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WPP-Chef Sorrell "Wir sind Freund und Gegner"

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Welchen Stellenwert hat das mobile Internet in den Schwellenländern?

In China, Indien und Brasilien haben die traditionellen Medien noch eine starke Position, man kann sie nicht ignorieren. Aber viele Verbraucher gehen mobil und nicht über den PC ins Internet. 700 Millionen Chinesen haben ein Handy, jeden Monat kommen acht Millionen neue Handynutzer hinzu. Die Firma China Mobile allein hat 500 Millionen Kunden, das sind deutlich mehr als die gesamte Bevölkerung der Vereinigten Staaten!

Was glauben Sie, bringen der Kurznachrichtendienst Twitter und die sozialen Netzwerke MySpace und Facebook langfristig für die Werbung?

Warten wir es ab. Sie sind jetzt sehr stark in Mode, aber das kann sich schnell wieder ändern. Es könnte sein, dass die enormen Wachstumsraten, die wir hier gesehen haben, wieder abflachen werden. Vor drei bis vier Jahren sprach jeder über Second Life. Das war die große Sache – aber jetzt erscheint diese Zweite Welt eigentlich nur noch obskur.

Also alles nur Übertreibung?

Die einzig wirklich wichtige Konstante ist Google. Google ist heute fitter als vor sechs Monaten und ist jetzt mehr auf das Wesentliche konzentriert. Wir haben ein ambivalentes Verhältnis zu Google. Wir sind Freund und Gegner, friends and enemies, wie wir auf Englisch sagen, oder ein„ „Frenemy“, wie ich sage. Wir sind einerseits der größte Kunde von Google – andererseits macht es uns Sorge, dass Google-Chef Eric Schmidt erklärt hat, dass Google selbst direkt in das Werbegeschäft vorstoßen will und schon einige Initiativen startete. So hat er Kreative angeheuert, um Anzeigen zu entwerfen.

Wie beurteilen Sie den Konflikt zwischen Google und den Printmedien wie Tageszeitungen oder Magazine?

Die traditionellen Medien haben hier nur eine Möglichkeit: Sie müssen sich ihre Inhalte vom Verbraucher bezahlen lassen, sonst wird es tödlich für sie enden. Ich habe das schon seit Jahren gesagt, aber keiner hört uns zu! Der australische Medientycoon Rupert Murdoch, dem zum Beispiel das „Wallstreet Journal“ gehört, hat jetzt Druck in diese Richtung gemacht, und Google hat in begrenztem Maße nachgegeben.

Was prophezeien Sie vor diesem Hintergrund den traditionellen Medien?

Ich erwarte drei große Entwicklungen. Erstens wird man für Inhalte, ob TV oder Druckerzeugnisse, bezahlen müssen. Zweitens: Es wird mehr Zusammenschlüsse und Übernahmen geben. Drittens: Regierungen werden entscheiden müssen, ob es im Interesse der Allgemeinheit ist, dass bestimmte Medien wie zum Beispiel Lokalzeitungen öffentliche Subventionen erhalten. Immerhin gibt es bereits Wohltätigkeitsorganisationen, die das tun und zum Beispiel lokale Medien finanzieren. Bei den Printmedien rechne ich mit weiteren Pleiten. Aber letztlich ist es eine Frage der Definition. Man muss einfach aufhören, in den traditionellen Kategorien zu denken.

Sir Martin, 2010 feiert WPP den 25. Geburtstag, Sie selbst werden am Valentinstag 65 Jahre alt. Wann werden Sie sich mit Ihrem Kindle zur Ruhe setzen?

Ich gehe nicht freiwillig in Rente. Erst wenn man mir sagt, Martin, du hast genug Schaden angerichtet, es ist Zeit, zu gehen.

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