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Zerlina von dem Bussche im Interview "Dezente Details"

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Englische Vorbilder: Anzug von Paul Smith London

Was ist so schlimm daran?

Stecken Sie doch mal die Hände in die Jackentaschen, wenn die zugeknöpft ist. 

Und? 

Man sieht Ihren Po. Ziehen Sie mal dieses Sakko mit zwei Schlitzen an, da fällt der Stoff immer elegant drüber. Außerdem können die Schneider dann besser taillieren. 

Weitere Finessen des Anzugs?

Nicht zu große Schulterpolster. Ein Anzug, der an den Schultern nicht perfekt geschnitten ist, formt den Körper nicht, sondern baut etwas an ihn an, was er nicht braucht. 

Schmaler Anzug mit knappen Schultern das klingt sehr nach Mode. 

Ist aber völlig zeitlos, auch wenn es ein bisschen an den Dandylook erinnert. Das bedeutet ja nicht, dass Sie gleich aussehen sollen wie Oscar Wilde. Sie haben den Dandyeffekt gut unter Kontrolle, wenn Sie ein zurückhaltendes Hemd dazu tragen. Und Sie müssen auch nicht spitze Schuhe wählen, die gerade in Mode sind.

Helfen andere Modenationen bei der Orientierung, etwa die Italiener?

Italienische Männer sind viel modischer gekleidet als deutsche. Blaue Anzüge, braune Schuhe,kurze Schnitte, etwas breiter – das passt in Deutschland nicht so. 

Brauche ich einen guten Schneider, der mir den Anzug passend macht?

Nein, gut sitzende Anzüge gibt es auch als Konfektionsware, die nicht teurer sind als die schlecht sitzenden. Entscheidend ist ein guter Berater. Die richtige Wahl zu treffen ist in der Herrenmode viel schwieriger als bei den Frauen. Der Grat zwischen „total daneben“ und „auf den Punkt“ ist unglaublich schmal, da Herrenmode viel stärker den Konventionen unterliegt. Da geht es um Nuancen. 

"Ein guter Anzug muss sitzen wie eine zweite Haut"

Und wer hilft mir, sie zu erkennen?

Entweder Sie haben einen Bekannten, der sich wirklich auskennt, oder Sie haben das Glück ein gutes Geschäft zu finden. 

Wo finde ich solche Geschäfte?

Sie können es sich leicht machen und in London Ihre Anzüge kaufen. Dort gibt es sehr viele Geschäfte, die diese Beratung beherrschen. In Deutschland müssen Sie schon etwas länger suchen. Es kommt immer darauf an, dass Sie einen Verkäufer finden, der Ihnen hilft, Ihren Typ zu finden. 

Was mache ich, wenn mich ein Verkäufer auffordert, etwas zu kaufen, was mir nicht geheuer ist?

Hören Sie nicht auf ihn. Kaufen Sie niemals ein Kleidungsstück, in dem Sie sich nicht wohlgefühlt haben beim Anprobieren. Sonst wirken Sie wie ein Clown. Egal, wie großartig das Stück aussieht. 

Dann kann ich doch gleich die Anzüge kaufen, die ich immer schon trage?

Sie müssen sich im Geschäft die Dinge erklären lassen und können ruhig auch mal Ungewohntes anprobieren. Dieses dunkelblaue Sakko zum Beispiel, das Sie gleich anziehen, hat kleinere Armlöcher als Ihres.

Was ist der Vorteil?

Wenn Sie den Arm heben, geht nicht das ganze Sakko mit. 

Warum hat mein Sakko nicht solche Armlöcher?

Weil in Deutschland immer gesagt wird, dass man den Anzug nicht spüren soll, er soll beim Tragen nicht bemerkbar sein. Dabei sollte er eigentlich sitzen wie eine zweite Haut. 

Bei Managern, Beratern und Anwälten sehen Anzüge oft nach Uniform aus. Hilft die Suche nach dem individuellen Detail, um nicht uniform auszusehen?

Wenn Sie eine große Gruppe von gutgekleideten Männern beim Mittagstisch sehen, dann langweilt das überhaupt nicht, eben wegen der vielen Details. Dass Anzüge uniform wirken, liegt daran, dass alle den gleichen 08/15-Kaufhausschnitt tragen.

Aber den gibt doch die Mode vor.

Das ist nicht Mode, das ist Kaufhaus. Jeder kann selbst entscheiden, ob er Standard trägt oder etwas über sich aussagen möchte.

Warum wählen Männer häufig konventionelle Schnitte?

Aus Unsicherheit. Tagsüber treffen Manager Entscheidungen über Millionen von Euro, aber beim Anzugkauf werden sie plötzlich wackelig, weil sie keine Maßstäbe besitzen, die müssen sie lernen. 

Gehen wir in andere Details: Welches Hemd passt zum dunkelgrauen Anzug?

Das gestreifte. Das ist immer eine gute Alternative für Männer, die sich nicht viel trauen, aber ein wenig anders aussehen wollen. Das sieht an allen Männern gut aus, ob groß oder klein, dick oder dünn. Breite Streifen, schmale Streifen – alles egal. Streifen wirken konservativ, und dennoch ist die Erscheinung plötzlich nicht mehr grau-blau, sondern grau mit zwei Farben.

Was ist mit dem Schnitt?

Der Stoff sollte nie spannen an Bauch und Brust. Aber zu lang darf das Hemd auch nicht sein. Das „Zu viel Stoff“-Prinzip der Kaufhäuser ist falsch. Auch da hilft es, sich an konservative Hersteller zu halten. 

Welche Krawatte? 

Schmal ist besser als zu breit, und im Alltag ist einfarbig prima. Wenn Sie nur einmal über Ihren Schatten springen und eine farbige Krawatte zu einem gestreiften Hemd tragen, dann wird es für Sie ganz normal sein. Schlips ist übrigens das schönere Wort. Wer farbig gemusterte Schlipse beispielsweise mit asiatischen Kriegern und Elefanten trägt, fällt heute mehr auf als mit einem rosa Polohemd am Wochenende. Muster mit Figuren gehen gar nicht. Nie. 

Bleiben die Socken und die Schuhe. 

Die Socken sollten in der Regel schwarz sein, nur beim Smoking oder Cut, den man übrigens „Kött“ ausspricht, können Sie sich Freiheiten herausnehmen und eine auffällige Farbe wählen. 

Und bei den Schuhen? Sind ein wenig spitz zulaufende noch vertretbar?

Ein schwarzes klassisches Modell ist völlig in Ordnung. Die Mode geht gerade zu eckigen Varianten über, da wird es gefährlich. Und die ganz spitzen Schuhe, die gerade Mode sind, können schnell grotesk wirken. In solchen Fällen sollten Sie sich beraten lassen. Wenn Sie sich sicher fühlen möchten, orientieren Sie sich an den Briten. Ein Blick in den Wirtschafts- oder Politikteil der englischen Zeitungen genügt.

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