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Weltbild-Chef Halff "Das ist doch eine Traumwelt"

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An dem waren Sie und die anderen Buchketten doch mit schuld, indem Sie immer neue Filialen eröffnet haben.

Sicher ist der auch der Entwicklung der vergangenen drei bis fünf Jahre geschuldet. Einzelne Marktteilnehmer haben über die Möglichkeiten des Marktes hinaus investiert. Fakt ist aber, dass das Buch wie jedes andere Produkt an 1a-Standorten bestimmte Quadratmeterumsätze braucht. Die sind aber an vielen Standorten nicht erzielbar. Allein die Laufzeit vieler Mietverträge verhindert derzeit ein Einklappen dieser Läden, das wird aber mittelfristig kommen.

Es werden also Geschäfte verschwinden – und was passiert mit der klassischen inhabergeführten Buchhandlung?

Moment – es gibt Standorte, an denen würden wir sogar gern weitere Läden eröffnen, wenn uns das passende Angebot begegnet, in Frankfurt etwa oder Stuttgart. Unterm Strich rechne ich aber auch für uns mit rückläufigen Quadratmeterzahlen. Klassische Buchhandlungen mit allgemeinem Sortiment mittlerer Größe in mittlerer Lage tun sich durch die Konkurrenz des Internets und die vielen neuen Einkaufscenter schwer. Die Frequenz in den Innenstädten konzentriert sich immer mehr auf kleine Abschnitte. Da reicht es schon, 50 Meter daneben zu liegen und man sitzt im toten Winkel.

Und da, wo es sich lohnt, sitzt ein Filialist, der nur noch auf Bestseller setzt – dem klassischen Feuilleton gelten Sie genau wie Ihre Konkurrenten Thalia und Mayersche als die Totengräber der Buchkultur.

Das ist doch eine Traumwelt. Wer anders als die Thalias, Hugendubels und die Mayersche haben denn das Buch in die Fußgängerzone gebracht? Buchhandel war früher: B-Lage, viel Personal. Buchhandel heute ist: A-Lage, wenig Personal. Wir brauchen für unsere Weltbildläden zwischen vier und fünf Angestellte – im normalen Buchladen sind es doppelt so viele. Weltbild ist Boulevard. Die Feuilletons aber wollen uns noch immer zu Kulturmissionaren machen. Wir lesen alle gern. Aber wir sind auch Kaufleute, die Quadratmeter müssen sich rechnen.

Tun sie das denn?

Ja, wir haben eine tragfähige Antwort auf die sich verändernde Landschaft gefunden. Der Buchmarkt ist allen Unkenrufen zum Trotz stabil, er wächst sogar leicht. Unser Geschäftsjahr ist gerade zwei Monate alt und wir haben in allen Feldern echtes flächenbereinigtes Wachstum. Aktuell liegen wir über unseren Erwartungen – vor einigen Monaten habe ich ein „kleines Wachstum“ prognostiziert, im Moment würde ich das „klein“ weglassen.

Wird damit der 2009 wegen der Krise abgeblasene Verkauf der Verlagsgruppe Weltbild wieder akut?

Ich bin Sprecher des Unternehmens und nicht der Gesellschafter. Diesen steht das Recht zu, an jedem Tag des Jahres über ihre Anteile zu befinden. Seit dem Gesellschafterbeschluss vom April 2009, die Verlagsgruppe nicht zu verkaufen, hat sich jedoch nichts verändert.

Sie sind doch sicher im Gespräch mit Karstadt-Investor Nicolas Berggruen, in dessen Häusern Sie 25 Buchshops betreiben?

Ich habe persönlich noch nicht mit Herrn Berggruen gesprochen. Aber in Karstadt steckt enormes Potenzial. Schon vor der Berggruen-Lösung hatten unsere Shops dort spürbares flächenbereinigtes Wachstum; seither haben wir sogar Zuwachsraten zwischen 10 und 25 Prozent. Viele Kunden waren wohl durch die Insolvenz verunsichert – nun erleben wir einen positiven „Berggruen-Effekt“.

Wenn Berggruen Karstadt gerettet hat, kann er ja Weltbild kaufen?

Ich wäre jedenfalls neugierig, ihn kennenzulernen, er soll ja ein hochinteressanter Mann sein. 

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