WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Zu wenig Innovationen Neuer HP-Chef hat einige schwere Brocken vor sich

Seite 4/4

Nicht nur Drucker. Mit einem Quelle: AP

HP wird deshalb stärker organisch wachsen müssen. Doch das ist wesentlich schwerer als der Zukauf von Unternehmen. Um nur fünf Prozent jährlich zuzulegen, so rechnete Ex-HP-Chef Mark Hurd auf einer Technologiekonferenz vor, müsse sein Unternehmen jedes Jahr einen Bestseller wie den MP3-Player iPod von Apples präsentieren.

Im Gegensatz zu Apple hat HP jedoch schon lange keinen vergleichbaren Renner mehr im Programm. Der in den HP Labors ersonnene Tintenstrahldruck ist nun auch schon über 30 Jahre alt, die Glanzzeiten mit dem Verkauf von Druckern sind Geschichte. Während sich Apple klar auf Konsumenten fokussiert und sein gesamtes Marketing darauf abzielt, deckt HP die ganze IT-Welt ab. Wurde das Image früher vor allem durch Drucker geprägt, fehlt HP heute ein Gerät, mit dem das Unternehmen identifiziert wird – die einstige Silicon-Valley-Ikone ist ein Stück weit in die Beliebigkeit gerutscht.

Schuld daran ist zweifelsohne Hurd. Unter seiner Ägide hatte die Moral der HP-Produktentwickler und -Forscher heftig gelitten. Der Exkonzernchef stellte lieber reihenweise Verkäufer ein, als Forschungsprojekte in großem Stil zu finanzieren. Er organisierte die Forschungsabteilung von HP mehrmals um und richtete die Projekte stärker an künftigen Verkaufserwartungen aus. Die HP-typische Kultur der Kreativität, so klagen viele Mitarbeiter, sei dadurch unter die Räder gekommen. Durch Hurds Sparkurs sank der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung, gemessen am Umsatz von vier Prozent im Jahre 2005 auf zuletzt 2,5 Prozent.

Zweite Chance für Hurd?

Für ein Unternehmen, das lange Zeit den Zusatz „invent“ – zu Deutsch: „erfinde“ – im Logo trug, eine schwere Bürde: Fehlt es an Akquisitionsmöglichkeiten, braucht es Innovationen, um zu wachsen. Insofern könnte Hurd mit seinem Rationalisierungskurs HP einen Bärendienst erwiesen haben, weil er kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolgen das langfristige Wachstumspotenzial opferte.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Hier wird der neue Chef ansetzen müssen und HP seinen eigenen Stempel aufdrücken. Gut möglich, dass dieser – dann allerdings auf dem Markt – irgendwann gegen Hurd antreten muss. Denn neben ihrer Liebe zu Helden sind die Amerikaner auch dafür bekannt, gestrauchelten Stars eine zweite Chance einzuräumen.

    Der ehemalige Gouverneur von New York, Elliot Spitzer, ist so einer. Er war beim Techtelmechtel mit einer Prostituierten ertappt worden, bekommt jetzt aber im Herbst eine eigene Talkshow beim US-Nachrichtensender CNN – nur zweieinhalb Jahre nach dem Sündenfall.

    Die Chancen, dass Hurd wieder aufsteht, stehen also hoch. Das Silicon Valley spekuliert bereits auf Oracle als ein Ziel. Inhaltlich ergäbe dies allemal Sinn: Zum einen kennt Hurd die Schwachstellen seines ehemaligen Arbeitgebers genau – wertvolles Wissen also für Oracle-Chef Ellison, der durch den Kauf des Computerbauers Sun Microsystems längst zum HP-Konkurrenten avanciert ist. Wichtiger aber noch: Ellison dürfte kein Problem damit haben, den gestrauchelten Ex-HP-Chef nach einer Karenzzeit anzuheuern.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%