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Wenn's um Geld geht... Sparkassen bieten trügerische Sicherheit

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Das Gebäude der Deutschen Quelle: dpa/dpaweb

Fristentransformation ist eine Grundaufgabe jeder Bank, aber deshalb nicht frei von Risiken. Steigen die Leitzinsen, fallen die Gewinne oder werden zu Verlusten. Denn die Geldinstitute müssen ihren Kunden für die Einlagen höhere Zinsen zahlen, bekommen von ihren Kreditkunden aber weiter den festgelegten Satz überwiesen. Wenn zu viele Kunden ihre Einlagen abziehen, trocknet die Bank aus. Die einlagenstarken Sparkassen und Volksbanken gelten als besonders gefährdet. Bei den hessisch-thüringischen Sparkassen waren zuletzt rund 50 Prozent der Einlagen Tagesgeld – mehr als je zuvor.

Die Bundesbank hat bereits vor den Gefahren des Phänomens gewarnt. "Wir schauen uns das genau an", heißt es in hochrangigen Aufsichtskreisen, die beobachten, dass manche Institute in allen Sektoren einen "heißen Reifen" fahren. Die Sparkassenverbände teilen mit, dass sie ihre Mitglieder daraufhin kontrollieren und die Lage im Griff haben. Laut DSGV beruhten zuletzt 13 Prozent des Zinsüberschusses auf der Transformation von Fristen – das wären rund 2,5 Milliarden Euro. Einige Branchenkenner halten den Wert für zu niedrig angesetzt.

Verluste sind intransparent

Für zusätzliche Unsicherheit sorgen Bilanzierungsfragen. Die Sparkassen halten, anders als Großbanken, nur einen geringen Teil ihrer Wertpapiere im Handelsbuch, wo sie nach aktuellen Marktpreisen zu bewerten sind. Den Großteil der Anleihen behalten sie bis zur Endfälligkeit, sodass zunächst keine Wertminderungen auszuweisen sind, etwa bei Kursverlusten von Papieren hoch verschuldeter EU-Staaten. "Mögliche Verluste sind deshalb weniger transparent und zeigen sich oft erst nach Jahren", warnt ein Wirtschaftsprüfer aus Frankfurt. Immerhin: In sogenannte Subprime-Papiere, die 2007 am Anfang der Finanzkrise standen, hatten Sparkassen nur sehr begrenzt – im zweistelligen Millionenbereich – investiert.

Risiko Regulierung

Die Nachwehen der Finanzkrise machen auch vor den Sparkassen nicht halt, die sich zu Recht zugute halten, den Milliardencrash 2008 nicht verursacht zu haben. Die meisten neuen Vorschriften gelten auch für sie. Dabei sind die verschärften Kapitalanforderungen nach Basel III verkraftbar: "Wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts Grundlegendes ändert, ist das ohne allzu viel Aufwand zu schaffen", sagt der bayrische Sparkassenpräsident Theo Zellner. Mit einer Kapitalquote von im Durchschnitt knapp zehn Prozent erfüllen die meisten Sparkassen die Basel-Regeln bereits. Um sich für die neue Regulierungswelt zu wappnen, haben sie im vergangenen Jahr zudem den Rekordwert von 3,8 Milliarden Euro in ihre Vorsorgereserve eingezahlt.

Einige Detailregelungen haben es für die Sparkassen umso mehr in sich. So wird die Vergabe langlaufender Kredite teurer, einer Domäne der Sparkassen: Knapp 84 Prozent ihrer vergebenen Kredite sind bisher mittel- bis langfristig. Grund sind neue Liquiditätsregeln, die sicherstellen sollen, dass Banken künftig stets genügend flüssige Mittel haben, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen. DSGV-Chef Haasis fürchtet, dass sich angesichts teurerer Kredite angloamerikanisch geprägte Modelle stärker durchsetzen und Unternehmenskunden öfter am Kapitalmarkt orientierte Finanzierungen nutzen wie die Ausgabe von Anleihen nutzen. Dabei können ihnen die Sparkassen mangels Kompetenz kaum helfen.

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