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Unwetter kosten Versicherer Milliarden Teure Fluten

Die heftigen Unwetter in Deutschland machen gerade Pause, nun wird aufgeräumt und Bilanz gezogen. Auf die Versicherer kommt nach Hochrechnungen von Experten ein Milliardenschaden zu.

Wenn der Blitz einschlägt und Hagelkörner randalieren
Gebäude und HausratEgal ob Blitzeinschlag, Sturmschäden oder Zerstörungen durch Hagelkörner: Wenn das Haus oder die Wohnung durch solche Unwetter in Mitleidenschaft gezogen wurde, übernehmen die Hausrat- und Wohngebäudeversicherer die Kosten für die Schäden. Mieter halten sich an ihre Hausratversicherung, Vermieter an die Wohngebäudevariante. Kommt es zu Überschwemmungen durch Starkregen, brauchen Hausbesitzer und Mieter eine Elementarschadenversicherung. Die hat aber längst nicht jeder! Vorsicht auch beim Blitzeinschlag: Versichert sind meist nur dessen direkte Auswirkungen, nicht aber so genannte Überspannungsschäden. Das sind Schäden, die erst in zweiter Ableitung durch den Blitz verursacht werden. Quelle: dpa
AutosDie Teilkaskoversicherung übernimmt die Hagel-, Blitz- und Sturmschäden. Ist das Blech verbeult oder die Scheiben kaputt, werden die Reparaturkosten für gewöhnlich in voller Höhe erstattet. Vorher gilt es für Voll- und Teilkaskoversicherte aber nachzurechnen: Was bedeutet die Kostenübernahme für den künftigen Schadenfreiheitsrabatt? Fahrzeughalter, deren Auto durch ein Unwetter beschädigt wurde, sollten die Schäden mit einer Kamera dokumentieren und diese binnen einer Woche dem Versicherer melden. Quelle: dpa
Feld und ErnteLandwirte können ihre Felder gegen Hagel versichern. Fast acht Millionen Hektar sind so vor dem finanziellen Risiko eines Ertragsausfalls geschützt. Das entspricht in etwa der Größe von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zusammen. Quelle: dpa
SturmschädenFür Schäden nach Stürmen haften Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen. Allerdings: Stürmisch ist es aus Sicht der Versicherer es erst ab Windstärke acht. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit von 61 Kilometern pro Stunde. In Zweifelsfragen helfen die Verbraucherzentralen in den einzelnen Bundesländern. Dort erhalten Geschädigte auch viele Tipps. Im Bild: Ein Unwetter über Augsburg (Bayern). Die Hitze verabschiedete sich mit Gewittern und Hagelschlag. Quelle: dpa
Bloß nicht leichtsinnig werdenWer trotz polizeilicher Warnung sein Auto in einem durch Hochwasser gefährdeten Gebiet abstellt oder auch nur dorthin fährt, der riskiert, dass der Versicherer nur einen Teil des Schadens trägt oder sich auch ganz verweigert. Dies gilt insbesondere, wenn der Versicherte in einer Weise gehandelt hat, durch die der Schaden hervorgerufen wurde. Zumindest kann die Gesellschaft dann entsprechend der Schwere des Verschuldens ihre Leistung kürzen. Lediglich ein unkorrektes Verhalten, das als "leichte Fahrlässigkeit" betrachtet werden kann, bewahrt vor solchen finanziellen Einbußen. Im Bild: Ein Junge schiebt sein Fahrrad über eine überschwemmte Straße in Lohmar (Nordrhein-Westfalen). Heftige Gewitter haben in Nordrhein-Westfalen zu zahlreichen Rettungseinsätzen der Feuerwehr geführt. Quelle: dpa
Schäden durch BlitzschlagSchlägt der Blitz direkt in ein Haus ein, kommt der Gebäudeversicherer für Schäden am Gebäude auf. Schäden durch Überspannung werden nur ersetzt, wenn der Blitz direkt in das versicherte Grundstück oder Gebäude eingeschlagen ist. Sonstige Schäden durch Überspannung, Überstrom oder Kurzschluss sind nur dann über die Gebäudeversicherung abgedeckt, wenn eine zusätzliche Klausel, die sogenannte Überspannungsklausel vereinbart wurde. Das gilt ebenso für die Hausratversicherung. Im Bild: Rettungskräfte versuchen Jungvieh aus einem Stall in Lamderdingen (Bayern) zu befreien, der nach einem Blitzschlag teilweise eingestürzt war. Quelle: dpa
Kaputter HausratWenn der Sturm mit Hausrat spielt, zahlt die Hausratversicherung – aber nur, wenn diese Dinge während der Böen in einem Gebäude untergebracht waren und beschädigt wurden. Eine Ausnahme gibt es für Mieter, wenn Antennen und Markisen außen am Gebäude angebracht sind und ausschließlich durch die Bewohner der versicherten Wohnung genutzt werden. Auch dann zahlt die Hausratversicherung den Schaden. Im Bild: Feuerwehrleute pumpen in Hermeskeil (Rheinland-Pfalz) Wasser aus einer überfluteten Garage. Gewitterregen sorgten in weiten teilen von Rheinland-Pfalz für Überflutungen. Quelle: dpa

