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US-Banken Morgan Stanley verringert Abstand zu Goldman Sachs

Die neuen Quartalszahlen geben erste Hinweise, dass die Investmentbank Goldman Sachs den Aufbruch zur mehr Wachstum schaffen kann. Konkurrent Morgan Stanley bleibt stabil auf seinem bewährten Pfad – und verringert den Abstand.

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Das Logo von Goldman Sachs im Handelssaal der New Yorker Börse: Die Investmentbank stellt Leute ein und versucht, ihre Ertragsprobleme abzuschütteln. Quelle: AP

New York Finanzvorstände reden nicht gerne über das, was am wichtigsten für eine Bank ist: die Mitarbeiter. Aber Marty Chavez von Goldman Sachs wies gegenüber Analysten stolz darauf hin, dass der Personalstand im dritten Quartal deutlich auf 35.800 gewachsen ist. Das war ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr und sogar von fünf Prozent gegenüber dem Vorquartal. Allein daran wird deutlich: Die Investmentbank stellt Leute ein, schaut nach vorn, versucht, ihre Ertragsprobleme abzuschütteln.

Chavez bekräftigte den Plan der Bank, in den nächsten drei Jahren die Einnahmen um bis zu jeweils fünf Milliarden Dollar zu steigern, was etwa zur Hälfte bis auf den Gewinn vor Steuern durchschlagen sollte. „Daran arbeiten wir mit einer enormen Energie“, sagte er. Rund zwei Milliarden sollen aus höherer Kreditvergabe kommen, der Rest überwiegend durch eine Ausweitung der Kundenbasis im Kapitalmarktgeschäft, das nach Eingeständnis von Goldman-Chef Lloyd Blankfein bisher zu sehr von Hedgefonds abhängig ist.

Um das geschäftliche Portfolio insgesamt auszubauen, hat Goldman vor wenigen Tagen die Firma Genesis in Los Angeles gekauft, die Unternehmen finanziert, die Eigenheime aufkaufen, renovieren und weiterverkaufen. Zuvor hatte Goldman schon eine Plattform für Konsum-Darlehen eröffnet und Einlagengeschäft vom GE-Konzern übernommen.

Ein Lichtblick in den neuen Zahlen war die gute Entwicklung des Bereichs „Investing and Lending“, der mit 1,9 Milliarden Dollar 35 Prozent mehr Einnahmen brachte als im Vorjahresquartal. Ein großer Teil der Verbesserung war allerdings auf den Aktienbereich zurückzuführen. Aber die Kreditvergabe, auf der ein guter Teil der Zukunftshoffnungen ruht, hat ebenfalls zugelegt. Gut gelaufen ist auch das Beratungsgeschäft, das mit 911 Millionen Dollar 38 Prozent mehr einbrachte als im Vorjahresquartal. Chavez nannte als herausragendes Mandat hier die Mitarbeit an der Fusion von Dupont und Dow Chemical.

Die Investoren haben besonders auf das Ergebnis im Geschäft mit Zinspapieren, Devisen und Rohstoffen gewartet. Es brachte mit knapp 1,5 Milliarden Dollar 26 Prozent weniger ein als im Vorjahresquartal. Dabei lief es aber besser als im zweiten Quartal, damals hatte der Jahresvergleich ein Minus von 40 Prozent ergeben. Chavez machte deutlich, dass der besonders schwierige Bereich der Rohstoffe immer noch ein Problem darstellt, er läuft zurzeit schlechter als je zuvor seit dem Börsengang von Goldman im Jahr 1999. Die Bank will aber, anders als viele Konkurrenten, daran festhalten.

Insgesamt lagen die Erlöse mit 8,3 Milliarden knapp über denen des Vorjahresquartals. Der Gewinn blieb stabil bei gut zwei Milliarden Dollar. Vor der Ausschüttung an Vorzugsaktionäre ist er leicht gestiegen, danach gerechnet gab er um drei Prozent nach.

Die Zahlen sind besser ausgefallen als die Analystenschätzungen. Die Researchfirma Keefe, Bruyette & Woods (KBW) spricht von einem soliden Ergebnis und erwartet Auftrieb für die Aktie. Die Investoren sind offenbar trotz allem enttäuscht, jedenfalls gab die Aktie zunächst deutlich nach.

Die Zahlen von Morgan Stanley überzeugten die Anleger dagegen. Der ewige Konkurrent von Goldman legte in allen Bereichen zu und profitierte von seinem langfristig angelegten Aufbau der Vermögensverwaltung, wie auch KBW hervorhebt. Die Einnahmen stiegen im Vorjahresvergleich um elf Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar, der Gewinn unterm Strich sogar um 28 Prozent auf 1,7 Milliarden.

Damit verdient Goldman immer noch etwas mehr als Morgan Stanley. Auch bei der Marktkapitalisierung liegt Goldman mit rund 95 Milliarden höher als Morgan Stanley mit 91 Milliarden. Aber der Abstand verringert sich. Als die Ertragsprobleme bei Goldman bekannt wurden, war die Börsenbewertung zeitweise sogar unter die des Konkurrenten gerutscht.

Die Aktie von Goldman zeigt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 15. Morgan Stanley liegt mit 17 etwas höher, darin kommt auch zum Ausdruck, dass die Investoren die Erträge dort als etwas stabiler ansehen. Zum Vergleich: JP Morgan, die größte US-Bank, ist ebenfalls einem KGV von 15 bewertet. Mit 341 Milliarden Dollar Börsenbewertung liegt sie weit über den beiden Investmentbanken.

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