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Zeitarbeitsbranche Leiharbeit im OP-Saal

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„Auch Gruner + Jahr schleckert“

Geschleckert wird also weiterhin. Das Deutsche Rote Kreuz mit seiner DRK-Kinderklinik in Siegen etwa verlagert systematisch reguläre Jobs in die Zeitarbeits-Tochterfirma Persana. Klinik-Geschäftsführer Jochen Scheel strebt an, dass am Ende der Personalmetamorphose allenfalls noch 60 seiner 750 Mitarbeiter direkt bei dem DRK-Krankenhaus arbeiten, und zwar „nur noch die Führungskräfte“.

„Schlecker auch bei Gruner + Jahr“ prangert der Betriebsrat des zu Bertelsmann gehörenden Hamburger Zeitschriftenverlages an: „G+J missbraucht die Regelung der Leiharbeit seit 2004.“

Die Arbeiterwohlfahrt Westliches Westfalen (AWO) in Dortmund steht mit vier eigenen Zeitarbeitsunternehmen im Bezirk inzwischen mächtig unter Druck. Ein Schlichter aus dem Landesarbeitsministerium versucht zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern zu vermitteln. „Zu glauben, die AWO sei sozial und arbeitnehmerfreundlich, das kann man vergessen“, zürnt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende im Bezirk Westliches Westfalen, Detlev Beyer-Peters. AWO-Bezirksgeschäftsführer Wolfgang Altenbernd gibt jetzt nach und verfügt, dass seine Zeitarbeitstochter PSG nicht mehr wächst, sondern schrumpft: „Wir senken die Zahl der Beschäftigten in der PSG von 300 auf 180 ab.“

Schleckern lohnt kaum

Auch die Uniklinik Essen hinkt hinter ihrem Plan her. „Wir werden künftig nur noch Ärzte und Krankenschwestern fest einstellen“, verkündete ein Kliniksprecher noch im Herbst 2009, „ansonsten machen wir das über die PSG.“ In Zahlen hieß das, dass rund 3000 der 5500 Uniklinik-Mitarbeiter irgendwann als hauseigene Leihkräfte beschäftigt werden sollten. Tatsächlich sind es aber erst 250. Denn die Mitarbeitervertretung stimmt keiner einzigen Einstellung zu, die über die PSG läuft. Die Klinik muss jeden Einzelfall mühsam juristisch durchfechten.

Dass sich Schleckern kaum lohnt, weiß nun auch Schlecker. Imageschaden und leere Kassen machten den Konzern mürbe. Von Januar bis Ende April – als die Debatte hochkochte – brachen die Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16 Prozent ein. Jeder zehnte Schlecker-Kunde ging zur Konkurrenz.

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