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Wenn's um Geld geht... Sparkassen bieten trügerische Sicherheit

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Eine Brille liegt auf einer Zeitung, in der die Kurse der Bank Lehman Brothers verzeichnet sind Quelle: dpa

Sparkassen müssen Forderungen innerhalb eines Verbundes anders als sonst üblich nicht mit Eigenkapital unterlegen. Dahinter steht die Überlegung, dass sich dessen Mitglieder im Bedarfsfall gegenseitig stützen. Anders als private Banken zahlen die Sparkassen kaum in einen Fonds ein, sondern garantieren, wenn auch nicht rechtlich verbindlich, dass sie in Not geratenen Instituten beispringen. Zur Rettung einer Landesbank wären die Sparkassen jedoch nicht in der Lage. Selbst Präsident Haasis hat erklärt, dass die Hilfseinrichtungen nicht für derart große Schadensfälle geschaffen seien.

Wie schnell die Sicherungsnetze strapaziert sein können, zeigte sich 2010: Als die Nord-Ostsee Sparkasse in Flensburg, das größte Institut in Schleswig-Holstein, wegen fauler Kredite von mehr als 100 Millionen Euro in Not geriet, reichte der Stützungsfonds im Land nicht aus. Er war bereits 2009 durch die Sparkasse Südholstein stark in Anspruch genommen worden. Die war wegen Engagements bei Lehman Brothers, einer isländischen Bank und der HSH Nordbank in der Krise. In Flensburg musste nun der DSGV mit einspringen.

EU wollte Notfonds der Sparkassen

Die EU wollte mit dieser Institutssicherung eigentlich Schluss machen und die Sparkassen verpflichten, künftig Geld in einen Notfonds einzuzahlen. Elf Milliarden Euro hätte das nach Berechnungen des DSGV in den kommenden Jahren gekostet. Die Position des einzelnen Bankkunden hätte sich verschlechtert, weil sein Entschädigungsanspruch begrenzt würde. Nun hat Brüssel Entgegenkommen signalisiert, allerdings wohl nur aufgrund der Erkenntnis, dass hinter den Sparkassen letztlich die Bundesrepublik steht.

Was fehlt, ist eine grundsätzliche Lösung der vielfältigen Probleme. Für Aufsehen und Ärger hat eine "Streitschrift" aus dem House of Finance der Universität Frankfurt gesorgt – an der neben den Professoren Jan Pieter Krahnen und Helmut Siekmann auch die Ex-Landesbankchefs Günther Merl (Helaba) und Heinz Hilgert (WestLB) mitgeschrieben haben. Nicht nur weil es gleich in der Einleitung heißt, dass "Landesbanken und Sparkassen ein erhebliches Risiko für die öffentlichen Haushalte bergen", hat der DSGV das Papier als "ehrenrührig" zurückgewiesen. Nach Ansicht der Uni-Experten und Bankpraktiker sollten Sparkassen mit dem Kundengeschäft der Landesbanken zu Regionalinstituten fusionieren. Dienstleistungen der Landesbanken wie die Abwicklung des Zahlungsverkehrs würden in einer einzigen Sparkassenzentralbank angesiedelt, die übrigen Aktivitäten der Landesbanken abgewickelt. "Die Regionalinstitute wären kundenfokussiert, hätten eine klare Eigentümerschaft und eine ausgewogene Aktiv-Passiv-Struktur in den Bilanzen", erläutert Hochschullehrer Siekmann das Konzept.

Schicksalsgemeinschaft der Banken

Viele Banker halten zumindest Zusammenschlüsse zwischen Landesbanken und Sparkassen für letztlich unvermeidbar, weil sich Landesbanken allein über den Kapitalmarkt wohl kaum genug Mittel für ihr Geschäft sichern könnten. "Es besteht in vielfacher Hinsicht eine Schicksalsgemeinschaft zwischen Landesbanken und Sparkassen", sagt der ehemalige WestLB-Lenker Hilgert. "Und es ist sicher keine Lösung für die Zukunft der Landesbanken, wenn es das vorrangige Ziel ihrer Eigentümer ist, sich möglichst rasch aus ihnen zu verabschieden."

Politisch sind solche Zusammenschlüsse momentan kaum mehrheitsfähig. Doch selbst Gerhard Schick, Finanzexperte der Grünen und kein Sparkassengegner, beklagt, dass „die damalige Regierung während der Krise 2008 die Chance zu Fusionen von Sparkassen und Landesbanken verpasst hat.

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