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Weltweite Rangliste Diese Firmen sind die größten Aufsteiger unter den Innovationsführern

Sonys Elektroauto Vision-S Quelle: dpa

Die Rangliste der innovativsten Unternehmen der Welt, erstellt von der Boston Consulting Group, wird dominiert von den üblichen Verdächtigen aus dem Silicon Valley. Spannender ist da ein Blick auf die größten Aufsteiger.

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Was ist innovativ? Im ursprünglichen Sinne: neue Ideen, kleine und große Erfindungen. Schlicht: Kreativität. Oder Überraschungen, wie die Anfang Januar: Der japanische Elektronikkonzern Sony präsentierte auf der Technikmesse CES in Las Vegas den Prototypen eines Elektroautos – zum Erstaunen der Fachwelt. Der silberfarbene Sportwagen namens Vision-S war der materialisierte Höhepunkt einer technischen Entwicklung, die das Unternehmen seit Jahren durchlief. In den Neunzigerjahren stand Sony für Elektronik für zuhause und unterwegs: für die Stereoanlage und den Walkman, später für den Discman und die Playstation. Heute entwickelt Sony auch Sensoren, unter anderem für die Autoindustrie.

Damit steht Sony exemplarisch für eine neue Dimension von Innovation, zumindest wenn es nach dem Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) geht. Die BCG erstellt seit 2005 jedes Jahr eine Liste der 50 weltweit innovativsten Unternehmen – und erweiterte die Methode in der neuesten Rangliste erstmals um die Kategorie „Industry disruption“. Johann Harnoss, BCG-Innovationsexperte in Berlin und Mitautor der Studie, erklärt: „Hier bewerten wir die Fähigkeit von Firmen, über Industrien und Märkte hinweg innovativ und erfolgreich zu sein.“ Neben dem Beispiel Sony ist in diesem Zusammenhang auch Online-Riese Amazon zu nennen: Stand der US-Händler lange Zeit vor allem für Innovationen im Onlinehandel, kündigte er vor wenigen Jahren an, auch im Versicherungsgeschäft angreifen zu wollen.

Seit BCG 2005 die erste Liste erstellt hat, haben es nur 20 Unternehmen geschafft, sich mehr als zehnmal in dieser Liste zu platzieren. Darunter sind natürlich die üblichen Verdächtige aus den USA (Alphabet, Apple, Amazon, Microsoft, Facebook, IBM) und aus Südkorea (Samsung), aber auch mit BMW, Siemens und Daimler drei deutsche Firmen. Wenig überraschend, finden sich die genannten US- und Südkorea-Giganten auch in diesem Jahr unter den ersten zehn der innovativsten Unternehmen, während BMW und Daimler in diesem Jahr gar nicht in der Liste vertreten sind: Angeführt wird die Rangliste von Apple, gefolgt von Alphabet, Amazon, Microsoft und Samsung.

Drei Neue in den Top10

Überraschender und interessanter sind aber die Auf- und Neueinsteiger. Und hierbei ist die Leistung jener Unternehmen höher zu bewerten, die im vergangenen Jahr gar nicht in der Rangliste vertreten waren, als jene, die innerhalb der besten 50 große Sprünge hingelegt haben. Denn: „Die Top 50 sind die Champions League“, sagt BCG-Mann Harnoss. Bedeutet: Wer drin ist, ist sichtbarer als wer nicht drin ist. Dabei mag es verschmerzbar sein, innerhalb dieser Champions League ein paar Plätze abzurutschen.

Neu aufgerückt in die Top10 sind in diesem Jahr lediglich drei Firmen: Die chinesische Technologiefirma Huawei kletterte, trotz der Sicherheitsbedenken und der damit einhergehenden US-Sanktionen, um bemerkenswerte 42 Plätze nach vorne auf Rang sechs. Direkt dahinter platzierte sich die chinesische Handelsgruppe Alibaba (plus 16 Plätze) – und auf Rang neun steht erstmals das oben genannte Sony, das im vergangenen Jahr nicht unter die ersten 50 kam.

