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Werbebranche Rhythmus gegen Inkontinenz

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Kampagne gegen Inkontinenz

Damit war das Fundament gelegt, das eine komplette Kampagne tragen konnte – und die es nun, mit einem 15-köpfigen Studententeam, zu entwickeln galt. Der Anspruch: Werbung, die Wirklichkeit bedeutet. Die Idee zum Big Bang von „Können statt müssen“: Ein Auftritt von Sänger Herbert Grönemeyer bei der TV-Sendung „Wetten dass ...“, bei der die Fußballer des SV Ravensburg versuchen, fünf Kompositionen des Deutschrockers am Pinkelrhythmus ihrer Kickerkollegen wiederzuerkennen. Das Ziel: Das Medienecho von Bildzeitung bis zur TV-Sendung von Stefan Raab soll das Thema auf unverkrampfte Art einer breiten Öffentlichkeit bewusst machen.

Doch mit passivem Zuschauen allein ist es nicht getan: In einem zweiten Schritt folgt der Aufruf zum Mitmachen – auf Facebook und Twitter werden Fanseiten zum Thema ins Leben gerufen. Und auf der eigens eingerichteten Internetseite „inkontinenz-ist-heilbar.de“ kann jeder selbstgedrehte Videobeiträge von seinem persönlichen Rhythmus-Pinkel-Erlebnis einstellen und darüber abstimmen lassen. „Damit“, sagt Müllerleile, „wollten wir hohe Aufmerksamkeit für kleines Geld.“

Projekt nach Feierabend

900.000 Euro virtueller Etat steht dem Studententeam zur Verfügung, den die Studenten aber auch in klassische Werbung stecken: In einen TV-Spot, bei dem ein älterer Mann Wasser lässt – im Rhythmus eines AC/DC-Songs. Und in Printwerbung. Nach einer ausführlichen Zielgruppenanalyse platzieren sie Anzeigen in den Kundenzeitschriften der Drogeriekette dm, der Lufthansa und der Bahn.

Ideen, die unter erschwerten Bedingungen geboren wurden. Denn in der heißen Phase waren die Studenten in alle Winde verstreut – zum Arbeiten in ihren Stammagenturen zwischen München und Hamburg, Ruhrpott und Ravernsburg. Am Projekt arbeiteten die Studenten nach Feierabend, oft bis tief in die Nacht – über eine eigens eingerichteten Internetplattform, auf die jedes Teammitglied in Echtzeit zugreifen konnte.

Die Mühe hat sich gelohnt: „Mit eurer Kampagne habt ihr für ein ernstes Thema eine humorvolle und zugleich liebevolle Kommunikationslösung gefunden“, resumiert GWA-Jurymitglied Axel Kolaschnik, Prodekan der Hochschule Mannheim. „Das hat uns alle sehr beeindruckt.“

Der Rhythmus macht's: Übrigens nicht nur in den Augen der Jury, die das Ravensburger Team mit dem 1. Platz belohnte. Auch für alle anderen Teams waren die Konkurrenten vom Bodensee die besten – sie kürten den Auftritt mit dem Publikumspreis.

Und auch bei der betreuenden Agentur Schindler Parent war man zufrieden. „Die Studenten haben die richtige Mischung aus Leichtigkeit und fundierten Fakten, aus Schmunzeln und Ernsthaftigkeit gefunden“, sagt Kreativdirektor Schuchardt. „Eine Kampagne aus einem Guss, das haben wir von Studenten so noch nicht erlebt.“ Die logische Folge: „Mit einigen Talenten gibt es schon Gespräche.“

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