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Zu wenig Innovationen Neuer HP-Chef hat einige schwere Brocken vor sich

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Expansion und Sparkurs

Bis zuletzt habe der gehofft, so ein Bekannter Hurds gegenüber der WirtschaftsWoche, das „Missverständnis“ aus dem Weg räumen zu können. Schließlich hatte Hurd den Brief der Anwältin Jodie Fishers mit Anschuldigungen wegen angeblicher sexueller Belästigung selber an den Aufsichtsrat weitergereicht. Der hatte zwar festgestellt, dass aus seiner Sicht nichts dran war an den Vorwürfen der Blondine, die im Nebenberuf Marketing-Veranstaltungen für HP organisierte und danach mit dem Konzernchef speiste.

Doch bei der Prüfung fielen einige fragwürdige Spesenabrechnungen durch Hurd auf. Vielleicht, glauben einige, ließen sich die Ungereimtheiten aber auch mit Hurds Arbeitswut erklären, durch die ihm etwas durcheinander geraten sein könnte. Hurd selbst hatte Ethik und Moral stets hochgehalten, seine Mitarbeiter mussten regelmäßig Kurse dazu besuchen. Jede Milde gegenüber dem Konzernchef wäre wie ein Bumerang zurückgekommen.

Schwere Brocken auf dem fruchtbaren Acker

Wie auch immer das Urteil über Hurd ausfällt – er hinterlässt seinem Nachfolger ein exzellent bestelltes Feld. HP profitiert längst nicht mehr nur wie früher allein vom profitträchtigen Verkauf von Drucker-Verbrauchsmaterialien, sondern glänzt zunehmend auch mit Gewinnen durch Computer-Servicedienstleistungen und Software. Standen Drucker und PCs im Jahre 2005 noch für 60 Prozent des Umsatzes, bringen sie nun nur noch die Hälfte. Gleichzeitig wuchs der Anteil von IT-Services von 18 auf 30 Prozent.

Beim Verkauf von PCs und Notebooks verteidigt HP-Computerchef Todd Bradley nicht nur die Spitze gegen den aggressiven Wettbewerber Acer aus Taiwan, sondern schafft es auch regelmäßig, in dem schwierigen Geschäft Gewinne zu erwirtschaften. Für die von Marktforschungsunternehmen wie Gartner prognostizierte nächste Computerwelle durch Tablet-PCs und Smartphones ist HP auch gut gerüstet. Dafür sorgt nun der Smartphone-Pionier Palm mit seinen zahlreichen Patenten und dem eigenen Betriebssystem für Mobilfunkgeräte.

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    Doch auf dem fruchtbaren Acker liegen ein paar schwere Brocken. Da ist zum einen die schiere Größe von Hewlett-Packard mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 115 Milliarden Dollar. Noch vor zehn Jahren waren es 47 Milliarden Dollar, bis Hurds Vorgängerin Carly Fiorina das legendäre Silicon-Valley-Unternehmen gegen den heftigen Widerstand vieler Aktionäre und Mitarbeiter mit dem texanischen Computerhersteller Compaq vermählte und beim Umsatz um 25 Milliarden Dollar zulegte.

    Hurd hielt den Akquisitionskurs seiner Vorgängerin bei und perfektionierte ihn nach der Methode: wachstumsstarke Unternehmen kaufen, integrieren, Kosten senken und Mitarbeiter einsparen. So schaffte er den Sprung über die 100 Milliarden Dollar und in den Olymp der Großkonzerne. Gleichzeitig gelang es ihm, durch gnadenloses Kostendrücken, den Gewinn unter seiner Ägide zu verdreifachen.

    Das exorbitante Wachstum durch Akquisitionen erschwert es HP nun aber, weitere interessante und umsatzstarke IT-Unternehmen zu schlucken, ohne mit den Wettbewerbsbehörden in Konflikt zu kommen. Zudem halten IBM, Microsoft, Cisco, Oracle, Apple und zunehmend auch Google selber Ausschau nach attraktiven IT-Firmen mit Wachstumschancen wie dem Internet-Softwareanbieter Salesforce.

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