Für die diesjährige Rangliste recherchierten und analysierten die BCG-Leute vor Ausbruch der Corona-Pandemie: mehr als 1.200 Unternehmen weltweit aus 19 Industriezweigen untersuchten, und mehr als 2.500 Manager befragten die Berater. Nach den USA stellt Deutschland mit sechs Unternehmen das Land mit den zweitmeisten Innovationstreibern. Neben dem innovativsten deutschen Unternehmen Siemens (auf Rang 21) sind SAP, Adidas, VW, Bosch und Bayer vertreten. Für BCG ist dabei entscheidend, wie diversifiziert die Unternehmen in ihren Innovationsbemühungen sind. Der Leitsatz lautet: Je diversifizierter, desto größer der Unternehmenswert. Die drei am stärksten diversifizierten deutschen Vertreter hat BCG in Siemens, SAP und Bayer ausgemacht.

Größe und Budget beeinflussen die Innovationskraft entscheidend

Welche Faktoren die Platzierungen beeinflussen? BCG-Experte Harnoss erklärt: „Der erste Punkt ist so einfach, wie grundlegend: Wie stark gewichtet der Vorstandschef das Thema Innovation?“ Und daran anknüpfend: Schaffen es die Unternehmensbosse auch, die Innovationsprojekte nicht nur mit entsprechenden finanziellen Ressourcen, sondern auch mit den allerbesten Talenten auszustatten? Spätestens hier, befindet Harnoss, erkenne man die die, die es ernst meinen. Aber der Wille allein reicht natürlich nicht: Laut BCG stehen Unternehmensgröße und das verfügbare Budget in unmittelbaren Zusammenhang zur Innovationskraft: Die nun ermittelten globalen Innovationsführer geben im Schnitt 40 Prozent mehr Geld aus für Investitionen in Forschung und Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, als der Durchschnitt aller untersuchten Unternehmen.

„Zweiter Punkt ist die Art der Innovation“, erläutert Harnoss: „Wir unterscheiden zwischen Produkt- oder Serviceinnovation, der Prozessinnovation, die häufig mit Digitalisierung gleichgesetzt wird. Und schließlich: die Businessmodell-Innovation. Das ist die anspruchsvollste Art der Innovation – und demzufolge auch am seltensten anzutreffen.“ Bestes Beispiel hierfür sei der App-Store, mit dessen Einführung Apple 2008 eine neue Art von Vertriebsmodell etablierte. Oder aber neue Trends, die oftmals Startups ausprobieren, und die später dann von Großunternehmen übernommen werden – wie etwa das Rasierklingen-Abo-Startup „Dollar shave Club“ aus Kalifornien, das der Konsumgüterriese Unilever 2016 für rund eine Milliarde Dollar gekauft hat.



Auch wenn die Rangliste ohne Berücksichtigung von Corona erfolgte, hat BCG zusätzlich eine Berechnung angestellt, die das Virus aufgreift. So sind die Berater der Frage nachgegangen, ob die innovativsten 50 Firmen auch erfolgreicher sind als der Rest. Für einen Vergleichszeitraum von Mitte Februar bis Mitte August 2020 verglichen die Berater die Kursentwicklung der Top50-Firmen mit dem MSCI-World-Index. Ergebnis: die gesamte Aktienrendite der 50 innovativsten Unternehmen lag um rund 6 Prozentpunkte höher.

Die zehn größten Aufsteiger der innovativsten Unternehmen der Welt 2020:
Rang 6: Huawei (plus 42)
Der Technologie- und Telekommunikationsgigant aus dem chinesischen Shenzhen (Umsatz: 109 Milliarden Euro) konnte trotz der harten US-Sanktionen 42 Plätze in der Rangliste nach oben springen. Huawei ist einer der größten Smartphone-Hersteller der Welt, zudem baut der Konzern Prozessoren und Modem-Chips.

