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Windenergie Welche Anlagenbauer das Milliardengeschäft machen

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Nordex Quelle: Laif

Ob das stimmt, wird sich im Kampf um die Aufträge bei der dritten Offshore-Ausbauphase vor den britischen Küste zeigen. Hier muss Siemens gegen den dänischen Konkurrenten Vestas antreten, die Nummer zwei im Offshore-Markt. Zur Ausschreibung stehen Windparks mit einer Gesamtleistung von 32 Gigawatt, das entspricht grob gerechnet mehr als zwei Dutzend modernen Atomkraftwerken. Bis zum Jahr 2020 sollen die Parks ein Viertel des britischen Strombedarfs decken. Siemens sieht Potenzial für 30 bis 50 Prozent seiner Maschinen. Allerdings präsentierte Vestas in der vergangenen Woche Details zu einer neuen Mega-Mühle, der V164, die sieben Megawatt leisten soll. „Unsere neue Windenergieanlage ist die nahe liegende und ideale Wahl vieler Round- 3-Projekte in Großbritannien“, wirbt Anders Søe-Jensen, Chef von Vestas Offshore, unverhohlen. Mit der Serienproduktion rechnet Vetas allerdings frühestens 2015 – ein Jahr später als Konkurrent Siemens.

Zum Rauswerfer für so manchen Wettbewerber könnte der Gigantismus werden, der sich bei den künftigen Anlagen auf hoher See abzeichnet. Experten des EU-Projekts Upwind halten es für möglich, dass bis 2020 dort sogar 20-Megawatt-Anlagen in Betrieb gehen. Eine solche Windmühle besäße Rotoren mit einem Durchmesser von 200 Metern. Ein Exemplar würde ausreichen, den jährlichen Strombedarf von rund 18.000 Privathaushalten zu decken.

Masse statt Klasse

Von solchen Größenordnungen ist Nordex weit entfernt. Selbst herkömmliche Offshore-Räder sind bei dem ebenfalls in Hamburg ansässigen, im TecDax notierten Windkraftanlagenbauer noch in der Entwicklung. Erst 2014 werde das Unternehmen in den Offshore-Markt einsteigen, kündigte Nordex-Chef Thomas Richterich an. Dann könne mit der Serienproduktion einer Sechs-Megawatt-Anlage begonnen werden, die in dieser Woche auf der Hannover Messe vorgestellt wurde.

Nordex hatte sich lange um den Einstieg ins Offshore-Geschäft gedrückt. Zu groß war die Angst vor teuren Fehlschlägen. An dieser Skepsis scheint sich wenig geändert zu haben. Vorstandschef Richterich hält die Riesenparks vor der Küste keineswegs für Selbstläufer: „Offshore ist an vielen Ecken noch ein Abenteuer.“ Trotzdem dürfte Nordex nicht um die Beteiligung an Großprojekten herumkommen, allein um die Marktposition in Europa zu stärken.

Gleichzeitig werden die Norddeutschen allerdings weiter das Festland mit ihren Rädern bestücken. „Unsere Turbinen sind besonders effizient für Schwachwind-Regionen wie Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern“, meint ein Nordex-Manager. Damit nehmen die Hamburger wie viele ihrer Konkurrenten den deutschen Südwesten ins Visier, wo nach dem politischen Machtwechsel in Stuttgart bald ein frischer Wind wehen dürfte. 20 Jahre lange hatte die Landesregierung Windstrom als lästiges Übel angesehen und die Atomkraft favorisiert. Dadurch wurde Baden-Württemberg bei der Windenergienutzung zur Diaspora, sprich: zum Schlusslicht unter den Flächenländern. Lediglich 15 Megawatt Leistung wurden 2010 zugebaut – ganze acht Windmühlen.

Windpioniere wie der deutsche Marktführer Enercon aus Aurich, der bisher einen Bogen um Offshore-Räder machte, setzen deshalb auf ein erweitertes Angebot und besseren Service ausschließlich auf dem Festland. Gleiches gilt für den mittelständischen Hersteller Fuhrländer aus dem Westerwald, der sich ebenfalls nur auf Onshore-Anlagen konzentriert.

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