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Urheberrecht Größte australische Mediengruppe einigt sich mit Google auf Bezahlung

Digitalplattformen sollen in Australien für Zugriff auf Nachrichten bezahlen. Schon vor Verabschiedung des Gesetzes hat sich Google mit einem Konzern geeinigt.

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Der Konzern hatte vor einem Ausschuss des Senats gedroht, seine Suchmaschine nicht mehr in Australien anzubieten, falls das Gesetz in Kraft tritt. Quelle: AP

Seven West Media hat sich als bislang größte australische Mediengruppe mit Google auf eine Bezahlung für journalistische Inhalte geeinigt. Das gaben die beiden Unternehmen am Montag bekannt. Für Dienstag ist eine Parlamentsabstimmung über ein Gesetz geplant, das Google und Facebook verpflichtet, Medien für die Inhalte zu bezahlen, die sie von deren Internetseiten abgreifen.

Google und Facebook befürchten, dass andere Staaten dem Beispiel Australiens folgen könnten und Internetgiganten ebenfalls verpflichten, für die Meldungsausschnitte zu bezahlen, die sie auf ihren Seiten anzeigen.

Der Verwaltungsratschef von Seven West Media, Kerry Stokes, dankte hingegen der Regierung und der Wettbewerbsbehörde für den Gesetzesentwurf. „Ihre herausragende Führung bei der Umsetzung des vorgeschlagenen Nachrichtenmedien-Verhandlungsgesetzes hat dazu geführt, dass wir in der Lage sind, Verhandlungen abzuschließen, die zu fairer Bezahlung führen und unsere digitale Zukunft sicher stellen“, kommentierte er. „Die Verhandlungen mit Google erkennen den Wert von Qualitäts- und Original-Journalismus im ganzen Land an und insbesondere in regionalen Gebieten.“ Zu Seven West Media gehören 21 Fernseh-, Print- und Onlinemedien.

Die Vereinbarung wurde im Rahmen eines Google-Programms namens News Showcase getroffen. Die Google-Regionaldirektorin Mel Silva sagte: „Wir sind stolz, originalen, bewährten und Qualitäts-Journalismus zu unterstützen.“

Seven West Media und Google sprachen von einer „langfristigen Partnerschaft“. Beide nannten nicht die Summen, die fließen werden. Das konkurrierende Medienhaus Nine Entertainment berichtete unter Berufung auf Branchenkreise, dass mehr als 30 Millionen australische Dollar (19 Millionen Euro) pro Jahr vereinbart worden seien. Seven West Media teilte mit, innerhalb von 30 Tagen würden Details der Vereinbarung festgezurrt.

Belinda Barnet, Dozentin für Medienwissenschaft an der Swinburne University, bezeichnete die Vereinbarung als „Trostpreis“, da sie sich nicht auf Nachrichten erstrecke, auf die die Suchmaschine von Google verlinkt. Sie prognostizierte, dass die beiden anderen großen australischen Medienkonzerne, Nine und News Corp., auf Vereinbarungen auf Basis des geplanten Gesetzes warten würden, das umfassender sei. Das Gesetz würde ihre Verhandlungsposition stärken, sagte sie.

Zuvor hatte Finanzminister Josh Frydenberg gesagt, Google und Facebook stünden kurz vor Vertragsabschlüssen, die „von echtem Vorteil für die inländische Medienlandschaft sein könnten und beinhalten, dass Journalisten finanziell dafür belohnt werden, dass sie Original-Inhalte produzieren, wie es sein sollte“. Am Wochenende hatte es Gespräche zwischen Frydenberg und den Chefs von Facebook und dem Google-Mutterkonzern Alphabet gegeben, Mark Zuckerberg und Sundar Pichai. Facebook und Google beantworteten Fragen dazu zunächst nicht.

Google hatte vor einem Ausschuss des Senats gedroht, seine Suchmaschine nicht mehr in Australien anzubieten, falls das Gesetz in Kraft tritt, und Facebook hatte gedroht, dass Australierinnen und Australier auf seiner Plattform nicht mehr Nachrichten teilen dürften. In der vergangenen Woche hatte ein Senatskomitee keinen Änderungsbedarf bei dem Entwurf gesehen, den Google und Facebook als unausführbar bezeichnet hatten.

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