzeit eine Neuaufstellung der Bereiche diskutiert, schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen Deutsch-Banker. So werde seit Monaten überlegt, das Private Wealth Management auf das klassische Privatkundengeschäft (PBC) und die Vermögensverwaltung aufzuteilen. Hintergrund seien Überschneidungen. Alternative sei ein Modell, in dem das Asset-Management auf die Sparten PBC und PWM auseinanderdividiert werde. „Hier gibt es Diskussionen, aber noch keine Entscheidungen“, sagte der Insider dem Blatt. Die Deutsche Bank erklärte auf Anfrage des „Handelsblatts“ hingegen, es gebe keine Überlegungen, einen der drei genannten Teilbereiche aufzulösen oder zu filettieren. Erst kürzlich hatte das Institut zudem dementiert, das Segment PWM dem Ressort PBC zuschlagen zu wollen. Diese Aussage habe weiter Bestand, sagte ein Sprecher.

Fondstochter mit neuen Managern

In den vergangenen Wochen hatten sich bereits Änderungen im Management der DWS angekündigt. Demnach rücken die Spitzenmanager Ingo Gefeke und Axel Schwarzer in die Geschäftsführung der Fondsgesellschaft auf. Gefeke soll neuer Europachef werden. Klaus Kaldemorgen bleibt Sprecher der Geschäftsführung, die nun aus insgesamt acht Geschäftsführern besteht.

Die DWS hatte sich kürzlich überraschend von ihrem Europachef Stephan Kunze getrennt. Er war in der bestehenden Geschäftsführung seit Mitte 2007 für den Vertrieb verantwortlich, sein Vertrag wäre noch bis Herbst gelaufen. Grund für seinen Rückzug waren nach Einschätzung von Branchenexperten verschiedene Vorstellungen über den weiteren strategischen Kurs bei der DWS. Kunze galt als Verfechter einer unabhängigen DWS und war mit seinen Vorstellungen offenbar bei dem für das gesamte Vermögensverwaltungsgeschäft der Deutschen Bank - zu dem die DWS gehört - verantwortlichen Kevin Parker nicht auf Zustimmung gestoßen. Dieser gilt vor allem als Verfechter von schnellen Erträgen.

Die DWS ist zwar eigenen Angaben zufolge profitabel, im 2008 hatten ihr aber besonders hohe Mittelabflüsse zu schaffen gemacht. Ende April hatte der DWS-Aufsichtsrat teilweise gewechselt, unter den Neuen sind zwei Risikoexperten.

An Börsigs Stuhl wird gesägt

Auch Aufsichtsratsratschef Clemens Börsig steht vor der für morgen angebraumten Hauptversammlung der Aktionäre im Fokus: Nach seinem Machtkampf um den Vorstandsvorsitz mit Josef Ackermann, der mit dessen Vertragsverlängerung endete, fordern Aktionäre Börigs Abberufung. So spricht Klaus Nieding, Aktionärsvertreter der Deutschen Schutzvereinigung für wertpapierbesitz (DSW), mit Blick auf Börsig von offensichtlichem Dilletantismus. Ebenso wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) will Nieding den Rücktritt Börsigs fordern. Gerüchten zufolge soll es innerhalb der Deutschen Bank eine Fraktion in der Führungsebene geben, die an der Demontage des Aufsichtsratschefs arbeitet. Das Verhältnis zu Vorstandschef Ackermann gilt als nachhaltig gestört, eine Zusammenarbeit sei auf Dauer nicht mehr möglich.

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