Rang 7: Alibaba (plus 16)
Die Handelsplattform aus der chinesischen 9-Millionen-Metropole Hangzhou, 1999 von Jack Ma gegründet, verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um 16 Plätze. Alibaba ist eines der größten IT-Unternehmen Chinas mit einem Jahresumsatz von zuletzt gemessenen 60 Milliarden Euro.

Rang 9: Sony (neu)
Der japanische Elektronikgigant aus Tokio (Umsatz: rund 70 Milliarden Euro) ist der höchste Neueinsteiger der innovativsten Unternehmen – und überraschte die Fachwelt zu Beginn des Jahres mit dem Prototypen eines Elektroautos.

Rang 13: Walmart (plus 29)
Der US-Lebensmittelhändler mit Sitz in der Kleinstadt Bentonville (Arkansas) führt die aktuelle „Fortune“-Liste der weltgrößten Unternehmen an, mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 439 Milliarden Euro. In der BCG-Tabelle kletterte Walmart um 29 Plätze nach oben. Im Kampf mit Konkurrent Amazon fiel der US-Händler in jüngerer Vergangenheit auf durch Übernahmen von IT-Firmen wie etwa Aspectiva (aus Israel) und Polymorph Labs (aus San Francisco) in seinen hauseigenen Start-up-Inkubator „Store No. 8“. Zwischenzeitlich meldete Walmart mehr Patente für Lieferdrohnen an als Amazon und kooperiert mit Google bei der sprachgesteuerten Bestellung.


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Rang 14: Tencent (neu)
Ebenfalls neu eingestiegen in die Innovations-Rangliste ist das chinesische Internetunternehmen Tencent (Umsatz: 46 Milliarden Euro), das seinen Unternehmenssitz wie Huawei in Shenzhen untergebracht hat. Zum Konzern gehören unter anderem die in China sehr populäre Allzweck-Anwendung Wechat, das Online-Bezahlverfahren Tenpay sowie eine Suchmaschine und zahlreiche Spiele.

Rang 15: HP (plus 29)
Das IT-Unternehmen aus San José, der Inbegriff des US-amerikanischen Startups, verbesserte sich um 29 Plätze. Im vergangenen Jahr setzte Hewlett Packard umgerechnet 49 Milliarden Euro um.

Rang 16: Nike (neu)
Der weltgrößte Sportartikelhersteller mit Sitz in Beaverton nahe Portland (Oregon) ist der dritthöchste Neueinsteiger in der Liste der innovativsten Unternehmen. Nike setzte vergangenes Jahr rund 33 Milliarden Euro um – und investierte in Technologie. In mittlerweile drei Städten (New York, Shanghai und zuletzt Paris) eröffnete Nike zudem ein sogenanntes House of innovation mit allerlei technischen Spielereien wie Scans, Passformempfehlungen und virtuellen Parcours.

Rang 19: Intel (neu)
Der Halbleiterhersteller aus dem Silicon Valley (Umsatz: 60 Milliarden Euro) ist ebenfalls neu vertreten unter den innovativsten Unternehmen. Intel baut neben Prozessoren für Rechenzentren auch Chips, die für Fahrassistenzsysteme verwendet werden.

Rang 20: Dell (plus 21)
Der Computerbauer aus Texas (Umsatz: 76 Milliarden Euro) setzt viel Energie (und auch Hoffnung) in das Geschäft mit Datenwolken, wozu auch eine Reihe von Übernahmen gehören. In der BCG-Tabelle der weltinnovativsten Firmen stieg Dell um 21 Plätze nach oben.

Rang 22: Target (neu)
Target mit Sitz in Minneapolis ist einer der größten Lebensmittelhändler der USA – aber mit umgerechnet 63 Milliarden Euro Umsatz nur etwa ein Siebtel so groß wie Marktführer Walmart. Im Innovationsranking ist Target in diesem Jahr neu vertreten – nicht ohne Grund: 2017 übernahm der Konzern für rund 460 Millionen Euro den Lieferdienst Shipt, seitdem bietet er seinen Kunden landesweit eine Belieferung am selben Tag für seine mehr als 1500 Filialen.

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