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WestLB Härtetest für die Sparkassen

Die WestLB ist der größte Problemfall der größten deutschen Finanzgruppe. Eine Beteiligung der Sparkassen ist unvermeidlich, auch wenn die Details heftig umstritten sind.

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Landesbank unter Druck: Die Quelle: dpa

Die WestLB ist der größte Belastungstest in der jüngeren Geschichte der deutschen Sparkassen. Die Aufspaltung der maroden Landesbank scheint wenige Tage vor Ablauf der von der EU festgelegten Frist beschlossen. Von der einst größten Landesbank bliebe demnach nicht viel mehr als eine sogenannte Verbundbank übrig, die sich im Wesentlichen auf Dienstleistungen für Sparkassen beschränkt. Ein solch radikaler Schnitt ist offenbar der einzige noch gangbare Weg, der auch vor EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia Gnade finden könnte.  

Auch wenn der Schritt im Grundsatz klar scheint, wird über Details heftig gestritten. Zwar dementiert der Sparkassenverband DSGV, dass er seine Mitglieder aufgefordert hat, eine Beteiligung an der Verbundbank zu prüfen. Und Präsident Heinrich Haasis sieht zunächst die Eigentümer der WestLB, dann die anderen Landesbanken und zuletzt die Sparkassen in der Pflicht. Allerdings hat die Zentralorganisation ihre Mitglieder bereits auf Opfer eingeschworen. Und Sparkassenmanager bestätigen, dass derzeit in mehreren Verbänden eine genaue Prüfung der Verbundbank abläuft – eine Art Due Diligence, die zeigen soll, welche Folgen eine Beteiligung hätte.

"Das kann man nicht einfach so herauslösen"

Dass diese nötig ist, um den Kapitalbedarf des Instituts zu decken, bezweifelt kaum jemand im Sparkassenlager. Es sind jedoch noch weitere vertragliche Details offen. So gibt es etwa die Forderung, dass sich die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen vertraglich verpflichten sollen, Geschäfte nur noch mit der Verbundbank zu machen. Zudem ist die Abspaltung in der WestLB schon technisch schwierig. „Das kann man nicht einfach so herauslösen“, sagt ein Insider.

Die Zeit drängt. Bis zum 15. Februar muss das Sanierungskonzept vorliegen, das auch ein tragfähiges Geschäftsmodell für die neue Bank enthält. Der Zeitrahmen ist kaum zu schaffen. „Bis dahin werden die Prüfungen zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen sein“, heißt es in einem Verband. Ob alle Regionalverbände mitmachen ist ohnehin fraglich. Zumal die Sparkassen von den Landesbanken auch Anteile an der Dekabank übernehmen sollen. Beides auf einmal könnte einige überfordern.

Dennoch sind Sparkassenvertreter optimistisch, dass sie ein auch für die EU akzeptables Paket schnüren können. „Almunia wird nicht einfach den Stecker ziehen“, lautet die verbreitete Hoffnung. Schließlich habe der gefürchtete EU-Kommissar zuletzt auch öffentlich signalisiert, dass er zwar ein insgesamt überzeugendes Konzept, aber keine bis ins allerletzte Detail konkretisierte Lösung erwarte.

Mit der Düsseldorfer Landesbank steht für die gesamte Gruppe viel auf dem Spiel. „Die West LB ist mit Abstand unser größter Problemfall“, sagt ein hochrangiger Sparkassenmanager. Es drohen Lasten in Milliardenhöhe, die auch das sorgsam gepflegte Image des bodenständigen Krisenprofiteurs gefährden.

Die anderen Krisenbanken sieht man in der S-Gruppe wesentlich entspannter: Die BayernLB gehört mittlerweile fast ausschließlich dem Freistaat. Der LBBW traut das Sparkassenlager die Gesundung aus eigener Kraft zu – wie auch Kommissar Almunia, der deren Beihilfen bereits genehmigt hat. Und bei der HSH Nordbank hoffen die Eigentümer auf den Einstieg einer chinesischen Bank – anders als bei der WestLB dürfte das nicht ganz abwegig sein.

Unverschuldet ist die missliche Lagre nicht. Die Sparkassen holen nun die Sünden der Vergangenheit ein. In den Verwaltungsräten der Landesbanken saßen Sparkassenmanager, die dort eigentlich die Fachkompetenz repräsentieren sollten. In Nordrhein-Westfalen mehr als anderswo. 

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