Über Bayern strahlt die Sonne – dabei herrscht in manchen Orten des Bundeslandes Chaos: Straßenzüge sind von dickem, stinkendem Schlamm bedeckt, Menschen schaufeln und versuchen, ihr Hab und Gut von dreckigem Morast zu befreien. Gut eine Woche, nachdem zahlreiche Wohngegenden durch Wassermassen verwüstet wurden, laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Viele freiwillige Helfer sind im Einsatz, sogar die Bundeswehr ist mit Baggern und Schaufeln angerückt.

Die Helfer sind schockiert von dem Anblick, der sich ihnen bietet. „So stellt man sich den Krieg vor“, schildert ein junger Mann im Örtchen Simbach dem Bayerischen Rundfunk. Auch die wirtschaftlichen Schäden der Unwetter sind beträchtlich: Nach Einschätzung der Versicherungsexperten der Ratingagentur Fitch haben die Unwetter der vergangenen zwei Wochen versicherte Schäden von bis zu einer Milliarde Euro verursacht.

Die meisten Schäden werden ihren Prognosen zufolge auf Gebäude-, Hausrat- und Kraftfahrzeugversicherungen sowie in geringerem Umfang die Betriebsunterbrechungsversicherung zukommen. Besonders tief in die Tasche greifen müssen vermutlich die öffentlichen Versicherer, und damit besonders die Versicherungskammer Bayern sowie die SV Sparkassenversicherung, in deren Geschäftsgebiet die von den Unwettern am stärksten heimgesuchten Regionen liegen, wie die Experten sagen. Die SV Sparkassenversicherung rechnet allein mit einer Schadenhöhe im zweistelligen Millionenbereich, wie ein Sprecher dem Handelsblatt sagte.

Dabei kommt die Versicherungsbranche nur für einen Teil der Schäden auf, der gesamte Schaden der Wassermassen dürfte wesentlich höher liegen.

Schäden an Gebäuden und am Hausrat, die durch Überschwemmungen oder Hochwasser entstehen, werden als Elementarschäden bezeichnet. Dafür benötigen Immobilienbesitzer eine eigene Elementarschadenversicherung, die mit der Hausrat- und Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden kann. Nur jede dritte Gebäudeversicherung umfasst auch Elementarschäden.

Aber da viele der nun verursachten Flutschäden in Gegenden verursacht wurden, die nicht als Hochrisikozone angesehen werden, dürften viele Hausbesitzer einfach und zu günstigen Konditionen ihr Hab und Gut versichert haben, meinen die Experten von Fitch. „Insofern könnte der Anteil der versicherten Schäden bei der jetzigen Flut- und Regenwelle höher sein als bei der letzten großen Flutkatastrophe 2013.“ Schäden in der von ihnen erwarteten Größenordnung würden zwar die Gewinne aus dem Versicherungsgeschäft der deutschen Schaden-/Unfallversicherer schmälern, „aber eigentlich keine Bedrohung für die Kreditwürdigkeit darstellen“, schlussfolgert Fitch.

Ziehen Versicherer die Zügel an?

Doch viele Versicherer werden in Zukunft wohl noch genauer hinschauen, wem sie eine Police verkaufen - und im Zweifel lieber auf die Prämien verzichten: „Es ist zu befürchten, dass immer weniger Verbraucher diese wichtige Police erhalten“, sagen Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen und Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. „Wir erwarten mehr Ablehnungen, höhere Prämien und auch Kündigungen bestehender Verträge“, sagt Heyer.

