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Xerox-Chefin Ursula Burns "Das papierlose Büro ist Jahre entfernt"

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Aber ist es groß genug, um mit Konkurrenten wie IBM mithalten zu können?

Natürlich ist unser Geschäft kleiner. IBM bietet eine globale IT-Infrastruktur an, das macht Xerox nicht. Aber es gibt einen sehr großen, noch weitgehend unerschlossenen Markt von mittelgroßen Firmen, die Hilfe beim Betrieb ihrer IT benötigen. Die bekommen sie heute nur von ganz kleinen oder sehr großen Anbietern, die ihnen aber wenig Aufmerksamkeit entgegenbringen. Das ist einer unser wichtigsten Pluspunkte im Wettbewerb.

Während das Service-Geschäft von Xerox bereits ganz gut wächst, schwächeln die Geräteverkäufe weiterhin. Diese sind aber wichtig für künftige Dienstleistungsaufträge. Wie wollen Sie das ändern?

Indem wir weltweit dafür sorgen, dass unsere Kunden in Richtung Farbdruck gehen. Noch sind nämlich immer noch 80 Prozent aller Ausdrucke schwarz-weiß – da besteht ein enormes Wachstumspotenzial. Aber auch bei steigender Zahl verkaufter Geräte gibt es gleichzeitig einen jährlichen Verfall bei den Preisen – schlicht, weil wir ein Technologieunternehmen sind. Daher ist es tatsächlich schwierig, im Hardwaregeschäft dauerhaft Umsatzwachstum zu erzielen.

Wäre es da nicht sinnvoll, sich eines Tages ganz vom Hardwaregeschäft mit seiner geringeren Profitabilität zu trennen?

Es stimmt, Hardware hat geringere Margen. Aber es erzeugt Cash, ist profitabel, und wir sind Marktführer – warum sollten wir das abgeben? Das ist doch ähnlich wie bei Automobilkonzernen: Die haben andere Zahlen und werden anders gemanagt als Dienstleistungsunternehmen, dennoch würde keiner ihre Daseinsberechtigung anzweifeln.

Xerox hat jetzt die ganze Palette rund um Dokumente im Angebot. Wie sieht es da mit dem papierlosen Büros aus – bleibt das für immer eine Vision?

Nein, wir helfen unseren Kunden bereits heute dabei, Papier zu sparen. Unser Dokumenten-Outsourcing-Geschäft schlägt eine Brücke zwischen einem papierbasierten und einem digitalen Büro. Das bedeutet: Wir reduzieren die Menge der auszudruckenden Dokumente deutlich, indem wir bei der intelligenten digitalen Verteilung helfen. Wir haben Software und Services im Angebot, die etwa bei der digitalen Versionskontrolle helfen. So muss man nicht jede Änderung wieder extra ausdrucken und verteilen.

Also nur eine Frage der Zeit, bis Papier überflüssig wird?

Wir sind Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vom papierlosen Büro entfernt. Denn jedes neue Gerät – sei es die Digitalkamera oder das iPad – erzeugt in irgendeiner Weise eine neue Notwendigkeit, Dinge auszudrucken. Vor einigen Jahren dachten alle, dass E-Mail eine papiersparende Innovation wäre. Aber sie sorgt sogar für größeren Papierverbrauch. Wir wollen die Menschen nicht in die eine oder andere Richtung drängen, sondern ihnen mit unserer Technologie die Option geben, Dinge mit oder eben auch ohne Papier zu erledigen.

Positive Reputation

Xerox ist mehr als 100 Jahre alt und hat vor 70 Jahren den ersten Kopierer erfunden. Im Englischen heißt Kopieren „to xerox“, ähnlich wie in vielen Sprachen „googeln“ für Web-Suche steht. Könnten Sie da nicht mehr aus diesem Erbe machen?

Wir sind eines der wenigen Unternehmen, bei dem der Markenname stellvertretend für den gesamten Sektor steht. Das ist gut und schlecht zugleich. In allen entwickelten Märkten wie Deutschland oder den USA wissen die Menschen automatisch, für was wir stehen. Wir haben eine Reputation, die erst einmal positiv ist. Wenn wir diesen Ruf nicht beschützen, können wir ihn aber schnell wieder verlieren. Daher achten wir stark darauf, in welcher Form das Verb „to xerox“ verwendet wird. Nachteilig wäre für uns, wenn der Begriff in den Köpfen der Menschen die Vorstellung zementiert, Xerox sei immer noch ein schnöder Kistenschieber.

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