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Zugsausfälle Bahn fahren: Die moderne Odyssee

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"Heute ist alles erlaubt"

Leute warten auf dem Quelle: dpa

Düsseldorf, Montag 17:46 Uhr: 170 Minuten Verspätung - statt wie gewohnt um halb neun abends, sollte der IC, der mich an normalen Arbeitstagen von Düsseldorf ins heimische Bonn bringt erst gegen zwanzig nach elf Uhr fahren. Wenn überhaupt - denn bei größeren Verspätungen, so die Erfahrung als Fernpendler, läßt die Bahn oft die Züge ganz ausfallen oder stoppt den Schnellzug vorzeitig in Köln und schickt die Fahrgäste per Bummelbahn weiter. Tröstlich: Es gab laut Auskunft im Internet noch Verspätungszüge vom frühen Nachmittag, die bis zu 330 Minuten Verspätung hatten.

Also begibt sich der leidgeprüfte Pendler guten Mutes zum Bahnhof Düsseldorf, hat aber Glück und erwischt einen verspäteten ICE nach Köln. Eine Höherstufung des IC-Kunden auf den ICE war nicht nötig, der launige Bahnsteigchef wehrt Nachfragen mit Bemerkung  ab. Da hat man bei Verspätungen schon weniger Großzügigkeit erlebt. Auch die Schaffner im Zug ("Ich müsste schon seit drei Stunden bei zu Hause sein und habe noch zwei Stunden Schicht zu arbeiten") nehmen die Katastrophe und die Beschimpfungen der Fahrgästen mit südländischer Gelassenheit. 

An Züge im Süden oder in der dritten Welt erinnert  jedoch auch der Zustand des ICEs, der mich nach Köln bringt. Auf dem Boden rollen Flaschen, die Sitze sind mit Hamburgerverpackungen und Bananenschalen ganiert.  Immerhin: Die Sache verlief glimpflich. In Köln erreiche ich ohne Warten einen Nahverkehrszug; mit nur einer Halben Stunde Verspätung bin ich zu Hause.

Lothar Schnitzler

"Bitte achten Sie auf die Lautsprecherdurchsagen"

Düsseldorf, Montag 17:50 Uhr: Es gibt kaum Informationen. Meine Kollegin und ich wollen nach Köln. Am Aufgang zu Gleis 16 ist die Anzeigetafel ausgefallen. Ein Bahnbeamter ist nicht zu sehen. Hier passiert so schnell nichts, beschließen wir und gehen rüber zu Gleis 11. Vielleicht fährt ja noch die S-Bahn. Wir warten. Eine Lautsprecherdurchsage erklärt uns, dass wir auf die Lautsprecherdurchsagen achten sollen. Leider sagt sie uns nicht, welcher Zug wieviel Verspätung hat. Ein Bahnbeamter ist auch hier nicht zu sehen. Irgendwann verliere ich im Getümmel meine Kollegin. Ich gehe wieder hinunter in die Bahnhofspassage. Gerade noch rechtzeitig. Die Stimme aus dem Lautsprecher erklärt, dass gleich auf Gleis 4 ein Zug nach Köln einfährt. Schade nur, dass die Durchsage nicht auch an den Gleisen zu hören war. Meine Kollegin bekommt deswegen die Ansage nicht mit. Sie wird noch eine Stunde auf den nächsten Zug nach Köln warten müssen.        

Jürgen Salz

Déjà-vu

Plötzlich und überraschend fallen in den ICEs die Klimaanlagen aus? Was für eine Lüge, die die Bahn da verbreitet! Den selben Wortlaut und die selben mauen Entschuldigungen habe ich noch aus dem Jahr 2003 in Erinnerung. Im 40-Grad-Sommer vor sieben Jahren fielen reihenweise Klimaanlagen und ganze Züge aus, meiner an einem Freitag Nachmittag auf der immer überfüllten Rennstrecke Köln-Frankfurt. Schwanger saß ich in einem ICE, in dem sich die Fahrgäste selbst auf den Fußböden stapelten, erst die Klimaanlage ausfiel und dann der Zug im Westerwälder Nirgendwo lange, lange stehen blieb. 40 Grad draußen, weit mehr drinnen und kein Schaffner öffnete aus Sicherheitsgründen auch nur eine Tür. Panikattacken bei den Fahrgästen – und beim Zugpersonal. Eine andere Schwangere weinte aus Platzangst. Alles also schon Mal da gewesen. Nur die Bahn hat es kalt gelassen.

Anke Heinrich

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