Diese Versicherungen helfen bei Regen und Sturm
Wenn sich ein heftiges Gewitter zusammenbraut, hat der Glück, der versichert ist. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat einige Tipps im Umgang mit Naturgewalten veröffentlicht. Grundsätzlich gilt: Für Sturmschäden haften Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen. Wer sie in Anspruch nehmen möchte, sollte jedoch auf die Beaufort-Skala schauen. Die Versicherungen übernehmen die Schäden nur für Regionen, in denen das Unwetter mit einer Windstärke von acht Beaufort wütet - also mit einer Windgeschwindigkeit von 61 Stundenkilometern pro Stunde. Praktisch: Hat der Sturm Ziegel und Dachpappe mitgehen lassen, muss man den Schaden nicht einzeln nachweisen. Die Versicherungen lassen eine offizielle Sturmwarnung gelten oder wenn die Häuser in der Nachbarschaft ebenfalls beschädigt sind. Wichtig ist, dass der Schaden der Versicherung sofort gemeldet werde, warnen die Verbraucherschützer. Und: Kaputte Gegenstände sollten erst nach der Rücksprache mit der Versicherungsgesellschaft entfernt werden, sonst könnte das die Feststellung des Schadens behindern. Quelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Quelle: dpa
Für den Hausrat haftet die Versicherung nur, wenn er während der Böen in einem Gebäude untergebracht war. Ausnahme bilden Antennen und Markisen, die einem Mieter gehören und ausschließlich durch diesen genutzt werden. Manche Hausratspolicen enthalten sogar Zusatzklauseln, die den Verderb von gefrorenen Lebensmitteln abdecken. Quelle: dpa
Hat der Sturm Dachziegel auf ein parkendes Auto geschleudert, muss die Teilkasko des Autohalters zahlen. Wichtig: Versichert ist der Wert des Autos zum Zeitpunkt der Schadensmeldung, nicht sein Neuwert. Oft hat der Versicherte außerdem eine Selbstbeteiligung zu leisten, die von der Entschädigungssumme abgezogen wird. Quelle: AP
Wenn ein Auto auf einen umgestürzten Baum fährt, haftet die Vollkaskoversicherung. Ist Baum nachweislich morsch, umgestürzt und hat das Haus oder Auto beschädigt, muss der Baumbesitzer oder seine Haftpflichtversicherung für den Schaden aufkommen. Ist ein gesunder Baum umgefallen, gilt dies als „höhere Gewalt”, und der Eigentümer haftet nicht für den Schaden. Quelle: dpa
Wenn durch das Unwetter Keller überflutet und Wände und Inventar beschädigt worden sind, dann ist es besser, wenn man eine „Elementarschaden-Versicherung” abgeschlossen hat. Gebäudeversicherungen haften nicht für Schäden durch eindringendes Wasser. Quelle: dpa
Schäden durch Überschwemmungen sind bei der Kfz-Teilkasko mitversichert. Hier gibt es keine Schadensfreiheitsrabatte, Fahrzeughalter brauchen also keine Rückstufung zu befürchten. Auch hier gilt: Bei einer Selbstbeteiligung wird der vereinbarte Betrag von der Entschädigungssumme abgezogen. Ob Kindersitze, Warndreieck und Verbandskasten ebenfalls versichert sind, hängt von der Versicherungsfirma ab. Quelle: dpa
Ist der Blitz direkt in ein Haus eingeschlagen, kommt der Gebäudeversicherer für die Schäden am Haus auf. Was durch die Überspannung kaputt geht, ersetzt die Versicherung nur, wenn der Blitz direkt in das versicherte Grundstück oder Gebäude eingeschlagen ist. Sonstige Schäden durch Überspannung, Überstrom oder Kurzschluss sind nur dann über die Gebäudeversicherung abgedeckt, wenn eine Überspannungsklausel vereinbart wurde. Das gilt auch für die Hausratversicherung. Quelle: dpa

Bei der Versicherungskammer Bayern will man jedoch nicht an der Preisschraube drehen oder Policen kündigen. „Wegen eines einzelnen Ereignisses werden wir nichts an unserer Zeichnungspolitik ändern“, sagte ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt. Sollten derartige Wetterkapriolen in Zukunft aber häufiger auftreten „und sich die Wahrscheinlichkeiten ändern“, werde man das in Betracht ziehen müssen. 99,8 Prozent der Gebäude in Bayern seien versicherbar - und auch beim Rest „finden wir eine Lösung“.

Verbraucherschützer fordern gleichwohl die Einführung einer gesetzlichen Versicherungspflicht gegen Elementarschäden. „Jeder Hauseigentümer muss dann eine solche Versicherung abschließen – ohne dass es die Versicherer ablehnen können.“ Ein Ansinnen, das von Seiten der Versicherer abgelehnt wird. „Der Gedanke liegt nahe, ist aber dennoch grundfalsch: Eine Pflichtversicherung nimmt etwa jeden Anreiz, die geschilderten Probleme in den Gemeinden nachhaltig anzugehen“, warnt man beim GDV.

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